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Donnerstag, 5. März 2026

 Der Snob: Staudte, Brandauer und Bennent

Eike, der Produktionsleiter der UFA, rief mich wegen eines Films an, endlich mal was Gutes. Regie Wolfgang Staudte, jawohl, der berühmte Regisseur, der auch den „Untertan“ gedreht hatte. Darsteller Klaus Maria Brandauer, Heinz Bennent, Anne Bennent, Nicole Heesters, Kamera machte Lajos Koltai, der auch schon „Mephisto“ gedreht hatte. Na, das war doch was! „Der Snob“ (von Carl Sternheim) hieß der Film.

Koltai war ein Superprofi, ein ganz ruhiger, besonnener Kameramann, wahnsinnig nett, wir kamen prima miteinander aus. Ich war sofort Staudtes Liebling, übrigens ein wirklich guter Regisseur. Staudte drückte mir fünf Packungen Reval in die Hand, sagte mir, er finde seine Zigaretten nie, ich solle sie im Motiv verteilen. Immer wenn er eine rauchen wollte, sagte er, der Kamera-Assistent (ich also) muss dringend eine rauchen, unterbrach, kam zu mir gestürzt und fragte nach seinen Kippen. Dann rauchten wir eine, und dann ging’s weiter.


Brandauer war sehr nett und kollegial, versuchte ständig das Team aufzuheitern. Es war angenehm, mit ihm zu arbeiten.                                                                                                Die Bennents waren sehr zurückhaltend, nicht unfreundlich, aber irgendwie nicht von dieser Welt. Ich stellte mir immer deren Situation zu Hause vor, an einem großen Tisch sitzend und sich abwechselnd gegenseitig mit literarischen Zitaten bombardierend – eine fremde, total vergeistigte Welt. Bennent war trotzdem einer meiner Lieblingsschauspieler. Nicole Heesters war eine Seele von Mensch, immer freundlich und guter Laune.


Brandauer und Bennent waren nun ja beide Top-Schauspieler, und natürlich wollte jeder dem anderen zeigen, wie gut er ist, und auch beweisen, dass er besser als der andere war. Das konnte natürlich nicht offen geschehen, deshalb kann ich mich auch täuschen in dem, was ich glaubte zu erkennen. Beide bemühten sich sehr um die Sympathie des Teams, das war für Brandauer als Kumpeltyp natürlich einfacher, als für Bennent, der eher ein weltfremder, abgehobener Intellektueller war. 


An eine Szene dieses Kampfes der beiden Schauspielgiganten kann ich mich noch gut erinnern. Bennent war ein militanter Nichtraucher im wahren Leben. In einer Szene musste er Brandauer eine Zigarre anbieten und anzünden. Brandauer war im Film ein Aufsteiger, der um die Hand seiner Tochter bat. Brandauer ging zu Staudte und sagte, er habe eine gute Idee, da er als Aufsteiger natürlich nervös sei, auf den Schwiegervater zu treffen, mache er natürlich viel falsch. Also ließ er sich die Zigarre von Bennent anzünden und blies ihm den Rauch quer übers Gesicht, sodass sogar Bennents Haartolle sich etwas hob. Staudte fand das gut, und selbst Bennent sagte, das sei eine fantastische Idee. Ich glaubte ihm ansehen zu können, dass er Brandauer am liebsten erwürgt hätte. 



Nun kam Bennents Rache. Da Brandauer tief an der Zigarre ziehen musste, war das natürlich nicht sehr angenehm für ihn, Zigarrenraucher machen das nicht. Also patzte der sonst so perfekte Bennent mehrmals hintereinander, bis man Brandauer ansah, dass ihm schon richtig schlecht war. Das Ganze passierte aber mit aller Freundlichkeit, dieser Kampf der Beiden war nur ganz unterschwellig zu bemerken. Jedenfalls war es eine Freude, diesen beiden hervorragenden Schauspielern bei Ihrer Arbeit zuzusehen, ich habe viel dabei gelernt.


  „Reise in ein verborgenes Leben“ oder wäre ein verdorbenes Leben nicht der bessere Titel? Hans hatte einen neuen Film. Regie sollte Hans...