Dienstag, 17. März 2026

 „Coming out“ - für 17 Millionen - die Maueröffnung am 9. November 1989

Wieder einmal hatte ich das Vergnügen einer Doppelschicht: Um 4 Uhr morgens hieß es Frühstücksfernsehen bei RIAS TV, anschließend ging’s zum ZDF. Das Frühstücksfernsehen war meist stressfrei, abgesehen von Nina Ruge. Sie war eigentlich eine sehr nette Kollegin, doch Sekunden vor Sendungsbeginn pflegte sie Dehnübungen zu machen, indem sie abwechselnd ein Bein auf das Moderationspult legte. Das tat sie bis fünf Sekunden vor Sendung, was den Adrenalinspiegel des Regisseurs – und natürlich auch den des Kameramanns, der die erste Einstellung mit ihr hatte – in ungeahnte Höhen trieb. Immerhin blieben exakt fünf Sekunden, um das Bild einzurichten und scharfzustellen. Erstaunlicherweise klappte es jedes Mal.

Später beim ZDF teilte mir Gisi, die charmante Dame in der Disposition, mit, sie benötige meine Passdaten für eine Dienstreise. Passdaten? Dienstreise? Sofort dachte ich an die Südsee oder ähnlich exotische Gefilde, doch es ging um Ost-Berlin. Das bedeutete ganze fünf Kilometer. Man musste damals noch eine Art Visum beantragen, inklusive Zwangsumtausch. Ein bürokratisches Vergnügen.


Grenzerfahrungen und ein historischer Zufall

Donnerstags ging es dann los, meine erste Drehreise in die Hauptstadt der DDR, die ich lediglich von einem kurzen Tagesbesuch kannte. Bernhard von Dadelsen war mein Redakteur, und der Beitrag sollte für die Sendung Aspekte sein. Bernhard war ein angenehmer Kerl, mit dem ich schon öfters gedreht hatte. Diesmal ging es um die Premiere von Heiner Carows „Coming Out“, dem ersten Schwulenfilm der DDR, die an diesem Tag stattfand.

Heiner Carow war mir bekannt als Regisseur von „Die Legende von Paul und Paula“, dessen Musik die Puhdys beigesteuert hatten. Er galt keinesfalls als Visionär oder gar Hellseher, doch mit seiner Titelwahl hatte er, retrospektiv betrachtet, ein glückliches Händchen bewiesen, auch wenn dies in den kommenden, stürmischen Ereignissen untergehen sollte beziehungsweise in Vergessenheit geriet.

Die Premiere fand im Kino Kosmos (oder International) an der Frankfurter Allee statt. Nach der 17-Uhr-Premiere und einem Interview fuhren wir zur Premierenfeier in eine Art Schwulenkneipe (oder es waren an diesem Abend schlichtweg überwiegend Schwule anwesend) in der Wisbyer Straße, Ecke Schönhauser, unweit vom Café Nord. Zunächst wurde angeregt über den Film diskutiert, doch dann entspannen sich die typischen unerquicklichen Debatten, die ich bereits hundertfach erlebt hatte: Schwule, die einem zu erklären versuchen, dass alle Männer latent schwul seien, und dann einfach nicht wahrhaben wollen, dass dem nicht so ist.

Genervt beschloss ich, draußen eine zu rauchen. Als ich vor die Tür trat, war ich etwas verblüfft. Ein Stau in der Wisbyer Straße Richtung Bornholmer Straße – es war etwa halb zehn an einem Donnerstag, und in Ost-Berlin fuhren selbst tagsüber kaum Autos. Meine Neugier war geweckt. Ich schaute in ein Auto und sah, wie der Fahrer Zeitung las. Ich dachte, mich trifft der Schlag: Es war die West-Berliner Morgenpost. Mein erster Gedanke war, nun sei Westpresse im Osten erlaubt, und alle fuhren los, um die Morgenpost zu kaufen. Ich witterte eine Sensation.

Ich klopfte ans Autofenster: „Wo haben Sie die Zeitung gekauft?“, wollte ich ahnungslos wissen. „Am Bahnhof Zoo“, entgegnete der Mann, er habe nur schnell seine Familie geholt, er fahre wieder in den Westen. „Wie, in den Westen?“, wollte ich wissen und begriff gar nichts. „Ja, wir fahren alle in den Westen, die Mauer ist auf“, erhielt ich als Antwort. Ich eilte zum nächsten Auto, zum übernächsten, überall erhielt ich dieselbe Auskunft.

Sofort rannte ich zurück in die Kneipe zu Bernhard, der noch angeregt diskutierte, und sagte ihm: „Der Dreh hier ist zu Ende, die Mauer ist offen, wir müssen los.“ „Damit scherzt man nicht“, entgegneten die Ossis. Wenige Minuten später war die Party dann tatsächlich beendet, alle gingen in den Westen.

Wir machten uns auf den Weg zum Grenzübergang Bornholmer Straße und drehten, was das Zeug hielt. Wir trafen Menschen, die gerade über Ungarn ausgereist waren, soeben in West-Berlin angekommen, nur um festzustellen, dass sie es auch einfacher hätten haben können, wenn sie ein paar Tage gewartet hätten. Es herrschte das Chaos, doch eine derart friedliche Atmosphäre! Die Zöllner bekamen Blumen, wurden in keiner Weise angegangen und verhielten sich absolut passiv. Ich hatte zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl, direkt am Puls der Welt zu stehen. Es gab und gibt ja das hartnäckige Gerücht, die Westpresse habe Bescheid gewusst – völliger Quatsch, kann ich nur sagen.



Wir gingen in den Westen zu einer Telefonzelle, um beim ZDF in Mainz anzurufen. Der Nachtportier nahm ab. Bernhard erzählte ihm die Geschichte der Maueröffnung, und er solle Redaktionen zusammentrommeln. Der Mann legte einfach auf, weil er dachte, ein Verrückter sei in der Leitung. Nichts geschah.

Als unsere Kassetten zu Ende waren, fuhren wir wieder in den Westen, diesmal durch den Checkpoint Charlie, weil es dort nicht so voll war. Sie wollten uns zunächst nicht durchlassen, weil wir vorgaben, in der ganzen Hektik unsere Passierscheine verloren zu haben. Die wollten wir natürlich als Erinnerung behalten.



Um vier Uhr früh war ich zu Hause und ging noch einmal kurz die 200 Meter zum Ku’damm. Dort war die Hölle los, eine unbeschreibliche Stimmung, jetzt, Stunden später, war allerdings reichlich Alkohol im Spiel. Ich ging ins Bett und fuhr um 7 Uhr sicherheitshalber gleich zum ZDF, weil ich schon wusste, dass ich sowieso arbeiten musste. Dort lag mein in der Nacht gedrehtes Material noch unbearbeitet herum; sie waren gerade dabei, die Nachricht zu verdauen und sich für den Tag zu organisieren.

In den nächsten Tagen und Wochen haben wir rund um die Uhr gearbeitet und richtig Geld verdient. Die Clevereren als wir haben sich allerdings eine goldene Nase verdient. Der Kurs der Ostmark fiel unter 1:20. Sie kauften die Ostmark auf, suchten sich einen Ossi, gaben ihm das Geld und warteten auf den Tag, an dem die Ostmark in Westmark umrubelt wurde – das waren glatte 1000 Prozent Gewinn. Daran gedacht hatte ich auch, aber ich hatte gar keine Zeit, so etwas zu tun.

Die Premiere von Heiner Carows Film wurde einfach vergessen, und dass er mit dem Titel „Coming Out“ das perfekte Motto für diesen historischen Tag geliefert hatte, ging dabei gänzlich unter.


Konsequenzen des Mauerfalls und eine Prise Realpolitik

Natürlich war es ein traumhaftes Gefühl, das, was keiner mehr erhofft hatte, war doch passiert. Die Mauer war offen, die Wiedervereinigung nahte. In den nächsten Tagen und Wochen drehten wir wie die Teufel. Ich filzte alle DDR-Mülltonnen und sammelte DDR-Utensilien wie Fahnen und Orden, Mauerstücke und kaufte DDR-Artikel als zukünftige Geschenke für Freunde weltweit.

Allerdings gab es auch einen Zwiespalt. Mir war schon immer klar gewesen, dass es nicht primär um Freiheit ging, sondern um bessere Lebensumstände, um Konsum und Luxus. Im Westen war ich in Diskussionen schon immer mit meiner Ost-West-Theorie aufgelaufen: Hätte es der DDR tatsächlich gelingen können, den Lebensstandard der Bevölkerung über das Westniveau zu heben, wären die Leute in Scharen in die DDR übergelaufen. In diesem Falle hätte der Westen den Osten dafür bezahlt, die Mauer stehen zu lassen und die Kontrollen in den Westen zu verlegen. Eine provokante, aber nicht unlogische Gedankenspielerei.

Niemand machte sich auch Gedanken über die Konsequenzen des Mauerfalls. Der Kapitalismus hatte sich nun als überlegenes System erwiesen, weil er ein menschliches Antlitz zeigen musste, um seine Überlegenheit auch in menschlicher Hinsicht zu demonstrieren und um die Menschen davon abzuhalten, für den Sozialismus zu stimmen. Unsere ganze soziale Marktwirtschaft, unser ganzes soziales Netz, war nur entstanden, weil es seit 1918 ein Konkurrenzsystem gab, den Kommunismus, der theoretisch überlegen war, weil er Gleichheit versprach. Nur aus Angst davor, alles zu verlieren, hatte der Kapitalismus angefangen, die Arbeitnehmer an den riesigen Profiten zu beteiligen, und so war unser deutscher Wohlfahrtsstaat entstanden. Zum Zeitpunkt der Maueröffnung lebten wir in einem der denkbar besten und sozialsten Staaten der Welt, einem Paradies für Arbeitnehmer, das natürlich auch von vielen ausgenutzt wurde. Es war so attraktiv, dass sich Scharen von Menschen aus aller Welt auf den Weg machten, um von den Vorzügen dieses Sozialstaats zu profitieren. Mir war jedoch klar, dass ein Ende des Kommunismus auch das Ende des humanen Kapitalismus bedeuten könnte. Ohne die Konkurrenz des Kommunismus brauchte der Kapitalismus keine Rücksichten mehr zu nehmen; er würde bald wieder sein wahres, gieriges Gesicht zeigen, und wir, die Arbeitnehmer oder auch die kleinen und mittleren Firmen, würden uns warm anziehen müssen. Und so scheint es auch zu kommen: Es wird zusehends kälter in Deutschland, das soziale Netz zerbricht, und die Solidarität – jeder ist sich selbst der Nächste. Wenn ich zurück nach Deutschland komme, sehe ich nur noch Menschen, die hart arbeiten müssen, um zu überleben, die sich wegen Jobs und Aufstiegschancen bekämpfen. Der Schuldige ist schnell ausgemacht: Es wird auf die Globalisierung geschoben, aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Jobs gehen verloren und Löhne werden gedrückt durch die Gier, riesige Profite zu machen und Renditen zu erwirtschaften, die vor wenigen Jahren noch als absolut asozial bezeichnet worden wären. Versteht mich bitte nicht falsch. Ich habe nichts gegen Profite und gegen Menschen, die Millionen verdienen, wenn sie eine entsprechende Leistung dafür erbringen oder einfach cleverer sind als andere. Ich habe etwas dagegen, dass durch Spekulationen Volkswirtschaften zerstört werden, dass Arbeitsplätze wegen der Aktienkurse gestrichen werden und dass es Menschen gibt, die ohne Rücksicht auf Verluste und auf Kosten anderer innerhalb weniger Monate Millionen verdienen wollen und dann noch den Staat um Steuern betrügen, aber natürlich das Sozialsystem selbst mit ihren Familien ausbeuten und nutzen, aber mit keinem Pfennig unterstützen wollen.

Die „bösen Kapitalisten“ von damals, die von der RAF und von den Linken bekämpft wurden – die Quandts, Springers, Mohns, Haniels, Krupps und Thyssens und wie sie alle heißen – waren zwar teilweise Knauser, aber sie zeigten auch ihre soziale Seite, zahlten Steuern, zeigten Verantwortung für ihre Mitarbeiter und ließen diese am Wohlstand partizipieren.

Eigentlich sind diese Leute heute als Vorbilder zu betrachten, denn sie wussten sehr wohl, dass ihr Reichtum durch ihre Mitarbeiter gemehrt wurde. Heute glauben die Manager, sie allein seien dafür verantwortlich und nicht die Mitarbeiter.

Ich fürchte, sollte es in Deutschland weitergehen wie bisher, wird eine neue RAF entstehen, die im Gegensatz zur alten RAF, die eine Verbrecherbande war und den besten Staat bekämpfte, den es je in Deutschland gab, eine Berechtigung haben wird, denn das Volk wird nicht mehr vertreten oder beschützt, sondern ausgenommen.

Es ist schon pervers zu sehen, dass die Steuergelder oder Krankenkassenbeiträge der einfachen Menschen nicht ihnen zufließen, sondern über Subventionen, Kosten für Medikamente, Energie oder was auch immer ebenfalls in den Kassen der Konzerne landen. Wenn die Erträge der Hundesteuer in manchen Kommunen höher sind als die der Gewerbesteuer, gibt das zu denken.

Dazu kommt eine Kaste von Berufspolitikern, abgekoppelt von der Lebenswirklichkeit, die nie auch nur einen Tag im Leben gearbeitet haben, außer an der eigenen Karriere. Sie fühlen sich und führen sich als die neuen Herrscher auf, die keinerlei Rechenschaft mehr über ihr Tun ablegen müssen – eine gefährliche Entwicklung.

Um es noch einmal deutlich zu machen, ich habe nichts gegen Firmen und Menschen, die Millionen oder gar Milliarden verdienen, wenn es auf ehrliche Art geschieht und nicht auf Kosten anderer. Ich will einmal ein Positivbeispiel geben: die SAP, clevere Jungs, ein soziales Unternehmen. Ich habe nichts dagegen, dass Hasso Plattner Milliarden verdient (obwohl er schon ein sehr kauziger Typ ist) oder Henning Kagermann Millionen einstreicht als Manager.

Ich gebe mal ein anderes Beispiel: 1999 gründeten drei Brüder in Berlin ein Internet-Auktionshaus namens Alando (die Idee geklaut bei eBay in den USA, das noch nicht in Deutschland vertreten war). Ich verkaufte dort CDs, die mir nicht mehr gefielen. Einer der Käufer namens Samwer holte sich eine Red Hot Chili Peppers CD direkt bei mir zu Hause ab. Ein netter, junger Kerl. Tage später erfuhr ich, er war einer der Gründer. Sie verkauften das Auktionshaus an eBay mit einem Millionengewinn, verscherbelten danach Klingeltöne, und ihnen gehört heute Zalando. Clevere Jungs, die haben ihre Millionen zu Recht verdient. Chapeau.


Migration, Realitäten und die Drogenfrage

Doch schon zu Zeiten des Mauerfalls wurde unser Sozialsystem immer mehr ausgeplündert. Ich will einmal ein Beispiel geben, das politisch total inkorrekt ist, aber leider den Tatsachen entspricht. Gleich vorweg, um denen, die mir jetzt gleich Ausländerfeindlichkeit unterstellen werden, das Pulver zu entziehen: Ich selbst bin mit einer Ausländerin verheiratet.

Ich drehte Anfang der Neunziger viel fürs ZDF, so auch des Öfteren in Asylbewerberheimen. Einmal drehten wir in einer Anlage in Ost-Berlin, in der fast nur Rumänen lebten. Der Anlass war, dass eine Frau, die im Knast gelandet war, sich nicht mehr um ihre Kinder kümmern konnte. Ihr Mann hatte angerufen. An diesem Tag habe ich meine bisher positive Meinung über Einwanderer grundlegend geändert.

Der Bau hatte zwei Flügel, die unterschiedlicher nicht sein konnten. In einem Block wohnten normale Rumänen, die versucht hatten, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten gemütlich einzurichten. Es war dort sauber, es gab ein Familienleben. Sie baten uns inständig, nicht mit den Menschen im zweiten Block in einen Topf geworfen zu werden, was wir erst nicht verstanden. Wir dachten, diese Rumänen seien Rassisten, bis wir dann kapierten, warum sie diesen Unterschied wollten.

Was ich dann im zweiten Block sah, hatte ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Es waren Zigeuner aus Rumänien, ja richtig Zigeuner, sie nannten sich selbst so, nicht Sinti oder Roma, deshalb sehe ich jetzt nicht ein, warum ich es anders tun sollte. In ihrem Block sah es aus, als wäre der Krieg ausgebrochen. Die sanitären Anlagen waren total zerstört, es roch nach Scheiße und Urin, die Waschbecken und Wasserhähne hatten sie größtenteils abgebaut und auf Flohmärkten verkauft. Der ganze Fußboden war eine einzige klebrige Masse, ekelerregend. Die Frauen waren von ihren Männern zum Klauen geschickt worden, eine war erwischt worden und saß jetzt im Knast. Ihr Mann hatte natürlich keinen Bock, sich um die Kinder zu kümmern, deshalb hatte er sich darüber beschwert, dass seine Frau im Knast saß. Die Kerle liefen herum wie Hähne ausstaffiert, in feinstem, aber geschmacklosem Tuch, Gucci-Gürtel, Goldkettchen. Die Herren machten keinen Handschlag, während die Kinder und Frauen erbarmungswürdig, fast in Lumpen herumliefen. Bei einem weiteren Dreh drohte uns einer der Oberzigeuner, er könne uns bis zu einer Million Leute nach Deutschland schicken. Das alles wurde von unserem Staat toleriert und finanziert, statt die gesamte „Baggage“ (sorry, aber es ist der richtige Ausdruck) sofort zurückzuschicken.

Politisch korrekt konnte man wegen unserer deutschen Nazivergangenheit natürlich nicht die Wahrheit berichten; es hätte einen Sturm der Empörung in der Bevölkerung gegen Asylbewerber gegeben. Unser journalistisches Schweigen war deshalb auch absolut richtig, denn es hätte zudem unsere Sinti und Roma in Deutschland diskriminiert und mit ihnen in einen Topf geworfen – Mitbürger, die sich eben oft nichts zuschulden kommen lassen, die sich zivilisiert verhalten und die unsere Gesellschaft bereichern.

Deshalb noch einmal zum Mitschreiben: Ich habe absolut nichts gegen Zigeuner und schon gar nichts gegen unsere Mitbürger mit diesem Hintergrund, aber diese Leute, die ich in diesem Asylbewerberheim traf, haben in Deutschland nichts zu suchen, auch nicht als Asylbewerber, denn mit ihrem Verhalten wird man sie hassen und verachten, egal wo sie hinkommen. Diese Leute, die damals zu Tausenden kamen, haben unseren Sozialstaat Milliarden gekostet.

Wir trafen dort Zuhälter, Drogendealer, Diebe, Hütchenspieler – die ganze Palette – und alle lebten auf unsere Kosten. Solche Auswüchse treffen natürlich nur auf Minderheiten zu; die meisten Asylbewerber sind anständige Leute.

Als ich nach Hause kam, tötete ich erstmal die Flöhe, die ich mir geholt hatte, warf meine Kleidung in die Mülltonne und duschte eine Stunde.

A propos Drogendealer: Schon damals kam mir die ganze Sache mit der Drogenprävention merkwürdig vor. Es werden Milliarden für die Prävention ausgegeben, Millionen für Kontrollen, Zerstörung der Ernten, es fallen Kosten an für die Drogensüchtigen, und die Drogenkriminalität kostet Millionen usw.

Dabei gäbe es zwei einfache und preiswerte Wege, das Drogenproblem, zumindest bei Drogen, die auf Naturprodukten basieren, zu lösen. Legalisierung. Ich weiß, sehr unpopulär, weil ja Leute süchtig werden könnten, die im Moment noch den Weg in die Illegalität der Beschaffung meiden. Ja gut, ein Argument, aber wenn man mal ehrlich ist und sieht, wie viele Leute koksen oder kiffen, viel mehr würden es nicht werden. Aber geschenkt, es gibt noch eine zweite, bessere Möglichkeit, die viel effektiver ist.

Die EU hat Milliarden ausgegeben, um die Marktpreise zu stabilisieren für Milch, Getreide, Butter, was auch immer. Das Zeug wurde gelagert, vernichtet. Drogen werden vorwiegend in Armutsstaaten angebaut. Es kann doch kein Problem sein, die kompletten Ernten aufzukaufen und an Ort und Stelle zu vernichten. Die Kosten wären Peanuts im Vergleich zu dem, was heute für Prävention ausgegeben wird, und selbst wenn jeder Quadratzentimeter Kolumbiens und seiner Nachbarstaaten mit Koka bepflanzt wäre, dürfte dies für die Industriestaaten kein großes finanzielles Problem sein.

Wer also hat in unseren Ländern kein Interesse daran, dass dies passiert? Wer profitiert davon, oder sollten die Verquickungen der Drogenmafia in Politik und Business schon so weit gediehen sein, dass dies verhindert wird?


Montag, 16. März 2026

 Hollywood-Ambitionen, Bernd Eichinger, Wolfgang Petersen, Sonny Bono ----                                                                                                          Parallel hatte ich die ganze Zeit über für das ZDF gearbeitet und für das für RIAS TV Frühstücksfernsehen. Einer meiner Assistenten war ein netter Perser namens Mehran Bozorgnia, der ein unglaubliches Talent besaß: Er konnte das, was Alchemisten seit Urzeiten vergeblich versuchten. Er konnte aus „Scheiße Gold machen“. Er verkaufte den Redakteuren die abstrusesten Geschichten, die wir dann drehten.

Dank meiner Kontakte in die Filmwelt boten wir Aspekte (ZDF) einen Film über den Niedergang der deutschen Filmindustrie an – natürlich aus der Perspektive von Leuten, die in Hollywood ihr Glück versucht hatten. Gesagt, getan, und prompt saßen wir im Flieger nach L.A. Zuerst fuhren wir nach San Diego, wo seine Eltern wohnten – nette Leute, bei denen ich mich sofort wie zu Hause fühlte. Dort entdeckten wir einen „Mount RIAS Place“, und als dort ein Oldtimertreffen stattfand, filmten wir das und verscherbelten die Story an RIAS TV. Dann machten wir uns auf nach L.A., um deutsche Filmschaffende zu finden. Der erste war Bernd Heinl, den ich noch von der „Asphaltnacht“ kannte. Er hatte zwar seinen großen Durchbruch noch nicht erlebt, aber wir interviewten ihn trotzdem. Über das Goethe-Institut lernten wir Gabriele Landwehr und ihren Freund Hans-Jürgen Spürkel kennen. Beide waren äußerst nett, und Gabriele verschaffte uns einen Interviewtermin bei Wolfgang Petersen. Das war schon deutlich besser und ein gutes Interview, die Story war gerettet. Die Interviews drehten wir auf dem Gelände der Paramount Studios, unter Aufsicht, damit wir nicht versehentlich Schauspieler filmten, die dort herumliefen (glaube, „Dallas“ wurde dort gedreht). Petersen drehte, glaube ich, gerade „Enemy Mine“ oder war gerade fertig damit. Das war ziemlich spannend.
Dann interviewten wir Rainer Stonus, den Oberbeleuchter von Jürgen Jürges, der in Venice wohnte und ebenfalls sein Glück in den USA suchte.

Bernd Eichinger war gerade in L.A. und wohnte im Chateau Marmont, dem seit Jahrzehnten angesagten Hotel für Schauspieler und Musiker am Sunset Boulevard. Jim Morrison fiel dort mal vom Dach, John Belushi gab sich den goldenen Schuss. Popsängerin Britney Spears erhielt Hausverbot, nachdem sie sich im Hotelrestaurant Essen ins Gesicht geschmiert hatte. Schauspielerin Lindsay Lohan wurde des Hauses verwiesen, nachdem sie Rechnungen in Höhe von 46.000 US-Dollar nicht bezahlt hatte. Errol Flynn, Humphrey Bogart und Robert Mitchum sowie zahlreiche weitere Größen des US-amerikanischen Filmgeschäfts zählten dort früher zu den Stammgästen.

Als Kamera-Assistent von „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ (dort hatte ich ihn kennengelernt) erhielten wir natürlich einen Interviewtermin. Das Interview fand am frühen Morgen statt, Barbara Rudnik wuselte noch relativ leicht bekleidet durchs Apartment, und Bernd hatte noch deutliche Reste von Alkohol im Blut. Weinflaschen standen auf dem Terrassentisch – ich bat darum, sie wegzuräumen. Bernd meinte nur: „Lass die stehen.“                                                                                                                     Das Interview war gut, und Bernd ließ ordentlich Dampf ab, genau die Aussagen, die wir haben wollten – doch wir schnitten sie nicht in den Film, denn man sah die Flaschen auf dem Tisch und hörte deutlich, dass er getrunken hatte. Ich habe stets versucht, so seriös wie möglich zu bleiben. Selbst einen Idioten hätte ich nicht bloßgestellt, und erst recht nicht einen Mann wie Bernd Eichinger, einen der wirklich Großen des deutschen Films, ohne den dieser immer noch absolut bedeutungslos wäre. Bernd hat genau das Richtige getan und mutig frühzeitig versucht, für den internationalen Markt zu produzieren. Auch Roland Emmerich gehört zu diesen Pionieren, der allerdings einen reichen Vater hatte, der ihm seinen ersten Film finanzierte, was seine Leistung keineswegs schmälern soll.

Dann lernten wir Ray Perschke kennen, eigentlich Raimund Perschke, ein wahnsinniger (im positiven Sinn) Bayer, der bei fast allen Filmen von Oliver Stone als Oberbeleuchter dabei war. Ray war ein guter Kumpel, sprach inzwischen nur noch Deutsch mit starkem Ami-Akzent und besaß eine eigene Lampenfirma namens Raybeam.

Er nahm uns mit zu Dreharbeiten für einen Film in einem Tal nördlich von L.A. – sehr spannend, aber auch sehr langweilig. Für eine kleine Szene, in der ein kleines Mädchen auf dem Rücksitz eines Autos sitzt, aufspringt und zwischen den Vordersitzen hindurch aus dem Auto schaut, hatten die Beleuchter am Vortag bereits überall auf den Bergen des kleinen Tals Lampen aufgestellt. Ab dem späten Nachmittag wurde die Straße permanent von einem Sprengwagen nass gehalten. Als es dunkel wurde, wurden weitere Lampen aufgebaut. Gegen Mitternacht ließ der Kameramann alle Lampen ausschalten und drehte die Szene so, wie es auch ein deutscher Kameramann von vornherein gemacht hätte: Eine starke HMI-Lampe als Gegenlicht und zwei kleine Einheiten am Auto. Nun wurde mir klar, warum amerikanische Produktionen so teuer sind. Welch ein Aufwand für eine derart banale Szene!

Auf dem Rückweg, ich wohnte bei Gaby und Jürgen, holte ich mir an einem AM.PM oder Seven Eleven am Mulholland Drive noch etwas zu trinken. Dort war ein ziemlich schräger Typ als Kunde im Laden, mitten in der Nacht und im Bademantel. Er bewegte sich irgendwie wie ein Massenmörder. Ich stand kurz hinter ihm, als er sich umdrehte, um hinauszugehen. Mich traf fast der Schlag: Es war Jack Nicholson! Er grinst auch privat wie ein Wahnsinniger. Er ging mit seiner Tüte über die Straße und verschwand im Dunkeln, musste also hier irgendwo wohnen. 


„I Got You Babe“                                                                                                                                                

Natürlich hätte ich Jack Nicholson auch ansprechen können, für ein Interview. Doch man munkelte, er könne sehr rabiat werden, weshalb ich es unterließ. Erstens war ich hundemüde, zweitens wollte ich nicht mit einem Veilchen – selbst von Jack Nicholson persönlich geschlagen (vielleicht mit einem Autogramm darunter, wo das Blau etwas blasser gewesen wäre) – zu unserem nächsten Interviewpartner fahren. Das war Sonny Bono, der Ex-Mann von Cher. Einige von euch kennen vielleicht noch das Duo Sonny und Cher, das in den Sechzigern einige große Hits hatte wie „I Got You Babe“, „Little Man“ oder „The Beat Goes On“.

Cher setzte ihre Karriere im Musik- und Filmbusiness fort, Sonny komponierte weiter und war inzwischen in die Politik gewechselt – er war Bürgermeister von Palm Springs. Ein kurzer Anruf genügte, und Sonny war bereit, uns zu empfangen. Ich war angenehm überrascht; er war ein smarter, überaus angenehmer Typ mit viel Humor, und wir hatten echte Schwierigkeiten, mit dem Interview anzufangen, da wir ins Plaudern gerieten und viel lachten. Vielleicht hätte ich Jack die Nacht zuvor doch fragen sollen!

Nach dem Interview lud er uns in sein italienisches Restaurant ein und stellte uns seine Frau vor. Er war wirklich ein netter, kumpelhafter Typ, der sich riesig darüber freute, dass sich unsere Fragen nur um ihn drehten und nicht um Cher. Er war sehr erfolgreich als Bürgermeister und hatte viel Leben in den zwar prominenten, aber doch etwas verschlafenen Ort gebracht, in dem zum Beispiel auch Frank Sinatra wohnte, den uns Sonny als Interviewpartner besorgen wollte, der aber leider nicht in der Stadt war. Ein Filmfestival und ein Oldtimerrennen hatte er ins Leben gerufen, er war eben ein Showbiz-Profi. Als wir ihn verließen, war es fast, als würden wir einen guten Freund verlassen. Leider starb er einige Jahre später bei einem Skiunfall.



Ich kaufte mir in einem Pawnshop eine alte Gibson SG E-Gitarre, die einst Mark Farner von Grand Funk Railroad gehört hatte, mit dessen Autogramm drauf, und schmuggelte sie nach Deutschland. Hatte sie 1971 mal „Live“ gesehen. 



Für uns hieß es erstmal, zurück nach Deutschland zu gehen. Dort wartete schon die nächste Herausforderung: Hollywood im Kleinformat. Ich sollte einen Spielfilm in Spanien drehen. Regisseur war ein Typ, der sich Gene Reuter nannte, aber eigentlich Anton Karl Heinz H. hieß. Gene gab sich als Hollywood-Größe aus, prahlte mit amerikanischen Geldgebern und rannte wie ein aufgezogenes Spielzeug durch die Gegend. Mein Verdacht: Koksnase. Dennoch fuhr ich nach Almería in Spanien.

Schon die Unterkunft, nahe dem Flughafen, deutete auf „Hollywood für Arme“ hin: eine Pension mit Restaurant. Manolo, der Besitzer, war schmuddelig und hatte sich sicher in seinem ganzen Leben noch nie die Fingernägel gereinigt. Gene besaß einen alten Mercedes und fuhr damit so halsbrecherisch, dass ich ab dem zweiten Tag nicht mehr mit ihm im Auto fuhr. Wir hatten Walkie-Talkies zur Verständigung zwischen den Autos, und damit seine Beifahrer eine Überlebenschance hatten, funkte ich ihn jedes Mal kurz vor einer scharfen Kurve an, damit er den Fuß vom Gas nehmen musste, um nach dem Walkie zu greifen. Eine äußerst effektive Maßnahme.

Viele Spanier waren involviert und arbeiteten seit Wochen sehr fleißig, doch niemand hatte bis dahin auch nur einen Pfennig gesehen. Nach zwei Wochen Arbeit wollte ich endlich mein Geld sehen, denn wir mussten mittlerweile das Essen selbst bezahlen, und Manolo forderte die Bezahlung der Zimmer. Ich stellte Gene zur Rede. Er prahlte wie immer mit Geldgebern aus Hollywood, mit kurzer Verzögerung und Blah, Blah, Blah. Hätte er mir am Anfang gesagt: „Du, ich habe keine Kohle, will aber einen Film machen“, hätte ich ja die Wahl gehabt und vielleicht zugesagt. Aber es hieß ja immer: Hollywood.

Ich teilte ihm mit, dass mein Assistent Rainer und ich aussteigen würden, falls wir unser Geld nicht innerhalb von drei Tagen erhielten. „Dann sieh mal, wie Du nach Hause kommst“, erhielt ich zur Antwort. Solche Typen kann ich besonders gut leiden. Also zeigte ich ihm die Dosen mit dem belichteten Filmmaterial, die ich gebunkert hatte, und fragte ihn, ob ich sie einfach mal nacheinander aufmachen solle (was sie ruiniert hätte). Das wollte er nun auch wieder nicht. Jetzt sah ich, wie prekär die Produktion wirklich stand. Sie konnten nicht einmal Flüge bezahlen, sondern gaben uns einen der Berliner Leihwagen und 400 Mark für Benzin und Übernachtung, um nach Hause zu kommen. Den nächsten Kameramann ließen sie natürlich einfliegen. Wir brauchten drei Tage nach Hause mit der alten Gurke, weil wir feststellen mussten, dass wir die Autobahngebühren nicht einkalkuliert hatten.

Ich ging sofort zum Anwalt, und nachdem auf unsere Schreiben keine Antwort kam, zum Arbeitsgericht. Gene versteckte sich so gut es ging, das heißt, die Ladung konnte nicht zugestellt werden, da er nirgends gemeldet war. Ich erfuhr, dass er bei seiner Freundin wohnte, und ließ dort zustellen, was auch klappte. 

Beim ersten Termin versteckte er sich aber hinter einer ominösen Firma Tricom Entertainment in Los Angeles und erzählte wehleidig, er sei nur Angestellter der Firma und legte Arbeitsverträge vor. Die Verhandlung wurde vertagt. Am nächsten Morgen war ich im Reisebüro, und einen Tag später saß ich im Pan Am Flieger nach L.A. – es ging immerhin um 14.000 Mark! Dort fuhr ich zur Firmenadresse im Sherman Way im San Fernando Valley.

Kein Schild, nichts. Der Verwalter wusste auch nichts von einer Firma, aber Gene Reuter war Mieter eines Apartments dort. Ich trommelte an die Tür, und ein verschlafener Typ machte auf. „Was wollen Sie? Gene ist nicht hier, welche Firma? Keine Ahnung“, antwortete er auf meine Fragen. Ich interviewte den Vermieter, machte Fotos und fuhr zur Deutsch-Amerikanischen Industrie- und Handelskammer auf dem Wilshire Blvd. Die waren sehr hilfsbereit, orderten einen Dunn and Bradstreet Report (eine Art offizieller Wirtschaftsauskunft) über Tricom, der innerhalb von drei Tagen fertig war. Die Firma gab es tatsächlich, sie gehörte Gene, und er hatte sie gegründet, nachdem ich Klage eingereicht hatte, um sein Geld zu schützen. Eine Woche später stand ich wieder vor Gericht, der Richter las den Report und verurteilte Gene, an mich und meinen Assistenten zu zahlen. Gene zahlte natürlich nicht, aber als es dann um den Offenbarungseid ging, war das Geld plötzlich innerhalb von 24 Stunden bar bei meinem Anwalt.

Der Film wurde fertig, aber außer mir und Rainer hat niemand je Geld gesehen. Die Spanier, die teilweise wochenlang für ihn gearbeitet hatten, hatte er mit „Schüttelschecks“ bezahlt, sie kamen nach Berlin, um ihr Geld einzuklagen. Es war hoffnungslos, denn der Trick mit der Firma funktionierte bei den anderen; sie hatten zu spät Klage eingereicht. Ein klassischer Fall von „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“.


Sonntag, 15. März 2026

 Justitias kleine Fische und Günter Pfitzmann                                                                       SAT.1, damals noch jung und wild, wagte sich an die Eigenproduktion von Serien. Ich durfte mitmischen. Unter der Ägide von Chefkameramann Michael Marszalek wurde mit drei Studiokameras gearbeitet – für mich absolutes Neuland. Bei der ersten komplexen Kamerafahrt gelang mir dann auch prompt ein glorreiches Scheitern. Beruhigend war allerdings, dass es meinen Kollegen nicht anders erging. 




Zu diesen Kollegen zählten Rolf B., mit dem ich die kommenden zehn Jahre noch viele Projekte teilen sollte, sowie ein unkollegialer Perser, dessen Name meiner Erinnerung leider entfallen ist. Dieser Herr war bekannt dafür, heimlich Kameramarken umzukleben, um sich auf unsere Kosten die besten Positionen zu sichern. Eine charmante Eigenart.


Die Besetzung war typisch Berlin: von Brigitte Mira über Barbara Schöne bis hin zu allen, die in der Hauptstadt halbwegs flüssig sprechen konnten, ohne allzu oft ins Stocken zu geraten. Den Richter spielte Ezard Haussmann, Vater des späteren Regisseurs Leander Haussmann. Ezard, ein brillanter Schauspieler, pendelte täglich aus Ost-Berlin an. Angesichts der eher seichten Drehbücher war er jedoch chronisch unterfordert, was sich in einer gewissen Abneigung gegen übermäßige Proben oder Wiederholungen äußerte. Die Regie übernahmen Wolf Dietrich und Norbert Schulze junior, mit denen ich bereits mehrfach zusammengearbeitet hatte – beides äußerst angenehme Zeitgenossen.

Für mich markierte diese Produktion einen neuen Abschnitt meiner Karriere, da sie mich in die Welt der Fernsehstudios katapultierte.


Afrika, ich komme                                                                                                              Bevor ich mich fast ganz den Studios verschrieb, stand noch ein Fernsehspiel der Reihe „Berliner Weisse“ mit dem unvergleichlichen Günter Pfitzmann an. Atze Glanert führte die Kamera, Ralf Gregan Regie. Mit allen hatte ich bereits das Vergnügen gehabt: Pfitzmann bei „Berliner Weisse“, Gregan von Hallervorden-Produktionen, und Atze war ohnehin ein exzellenter Weggefährte. Die Handlung sollte in Kenia spielen – Afrika, ein unbeschriebenes Blatt für mich, was die Sache von vornherein interessant machte. Mit dabei waren unter anderem Ursula Monn, Evelyn Hamann, Dolly Dollar, Barbara Schöne und Helmut Zierl.

Das Projekt entwickelte sich rasch zu einer Art Familienausflug für die Pfitzmanns und Gregans, deren Anhang ebenfalls mitreiste. Da ich wusste, dass Ralf der Aufnahmeleiter von Losberg in Kenia einst eine illegale Surfschule betrieben hatte, schlug ich ihn für den Job vor. Er erwies sich tatsächlich als äußerst ortskundig und eine große Hilfe. Viele bekannte Gesichter aus früheren Produktionen waren im Team – Reni und Helmut als Requisiteure, Pancho als Oberbeleuchter – es hatte in der Tat den Charakter eines Betriebsausflugs.

Der erste Eindruck von Mombasa war allerdings schockierend: Ein Ort, der mit dem Charme mancher brasilianischer Armenviertel rein gar nichts gemein hatte. Es war schlichtweg desolat.

Unser Hotel war ansprechend, das Essen vorzüglich. Dennoch ereilte mich wie die meisten anderen innerhalb von zwei Tagen ein heftiger Durchfall. Im Gegensatz zu meinen Leidensgenossen litt ich jedoch nicht darunter, nahm auch kein Imodium, sondern schaufelte all die schönen Speisen des Hotels in mich hinein. Nie zuvor in meinem Leben hatte ich derart ausgiebig und gut gegessen. Bei meiner Rückkehr nach Berlin hatte ich sieben Kilo abgenommen, war aber kerngesund – dank des konsequenten Essens.

Mein Unternehmungsgeist war ungebrochen. Am ersten freien Wochenende fuhr ich mit dem Auto in einen nahegelegenen Nationalpark. Die ersten drei Stunden sah ich kein einziges Tier, was den Verdacht eines „faulen Zaubers“ nährte. Plötzlich blickte ich zur Seite und entdeckte Elefanten im Unterholz. Die Frage nach der zulässigen Annäherung verpuffte, als ich weitere Exemplare vor mir sah und mich plötzlich inmitten der Herde befand. Die Panik war real. Mein Gedanke: „Hier muss ich irgendwie weg.“ Vorsichtig legte ich den ersten Gang ein, um am nächsten Elefanten vorbeizurollen. Dieser quittierte mein Vorhaben mit Ohrenwackeln, Trompeten und dem drohenden Anheben einer Vorderpfote. Es gab nur eine Option: Rückwärtsgang. Doch der Weg führte eben nur vorwärts. Nach zwanzig Minuten fasste ich mir ein Herz und schoss mit Vollgas an dem Tier vorbei, hoffend, dass es mich nicht verfolgte. Der Elefant war zwar verstimmt, ignorierte mich aber.

Der Sonnenuntergang war atemberaubend, und ich hatte noch 25 Minuten bis zum Ausgang des Parks, der um halb sieben schloss. Eine Übernachtung dort kam nicht in Frage, da ich weder Wasser noch Essbares dabeihatte. Mitten auf dem einzigen Weg nach draußen blockierte eine Herde Wasserbüffel den Weg. Mit diesen Tieren ist bekanntlich nicht gut Kirschen essen. Ich hupte aus der Ferne – keine Reaktion. Dann schlugen wir abwechselnd die Türen auf und zu, was die Büffel offenbar nervte, denn die Herde bewegte sich langsam weiter. Nur der Anführer der Büffel blieb ungerührt am Straßenrand liegen. Ich versuchte das gleiche Manöver wie bei den Elefanten – im ersten Gang vorbeizuschleichen. Doch der Büffel stand auf, senkte den Kopf und scharrte mit den Vorderhufen. Das verhieß nichts Gutes. Erneut: Rückwärtsgang. Die Zeit wurde knapp; entweder vorbei oder eine Nacht im Park. Also erster Gang, Vollgas. Der Büffel sprang blitzartig auf, stieß mit dem Kopf Richtung Auto und verfehlte mich nur knapp. Dann verfolgte er mich. Die Straße war schlecht, ich erreichte 40, dann 50 km/h. Das Tier war ebenso schnell. Bei 55 km/h fiel es zurück, doch dann kam ein riesiges Schlagloch, und ich musste vom Gas. Der Büffel nutzte die Chance und legte noch einmal richtig zu. Beinahe hätte er mich erwischt, doch dann kam ein Stück Teerstraße, und ich war gerettet. Auf der anderen Seite des Hügels traf ich Engländer mit einem Land Rover. Zwei standen mit Ferngläsern auf dem Dach ihres Wagens. „Did you see animals?“, fragten sie. „Yes, Buffalos“, antwortete ich. Ich habe noch nie Menschen so schnell von einem Autodach klettern sehen. Dann zeigten sie mir das Heck ihres Wagens: In der Doppeltür klaffte ein riesiges Loch. Sie waren dem Büffel schon morgens begegnet, und er hatte sie erwischt.

Ich war heilfroh, als wir den Park verlassen hatten. Zum Glück hatte mein Auto keine Klimaanlage und das Fenster war offen, denn nach einigen Kilometern hörte ich brechendes Unterholz. Ich machte sofort eine Vollbremsung. Glück gehabt: Direkt vor mir brach eine Elefantenherde aus dem Dickicht und überquerte die Straße. Mein Bedarf an Begegnungen mit Wildtieren war vorerst gedeckt.



Auf dem Rückweg, kurz vor Mombasa, musste ich anhalten, weil ein entgegenkommendes Auto die Fahrbahn kreuzte und auf den Seitenstreifen fuhr, wodurch die vielen Fußgänger auf die Straße ausweichen mussten. Es waren sicherlich hundert Leute. Im Rückspiegel sah ich ein Auto kommen, noch etwa zweihundert Meter entfernt. Doch wegen der Menschen auf der Straße konnte ich nicht weiterfahren. „Der muss doch irgendwann bremsen“, dachte ich, aber er tat es nicht. Fast ungebremst fuhr er mir ins Heck. Etwa zehn Männer fielen von der Ladefläche. Gott sei Dank gab es keine Verletzten.

Nun entspann sich allen Ernstes eine Diskussion über die Schuldfrage. „Ich sei schuld“, behaupteten sogar die Leute, die ich höflicherweise nicht überfahren hatte und die der Grund für meinen Stillstand waren. 

Man dürfe für Fußgänger nicht halten, sondern müsse einfach weiterfahren. Die Polizei belehrte alle eines Besseren: „Es sei wie in Europa“, erzählten sie mir stolz, „wer auffährt, hat Schuld, und ich hätte mich absolut korrekt verhalten.“ Ein wirklich nettes Land.

Mit meinem nun etwas kürzeren Auto kam ich im Hotel an. Der Autovermieter war nicht gerade amüsiert.


Barbara Schönes BH und die schlangenjagenden Katzen

Am nächsten Tag erschien Barbara Schöne völlig aufgelöst zum Frühstück. Sie hatte das Fenster offen gelassen, und Affen waren eingedrungen. Sie hatten versucht, sie zu bestehlen, und ihr gesamtes Gepäck gleichmäßig im Zimmer verteilt. Einer der Affen wurde später sogar mit einem ihrer BHs auf dem Hotelgelände gesichtet.

Interessant waren auch die gewöhnlichen Hauskatzen, die überall wohlgenährt und gepflegt herumliefen oder in der Sonne dösten. Bis ich eines Tages ihre wahre Aufgabe erfuhr. Wir aßen gerade, als etwas von den über dem Tisch hängenden Ästen auf den Tisch fiel. Bevor irgendein Gast realisieren konnte, was geschehen war, kamen die Katzen buchstäblich angeflogen. Geschirr fiel vom Tisch, Gläser klirrten, und eine der Katzen verschwand mit ihrer Beute. Ich folgte ihr. Zwanzig Meter weiter konnte ich beobachten, was dort heruntergefallen war: eine giftige Baumschlange, die gerade von der Katze getötet wurde. Der Schweizer Hotelmanager bestätigte meine Vermutung. Es war die Aufgabe der Katzen, für eine schlangenfreie Anlage zu sorgen. Zufällig hatte man entdeckt, dass normale europäische Hauskatzen hervorragende Schlangenjäger sind und selbst mit Giftschlangen keine Probleme haben.

Wir flogen mit einer kleinen Maschine nach Tsavo, einem Nationalpark, und wohnten dort im Hilton. Das Hotel war auf Stelzen gebaut. Es war gewöhnungsbedürftig, beim Essen zuzusehen, wie Riesenkakerlaken und Gottesanbeterinnen direkt neben einem an den Stelzen hochkletterten. Auch in meinem Zimmer raschelte es an allen Ecken und Enden, und alles Mögliche, was da kreucht und fleucht, verschwand hinter Möbeln oder Spiegeln. Auf der Dachterrasse flogen einem fast handtellergroße, flugfähige, aber völlig orientierungslose Käfer an den Kopf.

Eines Abends nach dem Dreh erfuhr ich, dass ein Teil der Ausrüstung am nächsten Morgen nach Mombasa zurückgebracht werden sollte, da nicht alles in den Flieger passte. Da ich keine Lust hatte, noch früher aufzustehen, beschloss ich, es sofort zu erledigen. Das Hotel war auf Betonstelzen gebaut, der Eingang ein schmaler Turm mit einer Treppe nach oben, links und rechts davon eine etwa acht Meter lange Bretterwand – und danach nichts mehr. Ich wollte zu unseren Autos, aber der Ausgang war verschlossen. Ich schnappte mir einen Hotelbediensteten und befahl ihm, aufzuschließen.                                                                   Er zierte sich, aber ich, stinksauer, schrie ihn an, und er gehorchte. Draußen war es stockdunkel. Mit einer Taschenlampe im Mund warf ich die Blechkoffer von einem Auto ins andere, laut fluchend, und hörte Löwen brüllen. Nach einer halben Stunde war ich fertig und wollte zurück ins Hotel. Es war verschlossen. Ich hatte Hunger, war müde, wütend und wollte dringend duschen. Ich hämmerte an die Glasscheibe – nichts. Ich rief, oder besser brüllte, nach jemandem, der aufmachen sollte.

Plötzlich kam ein schwarzer Angestellter oben an der Treppe vorbei, erschrak, rannte weg und kam Sekunden später mit dem Schlüssel zurück, um aufzuschließen. Er war kreidebleich. „Mister, Mister, what do you do there outside? It’s dangerous, they eat you.“ Ich verstand nur Bahnhof. Er führte mich auf die Terrasse und zeigte mir die andere Seite der Bretterwand aus sicherer Höhe. Dort lagen sieben dieser „schönen Miezekatzen“, auch bekannt als Löwen, träge herum. In diesem Moment wurde mir allerdings klar, dass die Bretterwand ja endete und die Löwen lediglich hätten herumlaufen müssen, um mich zu vernaschen. Nachträglich überkamen mich weiche Knie, und ich verstand auch, warum die Tür verschlossen war, als ich hinauswollte: um zu verhindern, dass ein dummer Tourist (oder Kameramann) draußen herumläuft und von Löwen gefressen wird. Ich wäre damit um ein Haar ein Kandidat für den Darwin Award geworden, der an Menschen verliehen wird, die sich auf möglichst ungeschickte Weise unbeabsichtigt umbringen. Sehr amüsant zu lesen unter: www.darwinawards.com.

Im Morgengrauen, als wir zum Dreh fuhren, sah ich dann, wie man das Hotel im Dunkeln oder Halbdunkeln eigentlich verlässt: Zwei bewaffnete Personen gehen hinaus, sichern die Umgebung, und dann kann man zum Auto laufen. Eine durchaus pragmatische Lösung.





Kilimandscharo-Fiktion und britische Hubschrauberdiplomatie

Am nächsten Wochenende beschloss ich, mir eine Belohnung zu gönnen. Ich wollte zum ehemals höchsten Berg Deutschlands fahren, dem Kilimandscharo, oder Kaiser-Wilhelm-Koppe. Meinen ursprünglichen Wunsch, auf einer Teerstraße bis kurz unter den Gipfel zu fahren und die letzten zweihundert Meter zu Fuß zu gehen, hatte ich bereits ad acta gelegt. Aber ich wollte ihn zumindest aus der Ferne sehen. Lunga Lunga, ein schmutziges Grenzörtchen in Kenia, war der Endpunkt meiner Reise. Die tansanischen Grenzer verlangten Impfnachweise – gegen Fußpilz, Spreizfüße und dergleichen. Es war offensichtlich, dass sie Geld wollten. Ich wäre bereit gewesen, bis zu 50 Dollar zu zahlen, aber nicht die geforderten 200. In diesem Moment gab ich auch meinen Plan auf, aus Kenia mit Zug und Bus zurück nach Deutschland zu reisen, was, wie ich später recherchierte, ohnehin nicht möglich gewesen wäre.

Ich lungerte noch ein wenig in Lunga Lunga herum, fuhr dann zu irgendeinem Strand, nahm mir ein Zimmer und ging schnorcheln. In der Dusche vergaß ich prompt meine nagelneue Badehose. Ein Klassiker.

Alle wollten wissen, wie es am Kilimandscharo war. Ich erzählte meinen Kollegen, Lunga Lunga sei so schön gewesen, mit alten Kolonialbauten und herrlichen Stränden, dass ich deshalb gar nicht bis zum Kilimandscharo gekommen sei. Atze schwieg und petzte nicht, denn er kannte sich in Afrika bestens aus und hatte eine Freundin aus Namibia. Genau eine Woche später, am nächsten Sonntagabend, hatte ich dann etwas Stress, denn acht Leute waren nach Lunga Lunga gefahren, um sich die schönen Kolonialbauten anzusehen, die es gar nicht gab. In Lunga Lunga gab es eigentlich nichts. Es war mir etwas peinlich, aber auch den acht, denn alle anderen fanden es superwitzig.

Abends trafen wir an der Bar einige „Inselaffen“ (Engländer), die mit einem Kriegsschiff vor der Küste lagen. Wir hatten keine Luftaufnahmen. Im Suff versprachen uns die Engländer am nächsten Tag, ihren Hubschrauber zu schicken, damit wir filmen konnten. Wir glaubten ihnen kein Wort, doch als am nächsten Tag ein Hubschrauber über das Hotelgelände flog, wussten wir: Engländer halten auch im Suff gegebene Versprechen. Wir packten schnell zusammen und fuhren zum vereinbarten Treffpunkt, einer kurzen Landepiste in der Nähe. Wir wollten gerade einsteigen, als bewaffnete Soldaten aus dem Gebüsch kamen. Sie stritten sich sofort mit den Engländern und drohten mit den Waffen. Die Engländer taten so, als wären die gar nicht da. Wir drehten dennoch die Flugaufnahmen, und danach flogen die Engländer davon, obwohl die Soldaten immer noch mit den Waffen drohten. Coole Jungs, die Briten.

Die Engländer hatten tatsächlich keine Genehmigung bei den Kenianern eingeholt, was dann zu ernsthaften diplomatischen Verwicklungen führte. Ein klassischer Fall von britischem Understatement.


Abschiedsfeier und Kolonialerbe                                                                                                 Dann kam unser Abschlussfest. Alle einheimischen Helfer waren in unser Luxusresort eingeladen. Sie hatten so etwas noch nie von innen gesehen und genossen es sichtlich. Es kam zu politischen Diskussionen, die mit steigendem Alkoholpegel immer emotionaler wurden. Es ging um die Frage, was sie mochten und was sie hassten. Ich war schwerst interessiert. Es war verblüffend, den Jungs zuzuhören. Sie mochten definitiv die Engländer nicht, als ehemalige Kolonialmacht. Sie hassten die Inder und Araber, weil diese einfach geschäftstüchtiger waren und mittlerweile den gesamten Handel unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Tödlich verfeindet waren sie mit dem Stamm aus dem kenianischen Inland. Wer als Angehöriger eines falschen Stammes versehentlich die Stammkneipe eines anderen Stammes betrat, konnte tödlich enden. Raue Sitten in Kenia.

Sie liebten die Deutschen – das verblüffte mich! – und sie konnten auch gut erklären, warum. Der südliche Teil Kenias gehörte bis Mombasa zu Deutsch-Ostafrika. Die Deutschen waren zwar nicht weniger brutal als die Briten, hatten sich aber hartnäckig in den Kopf gesetzt, die Einheimischen auszubilden. Die Briten nutzten die Schwarzen nur als Hilfskräfte und Lastenträger. Die Deutschen bauten Schulen und zwangen die clevereren Einheimischen, ein Handwerk zu lernen: Schneider, Schuster, Hufschmied, was auch immer. Sie gingen dabei zwar brutal vor, doch dieses erlernte Handwerk ermöglichte den Männern später, ihre Familien zu ernähren, weil sie etwas beherrschten, was andere nicht konnten. So ging es diesen Familien über Generationen besser als den Ungebildeten, denn sie gaben ihr Wissen an die nächste Generation weiter. Deshalb sprechen viele Einheimische auch heute noch mit Hochachtung von den Deutschen und geben ihren Kindern altmodische deutsche Vornamen.

Diese Perspektive auf die Kolonialgeschichte war mir neu. Es freute mich auch, einmal irgendwo zu sein, wo man Deutschen Sympathie entgegenbrachte – nicht wegen Mercedes und erst recht nicht wegen dieses komischen, österreichischen Postkartenmalers aus Braunau am Inn.

Göteborg                                                                                                                            Nachdem mein Kurzfilm bereits auf den Festivals in Oberhausen, Bremen und Braunschweig gelaufen war, erhielt ich eine Einladung nach Göteborg in Schweden. Ich fasste mir ein Herz und reiste im Februar an.                                                                           Dort erlebte ich etwas Seltsames: die Trinksitten der Schweden, die mich doch etwas irritierten. Nichtsahnend betrat ich ein Restaurant, dessen Name – „Goethe“ oder „Faust“ – mir entfallen ist. Es war ein ruhiges Restaurant. Gegen 17 Uhr war ich dort und bestellte etwas zu essen. Zahlreiche nette Schweden saßen herum, kaum jemand aß. Um 18 Uhr geschah etwas Ungewöhnliches: Einer der Angestellten klappte einen Plattenspieler aus einem der Tische, legte Platten auf, und ab sofort gab es Alkohol.

Ich hatte in meinem Leben noch nie „beidhändiges Trinken“ – nein, es war kein Trinken, es war eindeutig Saufen – gesehen. Innerhalb kürzester Zeit waren alle Schweden bis zur Halskrause abgefüllt. Sie waren so stark alkoholisiert, dass einige von ihnen unter den Tischen lagen. Das einst feine, ruhige Restaurant verwandelte sich in kürzester Zeit in ein Tollhaus. Ich war fassungslos, aber man sagt ja: andere Länder, andere Sitten. Liebe Schweden, bitte erklärt mir das, oder liegt es daran, dass ihr in Ikea-Möbeln wohnen müsst?

Ich fuhr entsetzt zurück ins gesittete Deutschland.


  „Coming out“ - für 17 Millionen - die Maueröffnung am 9. November 1989 Wieder einmal hatte ich das Vergnügen einer Doppelschicht: Um 4 Uh...