Memoiren eines Versagers - Uli Edel und Christiane F.: Wie ich ins Filmgeschäft stolperte

Ich machte mich zur verabredeten Zeit auf den Weg in die Potsdamer Straße 96, dort war das Büro der Produktionsfirma Solaris. Sabine, die ich dort treffen sollte, war aber nicht da, nur ein dunkelhaariger Wuschelkopf, der hieß Uli und war tierisch nett. Er fragte mich aus, erzählte mir von der Produktion, und wir unterhielten uns etwa eine Stunde. Ich war sehr angenehm überrascht, keine Arroganz einem Anfänger wie mir gegenüber, er behandelte mich wie einen Kollegen.
Dann kam Sabine, nahm mich mit in ihr Büro. „Das war übrigens Uli Edel, unser Regisseur, mit dem du geredet hast“, erzählte sie mir beiläufig. Whow, ich war platt! Ich hatte über eine Stunde mit einem leibhaftigen Regisseur geredet! Ich hatte den Job. Sonntag fing das Casting an, und das Kamerateam tauchte auf: Jürgen Jürges war der Kameramann, Hans Günther Bücking der Assistent, beide auch supernett. Ich machte meinen Job anscheinend gut, denn ich wurde für das nächste Wochenende wieder verpflichtet und bekam jede Menge Visitenkarten der Produktion. Ich sollte ein wenig in Diskotheken nach geeigneten Laiendarstellern Ausschau halten. Das war nun wirklich ein Vertrauensbeweis von Uli Edel. Schon Montag erhielt ich wieder einen Anruf, ich solle Dienstag mit dem Kameramann die Motive ansehen.
Ich fuhr also mit Jürgen Jürges, einem Fassbinder-Kameramann, durch die Stadt, Motive anschauen – sehr spannend. Als wir zu den ersten Innenmotiven kamen, einer U-Bahn-Station, stellte Jürgen fest, dass er seinen Belichtungsmesser (Spotmeter) vergessen hatte. Ich gab ihm meinen, den ich im Auto hatte. Nun wurde Jürgen neugierig. „Warum hast du einen Spotmeter?“, fragte er. Wieder erzählte ich meine Geschichte und dass ich nun arbeitsloser Kamera-Assistent sei. „Aha, das werden wir schon ändern“, sagte er. Fortan hatte ich die ganze Woche als Fahrer zu tun. Am Wochenende waren wieder Probeaufnahmen, die Hans, der Assistent, machte. Beide mochten allerdings die kleine Videokamera nicht, die wir dafür benutzten, also durfte ich die Woche darauf die Probeaufnahmen alleine machen. Ich konnte mein Glück kaum fassen!
Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo, Vorspiel  Es war schon etwas abartig, in Teenie-Discos zu verkehren und kleine Mädchen und kleine Jungs zu beobachten. Da gab es schon einige Sprüche zu hören wie „Spanner“, „Kinderf…“ usw. Das Schlimme war nur, dass dort tatsächlich viele ältere Männer verkehrten, um kleine Mädchen abzuschleppen.
Wir kamen mit dem Casting gut voran, und irgendwann brachte Babette, die Regieassistentin, Kathrin mit. Sie war 13 und wirklich begabt, und wir waren uns alle einig, dass sie die Hauptrolle bekommen sollte – sie war einfach mit Abstand die Beste. Bei den Jungs waren wir weniger erfolgreich. Den Typen, der für die Hauptrolle auserkoren wurde, fand ich persönlich zu blass, zu unbegabt, aber ich war ja nur ein kleines Licht und hatte keine Entscheidung zu treffen, obwohl natürlich jeder ohne Probleme seine Meinung sagen konnte.
Ab sofort machten Hans und Jürgen die Probeaufnahmen mit dem Paar nur noch auf Film, nicht auf Video, und Kathrin spielte ihren Partner immer an die Wand. Es gab noch ein anderes Problem: Egal, wie Kathrin geschminkt wurde, sie war einfach zu hübsch. Sie sah immer zu gesund aus und nie wie eine Fixerin. Als ich eines Tages ins Produktionsbüro kam, erfuhr ich, dass Kathrin doch nicht die Hauptrolle bekommen sollte. Nachdem sie einige Tage lang wie die zukünftige Hauptdarstellerin behandelt worden war, hatte man ihr einfach so gesagt, dass sie die Rolle nicht bekäme. Die Entscheidung war richtig, aber die Art, wie man es ihr gesagt hatte, war nicht okay gegenüber einem dreizehnjährigen Mädchen. Kathrin irrte enttäuscht und heulend durch die Stadt, aber Hans, der Kamera-Assistent, war sofort losgefahren und suchte sie. Er fand sie und kümmerte sich in den nächsten Tagen um sie. Die beiden heirateten einige Jahre später. Happy End trotz Produktions-Fauxpas!
Eine neue Hauptdarstellerin wurde schnell gefunden. Sie hieß Nadja Brunckhorst, war ebenfalls sehr begabt, und damit war das Casting beendet. Mittlerweile gab es eine neue Erfindung im filmtechnischen Bereich, Steadycam hieß sie. Der Kameramann trug dabei eine Art Korsett, ohne Strapse selbstverständlich, auf einem Gelenkarm, der aus dem Korsett ragte, wurde die Kamera installiert, kardanisch aufgehängt. Nun konnte der Kameramann damit Personen folgen, ohne dass es sehr wackelte. Das Kamerabild wurde auf einen kleinen Monitor ausgespiegelt, sodass er sehen konnte, was gerade im Bild war. Wir waren, glaube ich, die Ersten in Deutschland, die dann diese Erfindung in einem Film verwendeten. Jürgen ließ sich die Steadycam sofort kommen.
Einige Wochen später sollten die Dreharbeiten beginnen, aber es war nicht ganz klar, ob ich dabei sein würde.
Der Bayern-Schock, Franz Josef Strauß und eine peinliche Disco-Erfahrung
Ich nahm sicherheitshalber erstmal einen Job in München, beim ZDF an. Die Kameramänner waren sehr nett, bis auf einen, der hieß Hammerstingl. Er lehnte ab, mit einem Assistenten aus Preußen zu arbeiten. Als ich mal den Dienstwagen mit dem Heck zur Wand eingeparkt hatte, fand ich sofort einen Zettel in meinem Fach, auf dem stand: „Wenn 9 Wagen mit der Front zur Wand einparken, dann sollte das der zehnte auch tun.“ Er war ein Pedant und ein Urbayer. Der Job war nicht uninteressant, besonders ein Dreh bei Franz Josef Strauß zu Hause.
So sehr man ihn politisch hassen konnte, privat war er ein Supertyp. Nachdem wir fertig gedreht hatten und die Kamera verpackt war, zog er vom Leder, lästerte über Helmut Kohl und den Rest der Welt. Ein brillanter Kopf und perfekter, humorvoller Gastgeber; er füllte uns derartig ab, blieb selbst aber zu unserer Verblüffung ziemlich nüchtern. Mit einem Aufnahmeantrag der CSU in der Hand und einigen Aufklebern mit einem Porträt von Franz Josef kehrte ich sturzbetrunken in mein Hotel zurück. Ob ich den Antrag wirklich abgeschickt habe? Ich hoffe nicht.
In München hatte ich allerhand Probleme mit dem Dresscode, mit meiner Lederjacke kam ich fast in keine Disco, völlig anders als in Berlin. Nur einmal hatte ich Zutritt zu einer Nobeldisco, denn Uli Edel, unser Regisseur, der in München wohnte, hatte mich eingeladen. Zusammen mit Bernd Eichinger, dem Produzenten des Films, dem Platzhirsch der Medienbranche von München, hatte ich natürlich keine Mühe reinzukommen. Das war aber überhaupt nicht meine Preisklasse. Sonst ging ich ab und zu in eine Studentendisco in der Nähe des olympischen Dorfes. Eines Abends saß ich da so bei einer Cola (ja, Cola!), da kam eine tierisch hässliche Frau herein. Sie konnte ja nichts dafür, und vielleicht war sie auch nicht so hässlich, nur ich fand sie unattraktiv. Jedenfalls steuerte sie direkt meinen Tisch an und baggerte mich sofort an. Das war für mich ein klares Zeichen: München war nicht meine Stadt!
Zurück in Berlin: Wasserschaden, besoffene Nachbarn und ein tierischer Fund
Im Hotel fand ich einen Zettel in meinem Fach: „Bitte zurückrufen, Solaris Film.“ Aufgeregt rief ich am nächsten Morgen an. Ich hatte den Job! Ich war Materialassistent bei „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, und die Bezahlung war auch nicht schlecht: statt 130 DM im Monat wie bei Brunnemann, 130 Mark am Tag! Jürgen Jürges, der Kameramann, hatte darauf bestanden, dass ich dabei war, da ich ja die ganze Vorbereitung mitgemacht hatte. In der kommenden Woche sollte es losgehen, ich verließ München zwei Tage später.
Zuerst einmal zog ich zu Hans, dem Kamera-Assistenten. Der hatte eine Riesenwohnung in der Pallasstraße am Winterfeldtplatz – endlich wieder eine Dusche! Es ging auch gar nicht anders, meine alte Wohnung lag in Schutt und Asche. Nach meiner Rückkehr stellte ich fest, dass alle meine Wände nass waren. Der Mieter über mir ließ seit Tagen das Wasser überlaufen. Die Hausverwaltung reagierte nicht auf meine Klagen. Irgendwann, als ich gerade die Toilette verlassen hatte, machte es „Rumms!“, und der gesamte Putz fiel von den Wänden, und die Decke kam runter. Nun war meine Bude endgültig unbewohnbar.
Es gab noch ein anderes Problem. Mein Nachbar auf demselben Stock, ein Suffkopf, den ich bisher immer nur morgens auf dem Weg zur Uni gesehen hatte, mit einem Handwagen voller Bier und Korn auf dem Weg in seine Wohnung, hatte mich mal auf ein Bier eingeladen. Anstandshalber war ich rübergegangen. Die Bude war voller Trinker, voller menschlicher Ruinen, die sich im Akkord betranken, auch Frauen waren dabei. Nach einer Stunde sagte mein Nachbar: „So, jetzt rutschen wir über die Mädels und dann gehen wir zum Bahnhof Zoo einen trinken.“ Alle lachten und begannen sich auszuziehen. Igittigitt! Ich machte mich sofort vom Acker. Fortan hatte ich Probleme, wenn mein Nachbar außer Haus soff. Dann bollerte es nachts um drei an meine Tür, einer seiner sturzbetrunkenen Freunde stand dann meist da und lallte: „Ey Kumpel, kann ich bei Dir mal ein Bier trinken?“ Erst wollte ich mir für diese Gelegenheiten einen Baseballschläger besorgen. Der Umzug zu Hans war aber die bessere Lösung.
Dreharbeiten mit Gummibusen, Goldmedaillengewinner und einer Kofferraum-Überraschung 
Die Vorbereitungen für den Dreh waren in vollem Gange. Ich hatte einen Höllenrespekt vor all den Profis, hatte ja keine Ahnung, dass viele von denen auch erst am Anfang ihrer Karriere standen.
Mit Nadja gab es ein Problem: Sie hatte noch keinen Busen. Colin Arthur, unser Maskenbildner, ein absoluter Profi und superkomischer Engländer, modellierte ihr einen Gummibusen, den sie beim Drehen immer anschnallen musste. Er wollte immer bei Babette, der Regieassistentin, Maß nehmen, aber die zierte sich, so musste er sich auf seine Eingebung verlassen. Er konstruierte auch die Spritzen, die wir verwendeten, sodass es echt aussah, ohne im Film schneiden zu müssen (Flüssigkeit rein, Blut raus). Die Dreharbeiten verliefen sehr harmonisch.
Myrella, die Kostümbildnerin, brachte ab und zu mal ihren Freund mit zum Drehen, der half mir hin und wieder die Kamerakoffer zu schleppen, wenn er sich langweilte und auf Myrella wartete – Edwin, ein sehr netter Amerikaner. Als ich dann Tage später erfuhr, wer das überhaupt war, konnte ich es gar nicht fassen. Es war Edwin Moses, der Goldmedaillengewinner über 400m Hürden und mehrmalige Weltmeister! Ein sehr bescheidener, freundlicher Mann. Die zwei heirateten dann 1982, und Myrella zog nach L.A. Später wurde dann Edwin irgendwann von der Polizei mit einer Prostituierten erwischt, und sie ließen sich 1991 wieder scheiden. So viel zum Thema Märchen aus Hollywood. 
Die Dreharbeiten zogen sich in die Länge, wochenlang drehten wir in einer Wohnung, die wir als Fixerwohnung herrichteten. Das heißt, die sah dann aus wie die Küche bei Hans und mir, unsere Abteilung „verdorbene Lebensmittel“. Jedes Teammitglied brachte seinen Hausmüll mit, und den kippten wir dann in die Wohnung, Sagrotan drüber, und fertig. Das sah sehr authentisch aus, war aber ziemlich eklig.
Jürgen Jürges, der Kameramann, war ein Meister seines Fachs, und Hans war ein Spitzenassistent, ich konnte viel von ihnen lernen. Unseren Regisseur, Uli Edel, fand ich ebenfalls gut, aber Uli war ein lausiger Autofahrer, er fuhr immer ziemlich ziel- und planlos. Er hatte einen alten Volvo. Vor unserem Motiv wurde gerade der Gehweg repariert, das störte natürlich bei den Dreharbeiten. Eines Tages, als gerade keine Bauarbeiter da waren, nahmen Udo Gaidosch, der Requisiteur, und ich die Gehwegplatten und wollten sie verschwinden lassen. Mangels Versteckmöglichkeiten packten wir sie in den Kofferraum des nächstbesten Autos. Es war Ulis Volvo. Damit sie dort nicht allzu sehr polterten, fütterten wir den Kofferraum mit vollen Müllsäcken aus unserem Bestand auf.
Der Volvo lag nun ziemlich tief, waren schon ein paar Zentner Platten im Kofferraum. In den folgenden Tagen beschwerte sich Uli über den hohen Benzinverbrauch seines Volvos und dass er schlecht beschleunige. Eines Tages kam er mit dem Taxi zum Drehort, er hatte den Wagen in die Werkstatt gebracht, weil es streng roch und er zu viel Benzin verbrauchte. Am nächsten Morgen kam er wieder mit seinem Volvo an. Wie es der Zufall so will, standen ausgerechnet Udo und ich zusammen draußen, da ich Kassetten einlegen musste. Uli lachte und erzählte uns, irgendein Scherzkeks habe seinen Wagen voller Gehwegplatten geladen, ob wir das mal schnell ausräumen könnten. Das taten wir dann auch, der Inhalt der Müllsäcke war aber schon in einem hochgradigen Stadium der Verwesung, ziemlich eklig (Ja, Uli, jetzt weißt du es, wir waren es, hatten es aber im Prinzip gut gemeint!).
Unser Produzent Bernd Eichinger ließ sich relativ selten am Drehort sehen, er war auch im Gegensatz zu allen anderen etwas unnahbar, aber nicht unangenehm.
Unsere nächsten Motive waren die Toiletten unter den S-Bahnbrücken der Kleiststraße, also direkt im Fixerkiez. Die wurden gesäubert und dann mit Schokolade verschmiert, damit sie schmutzig aussahen. Zweimal konnten wir nicht drehen, da irgendein Fixer sich dort den goldenen Schuss gesetzt hatte und die Leiche erst abtransportiert werden musste. War schon ein komisches Gefühl, dann dort zu drehen. Mehrmals kamen dann auch Fixer, bedrohten uns und forderten Zutritt zur Toilette. Die hatten dann dort irgendwo ihren Stoff versteckt. Wenn sie wieder rauskamen, waren sie viel entspannter und auf dem Klo lag dann die blutige Spritze.
Einmal drehten wir am Lehniner Platz mit künstlichem Regen, das funktionierte aber nicht so gut, der Regenmacher war ein Stümper. Es war ein subjektiver Schuss aus einem Auto heraus. Nadja musste im strömenden (künstlichen) Regen agieren. Ich saß mit Jürgen, dem Kameramann, und dem Tonmeister mit der Kamera im Auto, Hans führte eine zweite Kamera. Der Ton ist bei solchen Szenen nicht zu verwenden, aber der Tonmann wollte sicherheitshalber trotzdem den Ton aufnehmen. Jürgen dachte, der Ton würde eh im Müll landen und fluchte vor sich hin: „Da regnet’s, da regnet’s nicht, diese Dilettanten, das klappt doch so nie, guck mal da kommt ein voller Strahl runter!“ Er konnte sich gar nicht beruhigen.
Am nächsten Tag bei der Mustervorführung (bei der Mustervorführung schaute man sich das Material an, das am vorigen Tag gedreht wurde, um es zu kontrollieren, wir drehten ja auf 35 mm Film und nicht auf Video) wurde Jürgen immer kleiner in seinem Kinositz, als er sein Gefluche hörte. Der Schneideraum hatte den Ton mit seinen Flüchen aus Versehen an den Film angelegt. Jürgen drehte sich zu Lothar, dem Tonmeister, um und sagte nur: „Das war ja nun wirklich nicht nötig.“
Der Original Tatort des Geschehens
Unser nächstes Motiv sollte die berühmt-berüchtigte Original-Diskothek Sound in der Genthiner Straße sein. Das Sound war ein versiffter Laden, Treffpunkt der Drogenabhängigen. Dort hatte sich ein Teil der Originalgeschichte der Christiane F. abgespielt. Ich kannte den Laden schon vorher, war nicht so mein Ding, zu viele Menschen, für die das Leben schon fertig war, bevor es überhaupt begonnen hatte.
Die echte Christiane F. spielte als Statist in einigen Szenen mit. Sie war für mich eine Enttäuschung. Eine unscheinbare, junge Frau ohne Charisma. Erst dann wurde mir klar, dass ihr Schicksal nur eines von vielen, nahezu identischen Schicksalen war. Sie hatte nur das Glück gehabt, jemanden zu treffen, der sich für ihr kaputtes Leben interessierte und es aufschrieb. Es gab sicher noch viel extremere Schicksale in dieser Szene.
Nun kommt die zweite Enttäuschung, aber im Prinzip auch eine positive Erfahrung. Ich bemerkte oft jemanden, der im Hintergrund rumstand und die Dreharbeiten beobachtete. Er war etwa 1,80 Meter groß, Mitte 30 und keineswegs auffällig oder extravagant, eher unscheinbar. Irgendwann ging ich durch Zufall dichter an ihm vorbei. Er war keineswegs sofort zu erkennen, aber er war es: David Bowie, dessen Musik den ganzen Film prägt. Er wohnte damals in Berlin. Er hielt sich unauffällig im Hintergrund auf, mischte sich nicht ein, keine Allüren, kein Stargetue. Ein ganz normaler Mann. Enttäuschend auf den ersten Blick, angenehm aber sein Verhalten und sein ganzes bescheidenes Auftreten.
Sein Konzertausschnitt aus dem Film ist allerdings eine Mogelpackung. Das Konzert selbst wurde in New York gefilmt, nur Nadja war dort und natürlich Uli Edel, der Regisseur selbst. Alle Szenen vor der Bühne wurden in der Berliner Deutschlandhalle gedreht, in den Umbaupausen eines Konzerts von Whitesnake und ACDC. Das Publikum selbst wurde bei dem ACDC-Auftritt gedreht. Film ist halt Illusion, damit muss man leben. Bei den Strichszenen vor dem Sound kam auch mein damaliges Auto zum Einsatz, ein braunmetalliges Fiat 124 Coupé.
Eine Szene werde ich nie vergessen. Unser damaliger Produktionsleiter Harald Muchametow spielte auch kurz mit. Er spielte einen Spaziergänger, der von Nadja angeschnorrt wurde. Er gab ihr nichts, daraufhin sagte sie „Alter Wichser!“ zu ihm, und er haute ihr eine runter. Fortan musste ich immer an diese Szene denken, wenn ich Harald traf.
Feuer im Europacenter - Hochhaus in Flammen 
Eines Nachts drehten wir auf dem Dach des Europacenters. Ein paar Tage vorher war gerade „Hochhaus in Flammen“ in den Kinos angelaufen. So gegen fünf Uhr früh fuhren plötzlich einige Löschzüge der Feuerwehr vor. Per Walkie-Talkie kam die Anweisung: „Keiner verlässt das Dach, keine Fahrstühle benutzen!“ 
Wir schauten mit mulmigen Gefühlen die zwanzig Stockwerke nach unten. Gott sei Dank hatte nur ein Papierkorb in einem der Büros Feuer gefangen. Wir atmeten auf, als die Entwarnung kam. Die nächsten Tage gab es allerdings schlechte Nachrichten.
Jürgen Jürges, unser Kameramann, einer der besten Deutschlands, wurde entlassen. Jürgen ist sicher nicht einer der Schnellsten, aber er ist hervorragend. Dieser Film war einer der Ersten, den Bernd Eichinger produzierte, und ich gehe mal davon aus, dass man sich ein wenig verkalkuliert hatte. Das Buch war endlos lang, die Kinoversion hatte schon deutlich Überlänge. Die erste Schnittversion des Films war nochmals deutlich länger als die Kinoversion und wurde auf die Kinoversion gekürzt. Hans, Jürgens Assistent, ging auch, aber Beide sagten mir, ich solle auf alle Fälle bleiben, um Erfahrung zu gewinnen. Das tat ich auch. Als Kameramann kam Justus Pankau, der Chefkameramann des SDR, eine Seele von Mensch, er war deutlich schneller als Jürgen, aber das ging auf Kosten der optischen Qualität, bei der Jürgen keine Kompromisse einging. Erster Assistent wurde Gert Stallmann, mit dem ich heute noch befreundet bin. Er ist heute Professor an der TFH Berlin, an der ich später auch mal unterrichtet habe. 
Meinen Mitstudenten Achim hatte ich mittlerweile bei den Beleuchtern untergebracht. Die Dreharbeiten gingen weiter, und keiner wusste, wie lange. Die Verträge wurden nur wochenweise verlängert. Hans hatte mittlerweile einen Job als Kameraassistent bei Michael Ballhaus. Dann bekam Jürgen einen kleinen, neuen Film „Berliner Stadtbahnbilder“. Hans war beschäftigt, und oh Wunder, Jürgen rief mich an. Erster Kameraassistent bei einem der besten Kameramänner Deutschlands – natürlich sagte ich zu. Gert Stallmann hatte inzwischen auch einen neuen Job, also machte Achim Poulheim als erster Assistent bei Bahnhof Zoo weiter.



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog