Dienstag, 24. März 2026

 Der zu Unrecht gehasste deutsche Zoll und das Kurzfilmfestival in Grimstad

Ausschnitt aus meinem Film "Southwest Highways" Laughlin River Run mit der grandiosen Musik von Joey Albrecht und Tom Cunningham

https://www.youtube.com/watch?v=MJcEwM7Qqks



Am nächsten Tag musste ich wieder zum Flughafen. Eine andere 35mm-Kopie meines Films war aus Spanien zurückgekommen und hing beim Zoll fest. Die „Idioten“ hatten die Papiere nicht richtig ausgefüllt, und nun sollte ich 150 Mark Zoll bezahlen, weil die Spanier den Wert (wir sind zeitlich vor der EU-Zollunion) zu hoch angegeben hatten. Eine Kopie kostete gerade mal 100 Mark.

Ich zeigte dem Zöllner die Rechnung. Er hatte natürlich seine Bestimmungen und sah auch, dass es nur mein Eigentum war, was zurückkam. Er hatte Mitleid mit mir. Verschwörerisch erzählte er mir, dass es noch eine Möglichkeit gäbe, nämlich die Annahme zu verweigern. Ich fragte ihn, was dann passiere. Er nahm ganz vorsichtig den Karton mit dem Film, ging zu einem Pappcontainer, legte den Karton vorsichtig rein und sagte: „Dann muss ich den Film vernichten.“ Ich verweigerte die Annahme. Er legte den Film vorsichtig in den Container und sagte, er müsse mal dringend für 15 Minuten weg – ein deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl. Er ging, ich nahm den Film aus dem Container und machte mich vom Acker. Ein Paradebeispiel für bürgernahe Amtsführung.

So eine angenehme Erfahrung mit dem deutschen Zoll hatte ich schon einmal gemacht. Ich hatte mit einer Freundin einen Laden mit Modeschmuck, den wir in England einkauften. Damals brauchte man ein Ursprungszeugnis, um Waren zollfrei einzuführen. Leider streikte der Zoll in England, und ich hatte kein Ursprungszeugnis. Zu warten war sinnlos, denn am nächsten Tag sollten die Fähren streiken. Am holländisch-deutschen Grenzübergang fuhr ich zum deutschen Zoll, um die Waren anzumelden. Es war mitten in der Nacht. Natürlich wollte der Zöllner das Ursprungszeugnis sehen. Ich erklärte ihm mein Streikproblem, und er sagte mir ganz unverblümt, warum ich nicht einfach durchgefahren sei, ohne am Zoll zu halten.

Ich erklärte ihm, dass ich die Reise ja absetzen müsse, sonst lohne sich der Einkauf nicht, deshalb bräuchte ich die Einfuhrpapiere. Das sah er ein. Plötzlich hellte sich sein Gesicht auf, er bat mich zu warten und verschwand. Nach zehn Minuten kam er wieder. „Sind Sie sicher, dass das Modeschmuck ist?“, fragte er. Ich kapierte sofort: Der Mann wollte helfen. Ich stocherte in den Tüten herum: „Nö“, antwortete ich. „Wenn es Ziergegenstände wären, müssten Sie keinen Zoll bezahlen“, sagte er, „und ehrlich gesagt, das sieht echt aus wie Ziergegenstände.“ Der Mann hatte Recht, es waren eindeutig Ziergegenstände, denn Frauen verzieren sich ja mit Ohrringen und dem ganzen Gedöns. Ich führte also ordnungsgemäß für 5000 Mark Ziergegenstände nach Deutschland ein. Ein Triumph der Kreativität über die Bürokratie.

Wann immer über deutsche Beamte gemeckert wird, muss ich eindeutig den Zoll in Schutz nehmen: Die Jungs machen ihren Job, aber haben zumindest mir gegenüber immer Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft gezeigt.


Norwegen: Zwischen Kotze und Geschwindigkeitsbegrenzungen

Die exakte zeitliche Reihenfolge meiner Erlebnisse ist leider im Laufe der Jahre etwas verschwommen, daher behelfe ich mir mit einer Liste der Filme und Fernsehsendungen, über die ich noch berichten möchte.

Meine Reise führte mich zunächst nach Grimstad in Norwegen, wo ich zu einem Kurzfilmfestival eingeladen war. Die Anreise erfolgte mit dem Auto und einer nächtlichen Fähre von Dänemark. Meine Vierbettkabine musste ich allerdings nach nur zwei Stunden verlassen. Das Unglück wollte es, dass ich mir die Kabine mit drei Touristen teilen musste, die sich so zügig dem Alkohol hingegeben hatten, dass sie, sobald das Schiff in etwas unruhige See geriet, ihr Innerstes nach außen kehrten. Die gesamte Kabine stank, und so quälte ich mich auf einen Liegesessel, um wenigstens etwas Schlaf zu finden. Bei der Ankunft war ich völlig gerädert, fuhr vom Schiff, zündete mir eine Zigarette an und wurde umgehend von der Polizei angehalten.

Ich war mir hundertprozentig sicher, dass ich nicht zu schnell gefahren war, doch die Geschwindigkeit war auch nicht das Problem. „Rauchen im eigenen Auto in geschlossenen Ortschaften sei verboten“, teilten sie mir freundlich mit. Zunächst dachte ich, sie wollten mich auf den Arm nehmen, doch dem war nicht so. Rauchen im Auto in geschlossenen Ortschaften ist in Norwegen tatsächlich untersagt. Angesichts dieser merkwürdigen Gesetze überkam mich eine leichte Beunruhigung. Was würde da noch kommen?

Ich habe noch nie ein Land mit so vielen Geschwindigkeitsbegrenzungen gesehen. Die Schilder standen im 50-Meter-Abstand, und zwar die gesamte Palette von 10 bis 80 km/h. Unglaublich. Ich brauchte Stunden bis Grimstad und legte unterwegs einen Stopp ein, um auszuschlafen. Immerhin hatte ich einen Alfa 33 Kombi. Leider war dieser nicht für komfortables Schlafen konzipiert, und so verzog ich mich vom Fond wieder auf den Vordersitz.

Das Festival selbst war höchst interessant. Filmemacher von den Färöer-Inseln, aus Grönland – die eine ziemlich komplizierte Anreise hatten – und nur wenige der üblichen Wichtigtuer, die sonst die Festivals bevölkern. Es war Juni, und wir saßen bis spät in die Nacht in völliger Helligkeit bei Mineralwasser und Kaffee, denn Alkohol war, wie fast alles in Norwegen, unbezahlbar. Der Typ aus Grönland saß um Mitternacht bei 12 Grad ohne Jacke in einem kurzärmeligen T-Shirt im Straßencafé und freute sich über die ungewohnte Hitze. Es war eines der angenehmsten Festivals, an denen ich je teilgenommen hatte. Das norwegische Filminstitut kaufte meinen Film fürs Archiv. Ich war zufrieden.


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