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Samstag, 7. März 2026

 


„Reise in ein verborgenes Leben“ oder wäre ein verdorbenes Leben nicht der bessere Titel?

Hans hatte einen neuen Film. Regie sollte Hans Neuenfels machen, ein renommierter Theaterregisseur. Produzentin war Regina Ziegler. Hörte sich interessant an. Wir trafen uns im Cafe Untreu (gibt’s nicht mehr), in der Bleibtreustraße. Neuenfels war hochintelligent, ich habe niemals mehr einen Menschen getroffen, der so gebildet war, zumindest auf kulturellem Gebiet. Dass Neuenfels nicht gerade eine Leuchte in Geschichte war, stellte sich erst später heraus. Ich gebe einfach mal sicherheitshalber vorab zu, dass ich ein totaler Banause bin, was Theater und Oper betrifft, damit erklärt sich dann auch die nun folgende Peinlichkeit. Neuenfels fragte uns, was wir zuletzt im Theater gesehen hätten. Ich hatte mehrmals mit dem ZDF im Theater gedreht, war aber alles Boulevardtheater, deshalb war es mir eher peinlich, da einen Titel zu nennen (freiwillig habe ich selten eines betreten). Da kam mir ein spontaner Einfall. „Alles im Garten – in Frankfurt“, sagte ich, das hatte ich mal als Fünfzehnjähriger in Frankfurt gesehen, bei einem Schulausflug. Ich hoffte, dass das Stück so unbedeutend war, dass Neuenfels es nicht kannte.

Ihm verschlug es die Sprache. „Das wurde in Frankfurt nur mal Ende der Sechzigerjahre aufgeführt“, sagte er. Er hatte mich ertappt. Dummerweise wusste ich nicht, dass Neuenfels vorher das „Enfant Terrible“ der Frankfurter Theaterszene gewesen war. Ziemlich peinlicher Einstand von mir. Hans war aber auch nicht viel besser dran.

Ein Drehbuch gab es nicht, das wollte Neuenfels während des Drehs schreiben. „Reise in ein verborgenes Leben“ sollte das Meisterwerk heißen und Jean Genets (Jean wer?) Leben verfilmen. Ich hatte zwar mal den Namen gehört, aber hatte keine Ahnung, dass wir damit mal wieder an eine Schwulengeschichte geraten waren. Etwa ab dem dritten Drehtag hieß der Film dann für mich: „Reise in ein verdorbenes Leben“. Motive gab es noch nicht, sollte alles vor Ort gesucht werden, Hotels gab es auch nicht, sollte der Aufnahmeleiter vor Ort suchen, der aus Paris kam und der Sohn des dortigen Direktors des Goethe-Instituts war, den Neuenfels wohl kannte. Charleville-Mézières sollte der erste Drehort sein, eine hässliche Industriestadt in den Ardennen. Wer je einen meiner Lieblingsfilme gesehen hat, nämlich „Das Auge“ von Claude Miller mit Isabel Adjani und Michel Serrault, weiß, wie es da aussieht. Die deprimierende Schlussszene spielt dort.


Treffpunkt Marktplatz

Ich kam dann auf die glorreiche Idee, da es ja noch keine Hotels und damit keinen Treffpunkt gab, uns einfach am Marktplatz zu treffen, in der nächstgelegenen Kneipe. So einfach, so gut. Wir fuhren mit mehreren Autos los. Es war Ende April und noch ziemlich kalt. Wir fuhren im Pulk, Neuenfels kam später nach, die Schauspieler kamen aus Frankfurt, der Aufnahmeleiter kam mit dem Zug aus Paris.

Gegen 19 Uhr waren wir da, parkten unsere Autos mit den deutschen Nummernschildern direkt auf dem Marktplatz, legten fette Schilder ins Fenster mit dem Hinweis auf die Kneipe, in die wir dann gingen und die direkt am Platz lag. Wer nicht kam, war der Aufnahmeleiter. Es wurde acht, es wurde neun, die Schauspieler kamen, es wurde zehn. Ab da waren eigentlich nur noch etwa zwölf Deutsche in der Kneipe, die sich lautstark unterhielten. Gegen halb elf wollte der Wirt schließen – noch immer kein Aufnahmeleiter da. Seit etwa zwei Stunden saß in einer Ecke ein einsamer junger Mann, sollte der etwa? Nein, so blöd kann niemand sein. Vielleicht doch. Ich ging hin, sprach ihn an, oh Wunder, es war unser Aufnahmeleiter, der trotzdem, nur Deutsche in der Kneipe waren, nicht auf die Idee gekommen war, wir könnten das Team sein, auf das er wartete. Trotzdem brauchten wir ihn dringend, denn keiner außer ihm sprach vernünftiges Französisch.



Nun wollten wir uns zu einem Meeting ins Hotel zurückziehen, was uns aber nicht gelang, denn der Aufnahmeleiter hatte zu Fuß, vom Bahnhof kommend, in jedem kleinen Hotel, was auf dem Weg lag, ein paar Zimmer gebucht, sodass wir in fünf verschiedenen Hotels untergebracht waren, statt alle zusammen in einem Großen.

Am nächsten Morgen, Neuenfels war inzwischen da und Carlo sein Regie-Assistent, gingen wir Motive suchen. Wir fanden einen superschönen kleinen Bahnhof, ein schöneres Bahnhofsmotiv habe ich seitdem nie wieder gesehen. Der Zug kommt wegen eines Berges aus einem Tunnel, nach etwa 200m kommt der schmucke Bahnhof, und nach weiteren 200 Metern verschwindet der Zug wieder in einem Tunnel – einfach traumhaft.

Da der Aufnahmeleiter sehr schüchtern war, oder einfach nur eine Sprachamöbe, waren immer wieder meine dürftigen Sprachkenntnisse gefragt. Leider hatte ich eine recht gute Aussprache, dadurch überschätzten meine französischen Gesprächspartner immer wieder erheblich meine Kenntnisse, was zur Folge hatte, dass sie zwar verstanden, was ich wollte, ihre Antwort mir aber unverständlich blieb. Oder kurz gesagt, ich verstand nur Bahnhof. Neuenfels war aber auch nicht besser.



Während Neuenfels und ich also gerade mit dem Bahnhofsvorsteher um die Drehgenehmigung für sein schönes Stück feilschten, sah ich, wie unser genialer Aufnahmeleiter seine Hose öffnete und im Hintergrund an den frisch getünchten Bahnhof urinierte. Leider bekam das auch der Bahnhofsvorsteher mit. Es kostete uns danach viel Arbeit, trotzdem die Drehgenehmigung zu bekommen. Abends bekamen wir dann kleine, handgeschriebene, unleserliche Zettel, das war das Drehbuch für den nächsten Tag.


Wie wir Neuenfels’ Kreativität zügelten

Wir mussten einige Motorradfahrten mit einem alten Motorrad drehen. Das wurde gerade von einem der Schauspieler, auch so eine Intelligenzbestie, aus Berlin persönlich überführt. Leider war er noch nicht angekommen, weil in Braunschweig der Gaszug gerissen war. Auch am nächsten Morgen war es noch nicht da, denn der Fahrer hatte aus Versehen Diesel getankt. Man war aber guter Dinge für den nächsten Tag.

Wir drehten deshalb in einer Fabrikruine. Früher waren hier mal die Schrauben für den Eiffelturm galvanisiert worden, heute war das Gebäude stark einsturzgefährdet. Wir wagten uns nur mit Helm rein. Die Schauspieler – ja, richtige Schauspieler waren das ja nicht gerade, sondern eher junge Frankfurter Neuenfels-Fans. Ein Perser war dabei, der nichts Besseres zu tun hatte, als dem Aufnahmeleiter sofort die Freundin auszuspannen, die nachgekommen war. Eine menschliche Tragödie jagte die andere. Carlo, der Regie-Assistent, war eine Ausnahme, er hatte richtig was drauf und hat auch später Karriere gemacht.

Wir hatten gerade eine etwa 10 Meter lange Schienenfahrt vorbereitet, als der Unterbau einbrach und Hans noch lachend vom Elemack fiel, bis seine Hand auf ein Brett schlug, aus dem ein rostiger Nagel lugte. Ein glatter Durchstich. Er war tapfer, trotzdem wurde er sofort zum Arzt gefahren. Auf dem Weg zum Auto schrie Neuenfels noch hinterher: „Fahrt ihn am besten zum Veterinär, die sind hier in der Gegend am besten.“

Neuenfels hatte immer abstrusere Ideen. Mal wurde einer seiner Schauspiellakaien (Stefan, der Hauptdarsteller) nackend an einen kleinen Wasserfall gebunden. Diese Szene probte er endlos, bis Hans und ich in unseren dicken Daunenjacken ihm klarmachten, dass es sicher nicht so angenehm sei, nackt im April an einem Wasserfall zu hängen, und wenn er nicht sofort drehe, wir zusammenpacken würden und nach Hause fahren. Diese Drohung wirkte, und wir setzten sie mehrmals täglich ein, wenn es zu arg wurde.

Mal hatte er die Idee, bei einer Taufszene in einem schweinekalten Saustall, statt schmutzigem Wasser, Gülle zu nehmen. Wir drohten mit Abreise. Mal wollte er in einer einsamen Kirche in erzkatholischer Gegend, Stefan nackt auf den Altar legen, ihm eine Kerze in den After stecken und anzünden. Wir drohten mit Abreise – außerdem hätten die Katholen uns dabei erwischt, sie hätten uns mit Recht erschlagen. So langsam wurde mir klar, warum Neuenfels das „Enfant Terrible“ der Theaterszene war, und so langsam dürfte den Lesern klar werden, warum wir den Film in „Reise in ein verdorbenes Leben“ umgetauft hatten.

Es ist mir durchaus bewusst, dass wir mit unseren permanenten Abreisedrohungen Neuenfels’ Kreativitätsschüben starke Fesseln anlegten, aber immerhin haben wir damit die Sendefähigkeit des Films gefördert (eine Fernsehproduktion) und wahrscheinlich das Überleben der Schauspieler gesichert. Der gesamte Inhalt des Films blieb uns ja bis dahin sowieso verborgen, da es ja kein Drehbuch gab und die Zettel unleserlich waren. Der Film hat mir Jean Genet jedenfalls nicht gerade nähergebracht.

Carlo hatte nur noch ein Problem. In einer Szene musste er mitspielen und irgendeinen auf den Mund küssen. Da er aus irgendeinem Dorf bei Frankfurt kam, jammerte er die ganze Zeit nur noch: „Wenn das einer dort sieht, kann ich mich zu Hause nicht mehr blicken lassen.“


Nun kam der Bahnhof an die Reihe. Stefan musste vom Bahnsteig auf die Gleise springen und sagen: „Scheiße für mich, Scheiße für mich …“ – keine Ahnung, wie der Satz weiterging. Neuenfels hatte wieder einmal eine geniale Idee. „Ich brauch Scheiße!“, sagte er, „los, holt Scheiße, denn Stefan muss natürlich in richtige Scheiße treten dabei.“ Seine Lakaien fuhren los. Stunden später sah man dann ein Auto mit geöffnetem Fenster von weitem heranfahren. Plastiktüten wurden rausgehalten. Es stank bestialisch! Natürlich ist es nicht ganz einfach, ohne Französischkenntnisse loszufahren und nach Scheiße zu fragen. Trotzdem waren die Jungs erfolgreich. Um den Meister nicht zu verärgern, hatten sie Scheiße in allen erdenklichen Zustandsformen gesucht und auch gefunden. Auf dem Rücksitz in Eierkartons hatten sie verschiedenfarbige Scheiße von fester Konsistenz, aber mit farblichen Unterschieden. In den Plastiktüten hatten sie die etwas flüssigeren Exkremente. Ich ging um die Ecke, um mich zu übergeben. Neuenfels suchte sich seine Lieblingsscheiße aus, und wir drehten das Ganze ziemlich total. Es wäre also egal gewesen, ob da wirklich Scheiße gelegen hätte.

Im Nachhinein können wir von Glück reden, daß Neuenfels uns damals nicht aufforderte auf die Gleise zu kacken.

Unser nächster Drehort stand auf dem Programm: Brest in der Bretagne. „Brest hat eine traumhafte Altstadt“, hatte uns Neuenfels erzählt, „wenn ihr irgendwo die Kamera aufstellt und dann ein neues Motiv sucht, braucht ihr euch nur umzudrehen.“ Wir waren gespannt.

Hans und ich kamen als Erste in Brest an, Zeit genug, um sich die Altstadt anzusehen. Doch so sehr wir auch dem Wegweiser „Centre Ville“ folgten, wir fanden sie nicht, merkwürdige Beschilderung. Wir hielten an und ich fragte den ersten Franzosen nach der Altstadt. Der ging einfach weiter. Hey, ich hatte bislang nur freundliche Bretonen kennengelernt und war überrascht. Ich fragte den Zweiten, der schüttelte den Kopf, wie jemand, dem man eine saublöde Frage gestellt hat, und ging weiter. Der Dritte zeigte mir den Vogel. Der Zehnte etwa klärte mich mit einem Blick auf unser deutsches Nummernschild freundlicherweise auf Deutsch auf. „Sie als Deutsche sollten eigentlich wissen, dass Brest keine Altstadt mehr hat“, sagte er freundlich.

Jetzt fiel bei mir der Groschen. Brest war nicht von den Deutschen zerstört worden, aber die Alliierten hatten am Ende des Zweiten Weltkriegs, wegen der starken deutschen Militärpräsenz und des U-Boothafens, die Stadt in Schutt und Asche gelegt. 

Ich entschuldigte mich. Wir fuhren ins Hotel und warteten auf Neuenfels. Als er dann kam, teilten wir ihm höhnisch unser neues Wissen mit. „Das kann nicht sein!“, polterte Neuenfels los, mittlerweile mit total krächzender Stimme, zerrte einen Stapel Feldpostkarten aus seinem Koffer und zeigte sie uns, „und was ist das bitte schön, eine wunderbare Altstadt?“ „Mann, da ist Adolf hinten als Briefmarke drauf!“, sagte ich, und Hans sagte nur: „Viel Spaß bei der Motivsuche, ich geh ins Bett.“


Der tückischen Tidenhub macht auch vor Ignoranz nicht halt

Wir fanden schnell ein geeignetes Motiv. Le Conquet hieß die malerische Stadt, unser Hotel lag traumhaft auf einer Klippe, direkt über dem Meer. Neuenfels wollte am nächsten Tag in der Bucht unter dem Hotel drehen, eine kleine, sehr steile Treppe war in die Stufen geschlagen, zu steil für unser Equipment. Da ich die Bretagne gut kannte und wusste, dass der Tidenhub teilweise bis zu 17 Metern beträgt (der Unterschied des Wasserstandes zwischen Ebbe und Flut), warnte ich davor und bat darum, doch bitte nachzuprüfen, wie lange wir Zeit zum Drehen hätten. „Schon geklärt!“, blaffte mich Neuenfels an, „um 8 können wir drehen, die Flut kommt um 14 Uhr.“





Die Bucht hatte eine kleine Einfahrt. Es waren etwa fünf Meter zwischen Fels und Wasser. Da mußten wir mit dem Bühnentransporter durch. Als wir die Schienen für die Kamerafahrten ausgelegt hatten, waren es nur noch drei Meter, und dann mussten wir panisch einpacken und verschwinden. Um zehn Uhr stand bereits die ganze Bucht unter Wasser.

Als ich einige Jahre später mit meiner damaligen Lebensgefährtin, einer sehr von sich selbst überzeugten Dame, und ihrem vierjährigen Sohn Urlaub in der Bretagne machte, liefen wir zu einer kleinen Insel, etwa 300m vor der Küste. Ein betonierter Weg führte dorthin. Nach etwa zehn Minuten Aufenthalt sah ich das Wasser von den Seiten kommen. Ich schnappte mir den Jungen, warf ihn über die Schulter und sagte nur: „Los, renn, oder willst Du sechs Stunden auf der Insel bleiben?!“ Sie schaute mich total entgeistert an, sagte nur: „Du Feigling, das bisschen Wasser, das dauert noch ewig, Du erschreckst nur das Kind!“ Ich rannte sofort los und ließ sie fluchend stehen. Ich schaffte es noch, auf den letzten Metern stand mir das Wasser bis zu den Knien. Sie hatte zu lange gewartet und war zu langsam losgegangen, die letzten Meter musste sie schwimmen, die teuren Schuhe waren hinüber – das zum Thema Tidenhub in der Bretagne.

Am nächsten Tag hatte Stefan, unser Hauptdarsteller, eine dicke Lippe. Was war passiert? Neuenfels hatte ihm Konzentrationsübungen empfohlen. Den Rumpf beugen, Augen schließen, die Ohren zuhalten und den Oberkörper pendeln lassen. Das mag zwar gut für die Konzentration sein, ist aber überhaupt nicht gut für den Gleichgewichtssinn, folglich hatte Stefan das Gleichgewicht verloren und war auf die Lippe gefallen.

Im Hotel waren wir kurz vor dem Rausschmiss. Eines unserer hochverehrten Teammitglieder, der Regisseur, hatte sich im vollbesetzten Lokal, im Suff, ein Tischtuch um den Kopf gebunden und war auf allen Vieren, pöbelnd, durchs Lokal gerobbt. Das fanden die Franzosen, in ihrer sonntäglichen Abendgarderobe, mit Recht nicht wirklich witzig.

Wir drehten noch einige Tage auf einem Leuchtturm westlich von Le Conquet, mit darunterliegendem deutschen Bunker, den ich einige Jahre später mal kaufen wollte, der aber leider nicht verkäuflich war.





Heiratsantrag auf Bretonisch und ein verpasstes Leben

Now for something completely different.

Wir waren in der Bretagne unterwegs. In Crozon oder Morgat gab es ein witziges Restaurant mit Kiesfußboden, da liefen Hühner herum, Hunde, und das Essen war super. Die Wirtin war stets superauffällig Ton in Ton gekleidet, leider waren es meistens Schockfarben. Wir waren dort jeden Tag, und die Wirtin beobachtete mich die ganze Zeit über. Sie hatte eine bildschöne Tochter, hochintelligent, etwa 20 Jahre alt, und die schmachtete mich deutlich erkennbar an. Die Wirtin hatte inzwischen schon mitbekommen, dass meine Freundin kein Französisch sprach. Also kam sie mit der Speisekarte, tat so, als wolle sie mir die Gerichte erklären, sagte aber stattdessen, meine Freundin immer wieder freundlich anlächelnd: „Pass mal auf, mein Lieber, meine Tochter hat sich in Dich verknallt. Du fährst jetzt Deine Schnecke nach Deutschland, kommst sofort zurück, ich finde Dich auch sympathisch, Du wärst der ideale Schwiegersohn. Ihr werdet heiraten, Kinder haben und bekommt von mir den Laden geschenkt. Hauptsache, sie heiratet keinen Franzosen (die Bretonen mögen die Franzosen überhaupt nicht).“ Bitte mach meine Tochter einfach nur glücklich.“

Leider war ich kein alleinreisender Junggeselle, sonst wäre die Entscheidung denkbar einfach gewesen. Wer weiß, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich es getan hätte, ernstgemeint war es allemal. Die Wirtin lauerte mir sogar auf, wollte mir Geld für die Rückreise geben, um mich davon zu überzeugen, dass sie es wirklich ernst meinte. Ich habe meiner Freundin nichts davon erzählt. Mir blieb nur die Flucht, deshalb machte ich ihr den Vorschlag, nach Le Conquet zu fahren, und sagte, ich wolle unbedingt den Leuchtturm kaufen. Kleines Update: 2024 war ich mit meinen Söhnen dort und habe 40 Jahre später nach dem Restaurant gesucht und nach meiner Beinahe-Ehefrau, aber leider nicht gefunden.

Auch unser Dreh ging langsam zu Ende, Neuenfels’ Zettel wurden immer dürftiger, und wir beschlossen, aufzuhören. Der SFB war vom Ergebnis ziemlich schockiert und verbannte den Film ins Nachtprogramm.

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