Mittwoch, 11. März 2026

Die Altstars, die jeder kannte, Brigitte Horney, O.W. Fischer, Maria Schell, Lieselotte Pulver, Hildegard Knef, Horst Frank, Ingrid van Bergen und andere                                                                                                                          Ich hatte ja schon mit Harald Juhnke gedreht, eine sehr angenehme Erfahrung. Schade, dass Haralds Lieblingswitz für ihn selbst Wirklichkeit geworden ist: „Lieber Alzheimer als Parkinson, lieber vergessen als verschütten.“

Nun drohten „Jakob und Adele“, das heißt Karl-Heinz Schroth und Brigitte Horney. Kameramann war mein Freund Michael Marszalek, ein sehr humorvoller Mann, mit dem ich über die Jahre viel zusammengearbeitet hatte. Der Dreh war auf Mallorca. Es war sehr angenehm, Ende Oktober aus dem kalten Deutschland nach Mallorca zu fliegen.

Schroth war zwar ein guter Schauspieler, aber ein mürrischer Muffelkopf. Im Prinzip brauchte er für die Rolle des Jakob nicht zu spielen, er konnte so bleiben, wie er war. Brigitte Horney war eine faszinierende Frau, eine wirkliche Lady, schon über 80, aber topfit und geistig hellwach. Wir drehten, ich glaube, in Sóller, dort, wo die Straßenbahn fährt, und hatten für die Mittagspause ein Lokal nebenan gemietet. Die Horney war bei dieser Szene nicht dabei, aber anwesend, da sie später mitspielte. Es war kurz vor der Mittagspause, als ich im Lokal eine neue Kassette für die Kamera holen musste – wir drehten auf 16 mm Film. Ich war total überrascht, als ich die Kneipe betrat: Brigitte Horney, die achtzigjährige Dame, deckte für uns, ihr Team, den Tisch!

Liebevoll staffierte sie die Bestecke mit Servietten aus. „Brigitte, dafür gibt es doch Leute, das musst du nicht tun“, sagte ich zu ihr. „Ich tu es aber gerne“, entgegnete sie, „ihr arbeitet hart, ich habe Zeit, ich möchte, dass ihr euch wohlfühlt, deshalb muss es auch hübsch aussehen und nicht einfach nur daliegen.“ Respekt vor dieser Frau, ich verneige mich vor ihr. Sie war ein wirklicher Star, denn dazu gehört, trotz allen Ruhms, sich selbst nicht so fürchterlich wichtig zu nehmen. An unseren freien Wochenenden waren natürlich die schlimmsten Unwetter auf Mallorca, die man sich vorstellen kann. Einmal stand das Wasser so hoch in den Straßen, dass es durch die Türen des Leihwagens drang.


Ein anderer Film stand an, wieder mit Michael und Regisseur Ullrich Stark. „Herbst in Lugano“ hieß er und versprach interessant zu werden, zumal mein Freund Bernd Hübner Oberbeleuchter war. O.W. Fischer, Maria Schell, Liselotte Pulver und Gunnar Möller spielten mit.

Zuerst einmal gab es Stress mit der Produktion. Ich wollte 1400 Mark für meinen Alfa Kombi als Kamerafahrzeug haben, der Produktionsleiter wollte nur 1000 für den Monat Drehzeit bezahlen. Darauf ging ich nicht ein. Jetzt hatte ich Anspruch auf die Kosten einer Bahnfahrt erster Klasse, die kostete übrigens auch 1000 Mark – nicht gerade logisch. Ich fuhr trotzdem mit dem Auto hin und ließ mir das Geld für die Zugfahrt auszahlen. 

Am nächsten Tag stand mein Auto auf der Disposition als Produktionsfahrzeug. Ich sagte: „Vergesst es, das Auto ist nicht hier, oder ihr bezahlt mir 400 Mark mehr.“ Darauf gingen sie nicht ein.

Bernd hatte einen Beleuchter mehr mitgebracht, als bestellt war, und als die Produktion den nicht bezahlen wollte, rief er seine Leute zusammen und machte sich fertig für die Heimreise (er war übrigens Teilhaber der Beleuchtungsfirma, die das Equipment stellte). Das überzeugte die Produktion dann doch, den zusätzlichen Mann zu bezahlen.


Es hieß, O.W. Fischer (für alle, die es nicht wissen: OW steht für Otto Wilhelm) sei hochgradig verrückt. Er hatte einen Lehrstuhl für Philosophie an einer Schweizer Universität. „Wir kommen alle aus der Luft und werden wieder zu Luft“ oder so ähnlich, war sein Lehrsatz. Verrückt war er nicht, aber eigenartig. Er war schon eine eindrucksvolle Person, aber schwierig und sehr eigensinnig und trieb den Tonmeister fast zum Selbstmord, denn manchmal sprach er in den Szenen superleise, um dann völlig unangekündigt und unberechenbar laut zu werden. Das war kaum auszusteuern.

Das „Seelchen“ kam, wie Maria Schell auch genannt wurde. Das erste, was sie machte, war, dem Regisseur zu sagen: „Mach dir keine Hoffnung, ich weine nicht.“ Es war bekannt, dass sie bei rührseligen Szenen gerne mal zu weinen begann. Natürlich heulte sie gleich in der ersten Szene mit O.W., aber es war sehr eindrucksvoll, weil es wirklich von innen kam. Es ärgerte sie natürlich heftig, dass es wieder einmal passiert war, aber sie lebte halt ihre Rollen aus. Maria Schell war eine bemerkenswerte Frau, sie hatte traumhaft schöne Augen und war trotz ihres Alters immer noch eine schöne Frau und natürlich eine gute Schauspielerin, keine Frage. Das gleiche galt für Lieselotte Pulver, deren Rolle in Billy Wilders: „Eins, Zwei, Drei“, ich nie vergessen werde. Ich konnte damals noch nicht ahnen, dass ich auch den großen, aber körperlich kleinen Billy Wilder mal persönlich treffen würde.

Auch die Pulver war eine eindrucksvolle Persönlichkeit, sie hatte, wie die Schell, schon in jungen Jahren große Filme gemacht. Die Schell hatte zusammen mit Curd Jürgens im „Schinderhannes“ gespielt, den mein Lehrmeister Heinz Pehlke fotografiert hatte, die Pulver hatte sich schon 1954 mit: „Ich denke oft an Piroschka“ in die Herzen der Zuschauer gespielt. Da hatte auch schon Gunnar Möller mitgespielt, der auch hier dabei war. Möller war gerade aus dem Knast gekommen. Er hatte in England seine Frau mit einem Stuhlbein erschlagen und mehrere Jahre im Gefängnis gesessen. Er erzählte völlig beiläufig über seine Tat, als habe es sich nicht um Totschlag, sondern um ein Mittagessen gehandelt. Ein merkwürdiger Mensch.

Wir drehten ein paar Tage in Verona in Italien. 

Bei unserer Rückreise warnte mich Bernd Hübner, er sagte: „Vergiss den Drehtag, wir werden nicht so einfach durch den Zoll kommen“ (damals noch ein Riesenproblem, Carnets mussten ausgefüllt werden usw.). Er hatte auch die Kameraausrüstung in seinem LKW.

Er hatte Recht. Wir standen auf dem Flughafen von Lugano, dummerweise war auch der Redakteur vom ZDF da, ein, im Gegensatz zu vielen anderen, die ich kennengelernt hatte, ein absolut integrer und kundiger Mann. Ich kannte ihn von anderen Filmen, er kam aus einer Stadt, die nahe meiner Heimatstadt liegt. Wir wollten drehen, doch kein LKW weit und breit. In der damals noch handyfreien Zeit war es natürlich schwer rauszukriegen, was passiert war. Sie steckten noch im Zoll.

Der Produktionsleiter kam zu mir und forderte mich auf, die Kamera fertig zu machen. „Welche Kamera?“, fragte ich. Er machte ein Riesentheater, ich müsse immer die Kamera dabei haben, das sei unverantwortlich usw. Ich zeigte ihm erstmal seine eigene Disposition für den Tag. Da stand deutlich drauf: „Kameraausrüstung im Beleuchtungs-LKW“ – und der stand noch beim Zoll. Dann machte ich ihm noch mal klar, dass, wenn er mein Auto bezahlt hätte, die Kamera sehr wohl da wäre. Den ganzen Vormittag beobachtete er nun misstrauisch, wie ich mit dem Redakteur sprach, er dachte sich natürlich, dass ich über die Produktion rede und hatte keine Ahnung, dass wir uns nur über unsere gemeinsame Heimat unterhielten. Erst am Nachmittag konnten wir drehen, sie hatten über 20 Stunden im Zoll gestanden.

Ansonsten war der Dreh ätzend, das lag nicht am Film, sondern am Essen in Lugano. Es war so gut, dass ich 4 Kilo zunahm, super leckere Gerichte in fast allen Restaurants, nur das Hotel Seegarten, traumhaft schön direkt am Lago gelegen, war etwas ranzig. Ich habe noch nie in einem so durchgelegenen Bett geschlafen wie dort. Baden war nicht erlaubt wegen des Fallouts von Tschernobyl einige Jahre zuvor.

Zu meiner Überraschung bedankte sich der Produktionsleiter am Ende bei mir. Er habe etwas gelernt, sagte er, ich hätte ihm einen durchaus günstigen Preis für mein Auto genannt, nur aus seiner Machtposition heraus, habe er mich runterhandeln wollen, mit dem Ergebnis, dass alles viel teurer geworden sei, als er geplant hatte, weil mein Auto fehlte. Das werde ihm nie wieder passieren. Er schickte mir noch zwei Jahre lang Weihnachtskarten.

Auf der Rückreise machte ich einen Abstecher über die Côte d’Azur, ein schwerer Fehler. In Nizza wurde mein Auto aufgebrochen, mein ganzes Gepäck geklaut, das ich wegen des schweren Regens im Wagen gelassen hatte. Mit einem Schraubenzieher hackten sie das Radio aus dem Armaturenbrett und nahmen es mit dem Teil des Armaturenbretts mit. Alfa Romeo brauchte sechs Monate, um mir den Aschenbecher zu liefern, weil der geht normalerweise ja nicht kaputt.


Hildchen Knef:  ich hab’ noch einen Koffer in Berlin                                                   Hildchen Knef kam nach Berlin. Normalerweise machte Michael Epp bei Ottokar Runze Kamera, der konnte aber nicht, und so durfte ich einen Teil des Films: „Hildegard Knef – Nein, ich gebe niemals auf“, drehen, bis Michael frei war. Die Karriere der Knef war ein ständiges Auf und Ab gewesen, alles öffentlich in der Klatschpresse ausgetragen, und nun sollte ich sie selbst kennenlernen.

Sie kam abends in Tegel an, und ein großer Bahnhof erwartete sie. Unvermeidlich dabei natürlich Visagist René Koch und viele andere, die sie aus ihrer Berliner Zeit kannte. Es gab für mich ein kleines Problem, nämlich sie zu drehen und dabei nicht zu zeigen, dass sie leicht schwankte. Sie hatte auch eine relativ schwere Zunge, als sei sie leicht betrunken. Sollte Hilde etwa?

Nein, sie war keine Alkoholikerin und sie war auch nicht betrunken. Die Knef trank vielleicht mal ein, zwei alkoholische Getränke abends, meistens Whisky, soweit ich in Erinnerung habe, nicht genug, um betrunken zu werden, aber sie nahm auch Medikamente, die sich anscheinend nicht mit Alkohol vertrugen. Das war das ganze Problem, nur wie sagt man das einem Star? Am besten gar nicht.

Hilde war ein wirklicher Star, sie hatte Charisma, aber man merkte auch deutlich, dass sie ein verlorener Mensch war, vom Schicksal immer wieder arg gebeutelt und doch immer wieder wie ein Stehaufmännchen, den Weg nach oben findend. Es war ein sehr interessanter Dreh und eine gute Lehrstunde über das Leben an sich. Ich habe nie wieder einen Menschen getroffen, der so überwältigend sein Leben meisterte und dennoch hilflos und verletzlich war, jemand, der seine Schwächen nicht verbarg, sondern offen zeigte, aber nicht damit kokettierte. Vielleicht aber spielte die Knef nur die Knef, und zwar ihr ganzes Leben lang, und war in Wirklichkeit ein ganz anderer Mensch, den niemand je wirklich kennenlernen durfte. Zuzutrauen wäre es ihr.                                                                   


Der WDR versuchte sich an einer deutschen Version von Dallas, es wurde ein Flop, was ich nicht verstehe, denn die Serie war hochkarätig besetzt, lief aber, soweit ich weiß, nur auf WDR drei. Tom Engel sollte bei einigen Folgen Regie führen, und das bedeutete natürlich Michael Marszalek an der Kamera und ich. Köln war der Drehort. „Da kann man Filme machen?“, wunderte ich mich und fuhr mit gemischten Gefühlen hin. Dieter Viehweg war der Produzent, ich habe niemals jemanden mit solch blauen Augen gesehen. Ein netter Kerl, aber vielleicht zu blauäugig, denn die Serie ruinierte seine Firma.


Um es gleich vorweg zu sagen, ich änderte meine Meinung über den Medienstandort Köln sehr schnell. Das Team war Klasse, wir hatten viel Spaß, das einzige, was störte, waren die Wichtigtuer, die die Drehbücher schrieben. Einer nannte sich Xao Seffcheque, blöder Künstlername, er hieß dann gleich „Scheckheft“ beim Team. Es war eine merkwürdige Konstellation, die Losberg ins Leben gerufen hatte, angeblich eine Düsseldorfer Band, einer war nun der WDR-Redakteur, einer der Produktionsleiter, einer der Autor und einer der Produktionsfahrer. 

Unglaublich die Besetzungsliste: Horst Frank spielte mit, einer meiner Lieblingsschauspieler, Vera Tschechowa, eine sehr beeindruckende, interessante Persönlichkeit, Raimund Harmsdorf, Sky Dumont, ein sehr angenehmer, kultivierter Mensch, Ferdy Mayne, den ich schon als Obervampir im Tanz der Vampire von Polanski bewundert hatte, Ingrid Steeger, die seltsam farblos blieb, Christine Plate, beide kannte ich schon aus Berlin, und Ingrid van Bergen.



Ingrid war eine klasse Frau, sie hatte Charisma, war die gute Seele des Teams, eine wirklich angenehme Frau, liebevoll, kollegial. Ich kann nur Gutes von ihr berichten. Ich weiß, sie hat ihren Mann umgebracht und dafür lange im Gefängnis gesessen. So wie ich sie kennengelernt habe, kann es für mich nur einen Grund dafür geben: Dieser Typ muss ein super Arschloch gewesen sein. Er muss Ingrid so fertig gemacht haben und hatte wahrscheinlich nichts anderes verdient. Diese Frau war eine Seele von Mensch, sie hat Charakter, ist ehrlich. Es muss schon viel passieren, um eine solche Frau zum Morden zu bringen. Immer wenn Ingrid mal ne Zeit nicht da war und wieder ihren ersten Drehtag hatte, kam sie sofort an und und wollte wissen: „Wer schläft mit wem?“





Zwei Monet in einer Nacht, wer hätte das gedacht..

Der Ausstatter war ein Typ in schwarzem Leder, ungepflegt, sah total prollig aus und rauchte Kette. Einmal sagte Tom, der Regisseur, bei einer Wohnungsbesichtigung, es wäre schön, wenn hier Monets hängen würden. Als wir am nächsten Morgen dort drehen wollten, hingen zwei Monets an der Wand, der Ausstatter lag total übernächtigt und völlig fertig auf der Couch. Tom sagte: „Das sind ja richtige Ölgemälde!“, und wollte gerade mit dem Finger eines der Bilder anfassen, da sprang der Ausstatter entsetzt auf und rief: „Nicht anfassen, die sind noch feucht!“ Er hatte sie in der Nacht selbst gemalt, es waren wirklich erstaunlich gute Kopien.

Bei einem Dreh in einem Schloss in Belgien im Herbst seufzte Tom einmal, als wir im Park drehen wollten: „Es wäre schön, wenn hier Rosen stehen würden.“ „Rot oder Weiß?“, fragte der Ledertyp nur, er hatte beides dabei. Ich war schwer beeindruckt.

Das Schloss lag bei Verviers und gehörte Herbert Hillebrand, einem Baulöwen, der Schlösser (angeblich 23!) und Ferraris sammelte, aber auch seinen Arbeitnehmern gegenüber sehr fair gewesen sein soll. Jedes seiner Kinder, auch adoptierte, bekam erstmal ein Schloss geschenkt.

Eines Tages mussten wir mal wieder in Belgien drehen, ein Riesenstau auf der Autobahn. Im Stau traf sich das ganze Team, nur Tom, der Regisseur, war nicht aufzufinden. Es war eine Vollsperrung wegen Brückensprengung, die Stunden dauerte, nur Tom war etwas früher gefahren und noch durchgekommen. Allein kam er am Schloss an, kein Mensch da. Dummerweise hatte er auch die Dispo vergessen, um nachprüfen zu können, ob er wirklich am richtigen Drehort war. Telefonieren ging auch nicht (Prä-Handyzeit), da er kein belgisches Geld hatte und die Banken noch geschlossen waren. Er war völlig verzweifelt und überglücklich, als wir zwei Stunden später dort auftauchten.

Ralf, der Aufnahmeleiter, war ebenfalls sensationell gut, er machte Unmögliches möglich, aber er war ein Filou. Ich freundete mich mit ihm an, und er lud mich in sein Apartment ein. Dort erfuhr ich, dass er auch noch mit Autos handelte. Er bat mich, das Telefon abzunehmen, falls es klingele und zu sagen, er sei nicht da. Zehn Minuten später klingelte das Telefon, ich hob ab und wurde sofort angeschrien. „Sie haben mir das Auto als unfallfrei verkauft!“, plärrte mich eine Stimme an, „ich habe den Vorbesitzer angerufen, es war platt bis zur Windschutzscheibe, ich will mein Geld zurück!“ Heute ist Ralf superseriös und hat mehrere gut gehende Firmen. Man lernt eben aus seinen Fehlern.


Eines Tages wurde es unangenehm, und das nehme ich Tom, unserem Regisseur, bis heute übel. Ein Gepard spielte mit. Das sind ausgesprochen dumme, aber auch faszinierende Tiere, wie ich später mal in Afrika feststellen sollte, als mich Geparden unbedingt auffressen wollten.

Der Besitzer des Geparden war so ein schmieriger Typ, ein kölscher Zuhälter mit starkem Kölner Akzent, teuer, aber super geschmacklos gekleidet, Goldkettchen usw. So ein Typ, bei dem man nach dem Händedruck die Finger nachzählt, ob er nicht einen geklaut hat. Der Gepard sollte auf ein im Garten aufgebautes Buffet springen, an dem alle saßen und tafelten. Natürlich kapierte das Tier nicht, was es tun sollte, es war dafür ja auch nicht trainiert worden. Außerdem essen Geparden nur rohes und nicht zubereitetes Fleisch, und trotzdem er einen Tag nichts zu essen bekommen hatte, interessierte sich das Tier überhaupt nicht für das Buffet, warum auch? In der freien Wildbahn finden die ja auch nicht jeden Tag was zu fressen.

„Allet jut, mein Jepard macht alles, wat ich sech“, hatte der Zuhälter geprahlt. Nun war er in seiner Ehre gekränkt, schlug auf das Tier ein. Ich war drauf und dran, ihm auf die Fresse zu hauen. 

Keiner protestierte. „Et krieje mer leicht mit Elektroschocks hin, isch hol dat Jerät!“ In diesem Moment nahm ich die Kamera weg und sah im Augenwinkel, wie Hardy Hardt, der Tonmeister, seinen Kram zusammenräumte. Wir blickten uns nur kurz an und sagten fast synchron: „Wir müssen mal kurz unterbrechen und den Tierschutzverein holen. Ihr könnt ja weitermachen, aber ohne Kamera und Ton.“ Totenstille.

Die Aufgabe des Regisseurs wäre es gewesen, eine Lösung zu finden und nicht die Methoden des Zuhälters zu tolerieren. Nun bekamen alle Angst, dass es Stress mit dem Tierschutzverein gäbe, schlechte Presse usw. Mit Recht, denn Hardy (danke für deinen Mut!) und ich hätten es nicht zugelassen und hätten sofort den Tierschutzverein in Verviers und die Presse informiert. Jeder entschuldigte sich und tat, als ob er ja auch von Anfang an dagegen gewesen sei. Zu spät, bei mir hatten sie verschissen, die Leistungsträger, alles Feiglinge.

Mir kam die Idee, den Geparden von einem Podest zu schubsen, damit er auf das gleichhohe Buffet springen muss. Es klappte und sah auch einigermaßen gut aus.


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Die Altstars, die jeder kannte, Brigitte Horney, O.W. Fischer, Maria Schell, Lieselotte Pulver, Hildegard Knef, Horst Frank, Ingrid van Berg...