„Coming out“ - für 17 Millionen - die Maueröffnung am 9. November 1989
Wieder einmal hatte ich das Vergnügen einer Doppelschicht: Um 4 Uhr morgens hieß es Frühstücksfernsehen bei RIAS TV, anschließend ging’s zum ZDF. Das Frühstücksfernsehen war meist stressfrei, abgesehen von Nina Ruge. Sie war eigentlich eine sehr nette Kollegin, doch Sekunden vor Sendungsbeginn pflegte sie Dehnübungen zu machen, indem sie abwechselnd ein Bein auf das Moderationspult legte. Das tat sie bis fünf Sekunden vor Sendung, was den Adrenalinspiegel des Regisseurs – und natürlich auch den des Kameramanns, der die erste Einstellung mit ihr hatte – in ungeahnte Höhen trieb. Immerhin blieben exakt fünf Sekunden, um das Bild einzurichten und scharfzustellen. Erstaunlicherweise klappte es jedes Mal.
Später beim ZDF teilte mir Gisi, die charmante Dame in der Disposition, mit, sie benötige meine Passdaten für eine Dienstreise. Passdaten? Dienstreise? Sofort dachte ich an die Südsee oder ähnlich exotische Gefilde, doch es ging um Ost-Berlin. Das bedeutete ganze fünf Kilometer. Man musste damals noch eine Art Visum beantragen, inklusive Zwangsumtausch. Ein bürokratisches Vergnügen.
Grenzerfahrungen und ein historischer Zufall
Donnerstags ging es dann los, meine erste Drehreise in die Hauptstadt der DDR, die ich lediglich von einem kurzen Tagesbesuch kannte. Bernhard von Dadelsen war mein Redakteur, und der Beitrag sollte für die Sendung Aspekte sein. Bernhard war ein angenehmer Kerl, mit dem ich schon öfters gedreht hatte. Diesmal ging es um die Premiere von Heiner Carows „Coming Out“, dem ersten Schwulenfilm der DDR, die an diesem Tag stattfand.
Heiner Carow war mir bekannt als Regisseur von „Die Legende von Paul und Paula“, dessen Musik die Puhdys beigesteuert hatten. Er galt keinesfalls als Visionär oder gar Hellseher, doch mit seiner Titelwahl hatte er, retrospektiv betrachtet, ein glückliches Händchen bewiesen, auch wenn dies in den kommenden, stürmischen Ereignissen untergehen sollte beziehungsweise in Vergessenheit geriet.
Die Premiere fand im Kino Kosmos (oder International) an der Frankfurter Allee statt. Nach der 17-Uhr-Premiere und einem Interview fuhren wir zur Premierenfeier in eine Art Schwulenkneipe (oder es waren an diesem Abend schlichtweg überwiegend Schwule anwesend) in der Wisbyer Straße, Ecke Schönhauser, unweit vom Café Nord. Zunächst wurde angeregt über den Film diskutiert, doch dann entspannen sich die typischen unerquicklichen Debatten, die ich bereits hundertfach erlebt hatte: Schwule, die einem zu erklären versuchen, dass alle Männer latent schwul seien, und dann einfach nicht wahrhaben wollen, dass dem nicht so ist.
Genervt beschloss ich, draußen eine zu rauchen. Als ich vor die Tür trat, war ich etwas verblüfft. Ein Stau in der Wisbyer Straße Richtung Bornholmer Straße – es war etwa halb zehn an einem Donnerstag, und in Ost-Berlin fuhren selbst tagsüber kaum Autos. Meine Neugier war geweckt. Ich schaute in ein Auto und sah, wie der Fahrer Zeitung las. Ich dachte, mich trifft der Schlag: Es war die West-Berliner Morgenpost. Mein erster Gedanke war, nun sei Westpresse im Osten erlaubt, und alle fuhren los, um die Morgenpost zu kaufen. Ich witterte eine Sensation.
Ich klopfte ans Autofenster: „Wo haben Sie die Zeitung gekauft?“, wollte ich ahnungslos wissen. „Am Bahnhof Zoo“, entgegnete der Mann, er habe nur schnell seine Familie geholt, er fahre wieder in den Westen. „Wie, in den Westen?“, wollte ich wissen und begriff gar nichts. „Ja, wir fahren alle in den Westen, die Mauer ist auf“, erhielt ich als Antwort. Ich eilte zum nächsten Auto, zum übernächsten, überall erhielt ich dieselbe Auskunft.
Sofort rannte ich zurück in die Kneipe zu Bernhard, der noch angeregt diskutierte, und sagte ihm: „Der Dreh hier ist zu Ende, die Mauer ist offen, wir müssen los.“ „Damit scherzt man nicht“, entgegneten die Ossis. Wenige Minuten später war die Party dann tatsächlich beendet, alle gingen in den Westen.
Wir machten uns auf den Weg zum Grenzübergang Bornholmer Straße und drehten, was das Zeug hielt. Wir trafen Menschen, die gerade über Ungarn ausgereist waren, soeben in West-Berlin angekommen, nur um festzustellen, dass sie es auch einfacher hätten haben können, wenn sie ein paar Tage gewartet hätten. Es herrschte das Chaos, doch eine derart friedliche Atmosphäre! Die Zöllner bekamen Blumen, wurden in keiner Weise angegangen und verhielten sich absolut passiv. Ich hatte zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl, direkt am Puls der Welt zu stehen. Es gab und gibt ja das hartnäckige Gerücht, die Westpresse habe Bescheid gewusst – völliger Quatsch, kann ich nur sagen.
Wir gingen in den Westen zu einer Telefonzelle, um beim ZDF in Mainz anzurufen. Der Nachtportier nahm ab. Bernhard erzählte ihm die Geschichte der Maueröffnung, und er solle Redaktionen zusammentrommeln. Der Mann legte einfach auf, weil er dachte, ein Verrückter sei in der Leitung. Nichts geschah.
Als unsere Kassetten zu Ende waren, fuhren wir wieder in den Westen, diesmal durch den Checkpoint Charlie, weil es dort nicht so voll war. Sie wollten uns zunächst nicht durchlassen, weil wir vorgaben, in der ganzen Hektik unsere Passierscheine verloren zu haben. Die wollten wir natürlich als Erinnerung behalten.
Um vier Uhr früh war ich zu Hause und ging noch einmal kurz die 200 Meter zum Ku’damm. Dort war die Hölle los, eine unbeschreibliche Stimmung, jetzt, Stunden später, war allerdings reichlich Alkohol im Spiel. Ich ging ins Bett und fuhr um 7 Uhr sicherheitshalber gleich zum ZDF, weil ich schon wusste, dass ich sowieso arbeiten musste. Dort lag mein in der Nacht gedrehtes Material noch unbearbeitet herum; sie waren gerade dabei, die Nachricht zu verdauen und sich für den Tag zu organisieren.
In den nächsten Tagen und Wochen haben wir rund um die Uhr gearbeitet und richtig Geld verdient. Die Clevereren als wir haben sich allerdings eine goldene Nase verdient. Der Kurs der Ostmark fiel unter 1:20. Sie kauften die Ostmark auf, suchten sich einen Ossi, gaben ihm das Geld und warteten auf den Tag, an dem die Ostmark in Westmark umrubelt wurde – das waren glatte 1000 Prozent Gewinn. Daran gedacht hatte ich auch, aber ich hatte gar keine Zeit, so etwas zu tun.
Die Premiere von Heiner Carows Film wurde einfach vergessen, und dass er mit dem Titel „Coming Out“ das perfekte Motto für diesen historischen Tag geliefert hatte, ging dabei gänzlich unter.
Konsequenzen des Mauerfalls und eine Prise Realpolitik
Natürlich war es ein traumhaftes Gefühl, das, was keiner mehr erhofft hatte, war doch passiert. Die Mauer war offen, die Wiedervereinigung nahte. In den nächsten Tagen und Wochen drehten wir wie die Teufel. Ich filzte alle DDR-Mülltonnen und sammelte DDR-Utensilien wie Fahnen und Orden, Mauerstücke und kaufte DDR-Artikel als zukünftige Geschenke für Freunde weltweit.
Allerdings gab es auch einen Zwiespalt. Mir war schon immer klar gewesen, dass es nicht primär um Freiheit ging, sondern um bessere Lebensumstände, um Konsum und Luxus. Im Westen war ich in Diskussionen schon immer mit meiner Ost-West-Theorie aufgelaufen: Hätte es der DDR tatsächlich gelingen können, den Lebensstandard der Bevölkerung über das Westniveau zu heben, wären die Leute in Scharen in die DDR übergelaufen. In diesem Falle hätte der Westen den Osten dafür bezahlt, die Mauer stehen zu lassen und die Kontrollen in den Westen zu verlegen. Eine provokante, aber nicht unlogische Gedankenspielerei.
Niemand machte sich auch Gedanken über die Konsequenzen des Mauerfalls. Der Kapitalismus hatte sich nun als überlegenes System erwiesen, weil er ein menschliches Antlitz zeigen musste, um seine Überlegenheit auch in menschlicher Hinsicht zu demonstrieren und um die Menschen davon abzuhalten, für den Sozialismus zu stimmen. Unsere ganze soziale Marktwirtschaft, unser ganzes soziales Netz, war nur entstanden, weil es seit 1918 ein Konkurrenzsystem gab, den Kommunismus, der theoretisch überlegen war, weil er Gleichheit versprach. Nur aus Angst davor, alles zu verlieren, hatte der Kapitalismus angefangen, die Arbeitnehmer an den riesigen Profiten zu beteiligen, und so war unser deutscher Wohlfahrtsstaat entstanden. Zum Zeitpunkt der Maueröffnung lebten wir in einem der denkbar besten und sozialsten Staaten der Welt, einem Paradies für Arbeitnehmer, das natürlich auch von vielen ausgenutzt wurde. Es war so attraktiv, dass sich Scharen von Menschen aus aller Welt auf den Weg machten, um von den Vorzügen dieses Sozialstaats zu profitieren. Mir war jedoch klar, dass ein Ende des Kommunismus auch das Ende des humanen Kapitalismus bedeuten könnte. Ohne die Konkurrenz des Kommunismus brauchte der Kapitalismus keine Rücksichten mehr zu nehmen; er würde bald wieder sein wahres, gieriges Gesicht zeigen, und wir, die Arbeitnehmer oder auch die kleinen und mittleren Firmen, würden uns warm anziehen müssen. Und so scheint es auch zu kommen: Es wird zusehends kälter in Deutschland, das soziale Netz zerbricht, und die Solidarität – jeder ist sich selbst der Nächste. Wenn ich zurück nach Deutschland komme, sehe ich nur noch Menschen, die hart arbeiten müssen, um zu überleben, die sich wegen Jobs und Aufstiegschancen bekämpfen. Der Schuldige ist schnell ausgemacht: Es wird auf die Globalisierung geschoben, aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Jobs gehen verloren und Löhne werden gedrückt durch die Gier, riesige Profite zu machen und Renditen zu erwirtschaften, die vor wenigen Jahren noch als absolut asozial bezeichnet worden wären. Versteht mich bitte nicht falsch. Ich habe nichts gegen Profite und gegen Menschen, die Millionen verdienen, wenn sie eine entsprechende Leistung dafür erbringen oder einfach cleverer sind als andere. Ich habe etwas dagegen, dass durch Spekulationen Volkswirtschaften zerstört werden, dass Arbeitsplätze wegen der Aktienkurse gestrichen werden und dass es Menschen gibt, die ohne Rücksicht auf Verluste und auf Kosten anderer innerhalb weniger Monate Millionen verdienen wollen und dann noch den Staat um Steuern betrügen, aber natürlich das Sozialsystem selbst mit ihren Familien ausbeuten und nutzen, aber mit keinem Pfennig unterstützen wollen.
Die „bösen Kapitalisten“ von damals, die von der RAF und von den Linken bekämpft wurden – die Quandts, Springers, Mohns, Haniels, Krupps und Thyssens und wie sie alle heißen – waren zwar teilweise Knauser, aber sie zeigten auch ihre soziale Seite, zahlten Steuern, zeigten Verantwortung für ihre Mitarbeiter und ließen diese am Wohlstand partizipieren.
Eigentlich sind diese Leute heute als Vorbilder zu betrachten, denn sie wussten sehr wohl, dass ihr Reichtum durch ihre Mitarbeiter gemehrt wurde. Heute glauben die Manager, sie allein seien dafür verantwortlich und nicht die Mitarbeiter.
Ich fürchte, sollte es in Deutschland weitergehen wie bisher, wird eine neue RAF entstehen, die im Gegensatz zur alten RAF, die eine Verbrecherbande war und den besten Staat bekämpfte, den es je in Deutschland gab, eine Berechtigung haben wird, denn das Volk wird nicht mehr vertreten oder beschützt, sondern ausgenommen.
Es ist schon pervers zu sehen, dass die Steuergelder oder Krankenkassenbeiträge der einfachen Menschen nicht ihnen zufließen, sondern über Subventionen, Kosten für Medikamente, Energie oder was auch immer ebenfalls in den Kassen der Konzerne landen. Wenn die Erträge der Hundesteuer in manchen Kommunen höher sind als die der Gewerbesteuer, gibt das zu denken.
Dazu kommt eine Kaste von Berufspolitikern, abgekoppelt von der Lebenswirklichkeit, die nie auch nur einen Tag im Leben gearbeitet haben, außer an der eigenen Karriere. Sie fühlen sich und führen sich als die neuen Herrscher auf, die keinerlei Rechenschaft mehr über ihr Tun ablegen müssen – eine gefährliche Entwicklung.
Um es noch einmal deutlich zu machen, ich habe nichts gegen Firmen und Menschen, die Millionen oder gar Milliarden verdienen, wenn es auf ehrliche Art geschieht und nicht auf Kosten anderer. Ich will einmal ein Positivbeispiel geben: die SAP, clevere Jungs, ein soziales Unternehmen. Ich habe nichts dagegen, dass Hasso Plattner Milliarden verdient (obwohl er schon ein sehr kauziger Typ ist) oder Henning Kagermann Millionen einstreicht als Manager.
Ich gebe mal ein anderes Beispiel: 1999 gründeten drei Brüder in Berlin ein Internet-Auktionshaus namens Alando (die Idee geklaut bei eBay in den USA, das noch nicht in Deutschland vertreten war). Ich verkaufte dort CDs, die mir nicht mehr gefielen. Einer der Käufer namens Samwer holte sich eine Red Hot Chili Peppers CD direkt bei mir zu Hause ab. Ein netter, junger Kerl. Tage später erfuhr ich, er war einer der Gründer. Sie verkauften das Auktionshaus an eBay mit einem Millionengewinn, verscherbelten danach Klingeltöne, und ihnen gehört heute Zalando. Clevere Jungs, die haben ihre Millionen zu Recht verdient. Chapeau.
Migration, Realitäten und die Drogenfrage
Doch schon zu Zeiten des Mauerfalls wurde unser Sozialsystem immer mehr ausgeplündert. Ich will einmal ein Beispiel geben, das politisch total inkorrekt ist, aber leider den Tatsachen entspricht. Gleich vorweg, um denen, die mir jetzt gleich Ausländerfeindlichkeit unterstellen werden, das Pulver zu entziehen: Ich selbst bin mit einer Ausländerin verheiratet.
Ich drehte Anfang der Neunziger viel fürs ZDF, so auch des Öfteren in Asylbewerberheimen. Einmal drehten wir in einer Anlage in Ost-Berlin, in der fast nur Rumänen lebten. Der Anlass war, dass eine Frau, die im Knast gelandet war, sich nicht mehr um ihre Kinder kümmern konnte. Ihr Mann hatte angerufen. An diesem Tag habe ich meine bisher positive Meinung über Einwanderer grundlegend geändert.
Der Bau hatte zwei Flügel, die unterschiedlicher nicht sein konnten. In einem Block wohnten normale Rumänen, die versucht hatten, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten gemütlich einzurichten. Es war dort sauber, es gab ein Familienleben. Sie baten uns inständig, nicht mit den Menschen im zweiten Block in einen Topf geworfen zu werden, was wir erst nicht verstanden. Wir dachten, diese Rumänen seien Rassisten, bis wir dann kapierten, warum sie diesen Unterschied wollten.
Was ich dann im zweiten Block sah, hatte ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Es waren Zigeuner aus Rumänien, ja richtig Zigeuner, sie nannten sich selbst so, nicht Sinti oder Roma, deshalb sehe ich jetzt nicht ein, warum ich es anders tun sollte. In ihrem Block sah es aus, als wäre der Krieg ausgebrochen. Die sanitären Anlagen waren total zerstört, es roch nach Scheiße und Urin, die Waschbecken und Wasserhähne hatten sie größtenteils abgebaut und auf Flohmärkten verkauft. Der ganze Fußboden war eine einzige klebrige Masse, ekelerregend. Die Frauen waren von ihren Männern zum Klauen geschickt worden, eine war erwischt worden und saß jetzt im Knast. Ihr Mann hatte natürlich keinen Bock, sich um die Kinder zu kümmern, deshalb hatte er sich darüber beschwert, dass seine Frau im Knast saß. Die Kerle liefen herum wie Hähne ausstaffiert, in feinstem, aber geschmacklosem Tuch, Gucci-Gürtel, Goldkettchen. Die Herren machten keinen Handschlag, während die Kinder und Frauen erbarmungswürdig, fast in Lumpen herumliefen. Bei einem weiteren Dreh drohte uns einer der Oberzigeuner, er könne uns bis zu einer Million Leute nach Deutschland schicken. Das alles wurde von unserem Staat toleriert und finanziert, statt die gesamte „Baggage“ (sorry, aber es ist der richtige Ausdruck) sofort zurückzuschicken.
Politisch korrekt konnte man wegen unserer deutschen Nazivergangenheit natürlich nicht die Wahrheit berichten; es hätte einen Sturm der Empörung in der Bevölkerung gegen Asylbewerber gegeben. Unser journalistisches Schweigen war deshalb auch absolut richtig, denn es hätte zudem unsere Sinti und Roma in Deutschland diskriminiert und mit ihnen in einen Topf geworfen – Mitbürger, die sich eben oft nichts zuschulden kommen lassen, die sich zivilisiert verhalten und die unsere Gesellschaft bereichern.
Deshalb noch einmal zum Mitschreiben: Ich habe absolut nichts gegen Zigeuner und schon gar nichts gegen unsere Mitbürger mit diesem Hintergrund, aber diese Leute, die ich in diesem Asylbewerberheim traf, haben in Deutschland nichts zu suchen, auch nicht als Asylbewerber, denn mit ihrem Verhalten wird man sie hassen und verachten, egal wo sie hinkommen. Diese Leute, die damals zu Tausenden kamen, haben unseren Sozialstaat Milliarden gekostet.
Wir trafen dort Zuhälter, Drogendealer, Diebe, Hütchenspieler – die ganze Palette – und alle lebten auf unsere Kosten. Solche Auswüchse treffen natürlich nur auf Minderheiten zu; die meisten Asylbewerber sind anständige Leute.
Als ich nach Hause kam, tötete ich erstmal die Flöhe, die ich mir geholt hatte, warf meine Kleidung in die Mülltonne und duschte eine Stunde.
A propos Drogendealer: Schon damals kam mir die ganze Sache mit der Drogenprävention merkwürdig vor. Es werden Milliarden für die Prävention ausgegeben, Millionen für Kontrollen, Zerstörung der Ernten, es fallen Kosten an für die Drogensüchtigen, und die Drogenkriminalität kostet Millionen usw.
Dabei gäbe es zwei einfache und preiswerte Wege, das Drogenproblem, zumindest bei Drogen, die auf Naturprodukten basieren, zu lösen. Legalisierung. Ich weiß, sehr unpopulär, weil ja Leute süchtig werden könnten, die im Moment noch den Weg in die Illegalität der Beschaffung meiden. Ja gut, ein Argument, aber wenn man mal ehrlich ist und sieht, wie viele Leute koksen oder kiffen, viel mehr würden es nicht werden. Aber geschenkt, es gibt noch eine zweite, bessere Möglichkeit, die viel effektiver ist.
Die EU hat Milliarden ausgegeben, um die Marktpreise zu stabilisieren für Milch, Getreide, Butter, was auch immer. Das Zeug wurde gelagert, vernichtet. Drogen werden vorwiegend in Armutsstaaten angebaut. Es kann doch kein Problem sein, die kompletten Ernten aufzukaufen und an Ort und Stelle zu vernichten. Die Kosten wären Peanuts im Vergleich zu dem, was heute für Prävention ausgegeben wird, und selbst wenn jeder Quadratzentimeter Kolumbiens und seiner Nachbarstaaten mit Koka bepflanzt wäre, dürfte dies für die Industriestaaten kein großes finanzielles Problem sein.
Wer also hat in unseren Ländern kein Interesse daran, dass dies passiert? Wer profitiert davon, oder sollten die Verquickungen der Drogenmafia in Politik und Business schon so weit gediehen sein, dass dies verhindert wird?
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