Vater eines Mörders, der Schiedsrichter und Inge Meysel Ein vom Buch her anspruchsvoller Film war zum Beispiel „Vater eines Mörders“, die Geschichte von Himmlers Vater, der Griechischlehrer an einem Gymnasium war. Gute Schauspieler (Hans Korte), eine gute Regie.
Das ganze Stück spielte im Griechischunterricht, was dazu führte, dass der Regisseur Caspari und Kameramann Petrus Schloemp sich fast nur noch auf Altgriechisch unterhielten, was außer ihnen leider keiner verstand.
Dann gab es da noch einen netten Film, der hieß „Bisst, der Schiedsrichter“. Wolfgang Kieling spielte die Hauptrolle – ein begnadeter Schauspieler.
Es war die Geschichte eines Mannes, der sein Leben lang wie ein Schiedsrichter agierte, ohne es zu sein, dadurch schuld am Tod seiner Frau hatte und sich in den Katakomben eines abrissreifen Fußballstadions versteckte und immer pfiff, wenn Kinder auf dem Platz spielten. Das geht solange gut, bis das Stadion abgerissen werden soll.
Das Stadion in dem wir in der Schweiz drehten ist nur wenige Kilometer von meinem heutigen Wohnort entfernt.
Auch dort passierte nicht viel, aber ich hatte viel Spaß mit Atze Glanert, dem Kameramann, und Rolf von Sydow, dem Regisseur (ein Guter übrigens!), mit dem ich jeden Abend Skat spielte.
Wie man sich bettet
Wolfgang Kieling hatte eine superhübsche Tochter, Susanne Uhlen, und die sollte im nächsten Film mitspielen, dessen Titel ich leider vergessen habe. Ich freute mich darauf, sie endlich kennenzulernen. Was war passiert? Als Teenager las ich natürlich die „Bravo“. Susanne war, ich glaube sechzehnjährig, mit ihrem damaligen Freund nach Schottland gefahren und hatte dort in Gretna Green geheiratet, ohne Wissen ihrer Eltern – eine Riesenstory in der „Bravo“.
Zwei Jahre später wollte ich nun achtzehnjährig meine damalige Freundin Ute heiraten, deren Vater mich am Anfang nicht mochte. Wir beschlossen, nach Gretna Green zu fahren. Ich hatte gerade mal sechs Wochen meinen Führerschein. Mein Vater lieh mir sein Auto, und wir fuhren los. Da ich wegen des Linksverkehrs natürlich Angst hatte, als Führerscheinneuling durch London zu fahren, versuchte ich, um die Stadt herum zu fahren, was mir nicht gelang. Immer wieder landete ich in den Vororten von London.
Es war mittlerweile dunkel, und ich beschloss, einen Mann zu fragen, der an seinem Auto rumbastelte. Ich nahm also mein Schulenglisch unter den Arm, die Straßenkarte, und erklärte ihm, warum ich nicht durch London fahren wolle. Er stotterte und sagte: „Yyyes, I I I I I underunderstaaaaand, bebebe-but if I were you, I I I I I wuuuould take dddthis way“, und zeigte strahlend auf die Straße, die mitten durch London lief. Ich versuchte es erneut und bekam die gleiche Antwort. Ich bedankte mich und ging. Der Mann hatte recht, es war Unsinn, um London herumzufahren zu dieser Zeit, es gab noch nicht die Ringautobahn, und London ist verdammt groß.
Wir nahmen zwei Tramper mit, und die halfen uns, den Weg zu finden. Beides waren Briten, einer aus Schottland und einer aus Südengland. Das Witzige war, dass beide mich gut verstanden und ich sie, aber sie sich wegen ihres doch starken Dialektes kaum verständigen konnten.
Gretna Green, unser Ziel und der Hafen der Ehe, kamen immer näher. Leider waren ein paar Wochen vorher die Gesetze geändert worden, und man konnte erst nach dreiwöchigem Aufenthalt heiraten, und solange reichte unser Geld nicht. In der Zeit vor dem Internet erfuhr man so was natürlich nicht. Die Enttäuschung war groß.
Im „Old Blacksmith House“ war eine „nice little wedding ceremony“ angekündigt, und Ute und ich beschlossen, mal zuzusehen, wie es hätte sein können. Wir gingen mit anderen Touris gegen Eintritt hinein und warteten auf das glückliche Paar. Da stand der Schmied und zwei Gehilfen mit Steinschlossgewehren hinter dem Amboss, auf dem mit einem Hammerschlag die Zeremonie normalerweise vollzogen wurde. Dann zeigte der Schmied auf mich, hinter mir stand keiner mehr, also war wohl ich gemeint.
Seine beiden Schergen schnappten mich und zerrten mich zum Amboss. Dann zeigte der Schmied auf das hässlichste Mädchen im Publikum, das ich bis dahin gesehen hatte. Auch sie wurde zum Amboss gezerrt. Ich bekam einen Zylinder auf den Kopf, sie einen Schleier. Ob ich sie heiraten wolle, wurde ich gefragt. Natürlich verneinte ich, bis mich der Lauf eines der Gewehre unter meinem Kinn eines Besseren belehrte. Auch sie verneinte erst und wurde mit brachialer Gewalt der Schergen zum Ja-sagen gebracht. Dann kam das Schlimmste, ich musste sie küssen. Ein glückliches Paar waren wir nun nicht gerade, denn ihr Freund machte nun Theater wegen des Kusses, und das Foto sollte 5 Pfund kosten, die hatten wir nicht.
Ich habe meine erste Frau nie wieder gesehen. Mit Ute blieb ich 8 Jahre zusammen, eine tolle Frau, aber wir waren einfach zu jung, als wir uns kennenlernten. Susanne Uhlen war schuld an diesem Desaster. Sie musste lachen, als ich ihr die Story erzählte.
Regie machte übrigens Rainer Söhnlein, die Kamera führte Klaus Peter Hassenstein, ein sehr angenehmer Kollege.
Dann spielte noch Olivia Pascal mit, zwar nicht die beste Schauspielerin, aber eine überaus attraktive Frau, und Claudia Demarmels, bekannt aus „Theo gegen den Rest der Welt“, die etwas zickig war, und natürlich Heinz Schubert.
Und dann war da noch eines meiner Idole, der Schauspieler Hannes Messemer, der in vielen internationalen Filmen mitgespielt hatte und der ein großer Star geworden wäre, wäre er nicht dem Alkohol verfallen. Es ist sehr traurig mit anzusehen, was der Alkohol aus einem Menschen macht. Wir drehten immer morgens mit ihm, wenn er noch halbwegs trocken war. Er war brillant – und ein guter Mensch mit Charakter, wirklich schade um ihn. Hannes Messemer war sogar international erfolgreich und spielte z.B. neben Brigitte Bardot in „Babette zieht in den Krieg“, in „Der falsche General“ mit Vittorio De Sica, in „Gesprengte Ketten“ mit Steve McQueen, als „Alfred Jodl“ neben Jean-Paul Belmondo in „Brennt Paris?“, in „Lautlose Waffen“ mit Montgomery Clift und in „Die Akte Odessa“ mit Jon Voight.
Eines Tages mussten wir später mit ihm drehen und entdeckten ihn in der Maske, mit einer frisch geleerten Flasche Schnaps. Er müsse trinken, denn seine Tochter liege im Krankenhaus im Sterben, sagte er als Ausrede. Jeder wusste, dass dies totaler Unsinn war, denn seine Tochter arbeitete als Regie-Assistentin (eine der besten Deutschlands und eine gute Freundin von mir) in derselben Firma, bei einem anderen Film.
Rainer Söhnlein sprach mit ihm, Hannes war absolut volltrunken. Wir probten die Szene ohne ihn, es war eine lange, schwierige Szene mit viel Dialog – dann wurde es ernst. Hannes konnte kaum noch laufen und lallte deutlich hörbar. Die Klappe wurde geschlagen, dann ging ein Ruck durch seinen Körper, er stand kerzengerade, bewegte sich, als sei er völlig nüchtern, kein Lallen war zu vernehmen, fehlerfrei und grandios spielte er diese Szene, kein Kollege hätte ihm das Wasser in diesem Moment reichen können, es war bewundernswert – die Szene war im Kasten. Nach dem „Aus“ des Regisseurs sackte er sofort wieder in sich zusammen und wurde wieder das Häufchen Elend, das er vorher war. Welch eine Körperbeherrschung, welch ein Talent – ohne Alkohol hätten wir zu dieser Zeit in ihm einen grossen internationalen Star gehabt.
Inge Meysel – Neapel sehen und erben Michael Marszalek, ein Kameramann, mit dem ich oft und gern zusammengearbeitet hatte, rief an wegen eines Filmes mit Inge Meysel. Marco Serafini sollte Regie führen, und das Ganze spielte in Berlin und Italien – das hörte sich gut an.
Die Meysel hatte einen zwiespältigen Ruf in der Branche. Zum einen war sie ein Publikumsliebling, zum anderen war sie verhasst bei Maskenbildnerinnen, denen sie öfter mal übel mitgespielt haben soll, und dann gab es noch das Gerücht, sie sei Exhibitionistin. Mal sehen, was da wirklich dran war…
Oberbeleuchter sollte Bernd Hübner sein, den ich zwar kannte, mit dem ich aber noch nie gearbeitet hatte. Es gab jede Menge nette Beleuchtertrupps in Berlin, ob es nun Ulli Chrobock war oder Pancho (Francesco Bataller), ein Exilchilene, der typischste Deutsche, den ich je kennengelernt hatte. Er verkörperte alle positiven Charaktereigenschaften, die man Deutschen so gemeinhin zuschreibt, und hatte halt nur ein wenig Schwierigkeiten mit deutschen Redewendungen, die er trotzdem gerne benutzte. So sprach er gerne über den „Normalen Verbraucherotto“, meinte allerdings „Otto Normalverbraucher“.
Bernd Hübner hatte einen Ruf wie Donnerhall, das ging von „arrogantes Arschloch“ bis zu „Leuteschinder“. Allerdings galt er als der beste Oberbeleuchter Berlins. Wenn Hollywood in Berlin drehte, dann wurde Bernd Hübner angefordert. Bernd entpuppte sich als fanatischer Arbeiter, super kompetent in seinem Job, der sein Team im Griff hatte und ein Geschenk war für jeden Kameramann, der eine gut funktionierende Truppe braucht. Er konnte nicht leiden, wenn Leute rumstanden, und wenn er sein Team beim Bummeln erwischte, dann hagelte es Beschimpfungen wie: „Dillgurke!“, „Napfsülze!“ usw. Aber er setzte sich bedingungslos für sein Team ein, wenn es um Gagen ging, um gute Arbeitsbedingungen, faire Behandlung. Alles, was ich über ihn gehört hatte, war üble Nachrede. Der Mann war eine Klasse für sich, kollegial, und es war eine wahre Freude, mit ihm zu arbeiten.
Die ersten Drehs mit Inge waren irgendwo in einem Haus. Sie war kühl und zickte oft rum. Nur Bernd Hübner hatte Inge im Griff. Er pflaumte sie an: „Los, Inge, geh in Deine Position, wir müssen arbeiten!“ – und Inge, der große Star, gehorchte widerspruchslos.
Vor der Kamera war sie natürlich sehr professionell, aber privat wirkte sie sehr kühl und unnahbar. Sie war mir nicht gerade sympathisch, bis wir im Berliner Tierheim drehten. Nach etwa einer Stunde unterbrach sie den Dreh, sie wirkte unkonzentriert. Sie bat um eine kleine Pause, bat uns zu warten und ging. Ich musste zu meinem Kamerawagen, und da sah ich sie in einer Ecke stehen, die Tränen liefen ihr übers Gesicht, während sie das ganze Tierelend in den Zwingern betrachtete. Als sie mich bemerkte, wischte sie sich schnell die Tränen weg, ging in ihre Garderobe, kam mit ihrer Tasche und einem Scheckbuch wieder raus, fragte nach dem Leiter des Tierheims, schrieb einen Scheck aus und drückte diesen dem Leiter des Tierheims in die Hand. An seiner Reaktion sah man, dass es eine größere Summe gewesen sein musste. Aha, die große Inge Meysel spielte auch privat nur eine Rolle, nämlich die der toughen Frau, unnahbar, kühl, dabei war sie anscheinend nahe am Wasser gebaut, nur das wollte sie keinen sehen lassen. Inge wurde mir nun sehr viel sympathischer.
Ein weiterer Darsteller war unser beliebter Sam Hawkins alias Hadschi Halef Omar alias Ralf Wolter.
Wir drehten aber nicht in Neapel, einer der fürchterlichsten Städte, die ich je gesehen habe. Schaut man nach oben: Belle Époque, schaut man geradeaus: sieht man die Dritte Welt Europas – sondern wir drehten in Massa Lubrense, einer Stadt südlich von Neapel und Sorrent, auf halbem Weg nach Amalfi (oder „Emmelfei“, wie die Amis sagen) und Positano. Aufschlussreich an dieser Stadt war der Friedhof, ein Motiv aus Billy Wilders Avanti, Avanti, mit Blick auf Ischia. Für Männer zwischen 30 und 40 schien dies ein gefährlicher Ort zu sein, denn überdurchschnittlich viele Männer dieses Alters lagen auf dem Friedhof. In näherer Umgebung gab es 150 Morde im Jahr zuvor, fast alles Opfer des örtlichen Ablegers der Mafia.
Auch die Produktionsfirma hatte sich das Wohlwollen der ehrenwerten Gesellschaft gekauft. Die Italiener lachten immer, wenn ich meinen Wagen mit der Kameraausrüstung verschloss, und machten mir klar, dass nie, aber auch nie etwas von meiner Ausrüstung gestohlen werden würde, und tatsächlich, keiner von uns wurde hier beklaut, selbst im sturzbetrunkenen Zustand nicht. Der ließ sich leider nicht immer vermeiden, denn Charly, der Produktionsleiter, war kein Kind von Traurigkeit, und wenn er sich wohlfühlte, und das tat er oft, hieß sein Urteil: „Grappa per tutti!“ Das bedeutete ein Wasserglas randvoll mit Grappa für jeden – kein Problem für den trinkfesten Charly, aber für einige aus dem Team, mich eingeschlossen. Er kontrollierte dann auch, ob jeder trank, und war man fertig, dann hallte es wieder wie Donnerhall in den Ohren: „Grappa per tutti!“ Lange hält man das nicht durch.
Bernd Hübner entpuppte sich nicht nur als ausgesprochen kollegialer, sondern auch als extrem tierfreundlicher Mensch, und wir kauften jeden Abend zwei Riesentüten mit Dosenthunfisch al natural. Wir schlenderten dann durch die Stadt und verfütterten den Thunfisch an die ganzen herrenlosen Katzen, Tag für Tag. Er freute sich tierisch darüber, dass die Katzen sehr wohl ganz schnell herausbekamen, wer ihre Gönner waren, und uns schon von Weitem entgegenliefen. Er hätte sie am liebsten alle mit nach Hause genommen.
Eines Abends kamen wir an dem Haus vorbei, in dem die Meysel wohnte, und wer stand auf dem Balkon, splitterfasernackt: die Meysel! Bernd, ein Hüne von einem Mann, plärrte sofort mit seiner sonoren Stimme los: „Inge, Du altes Ferkel, in Deinem Alter, das kann man sich ja nicht ansehen, zieh Dir sofort was über!“ Inge verschwand und zog sich widerspruchslos einen Bademantel über. Aha, es war also was dran an dem Gerücht, sie sei exhibitionistisch veranlagt.
In einer Mittagspause saßen wir in einem Lokal am Hafen, bei uns ein Bayer, der mit seiner Yacht hier gestrandet war und keine Kohle für eine Reparatur hatte. Ein unangenehmer Mensch, ein Großmaul, aber wir waren höflich und ließen ihn prahlen. Da näherte sich eine kleine Katze, die etwas von uns abhaben wollte. Der Bayer trat nach ihr.
Im gleichen Moment wusste er: „Bad idea!“ Bernd lief puterrot an: „Du Schweinehund!“, sagte er. Der Bayer gab sofort Fersengeld, Bernd hinterher. Dummerweise hatte der Bayer als Fluchtweg die Hafenmole gewählt, und die war ja irgendwann mal zu Ende. Er rettete sich mit einem Kopfsprung ins Hafenbecken und ließ sich fortan nicht mehr blicken. Als Bernd zurück war, erhielt die kleine Katze natürlich ihren Thunfisch. Als wir abgedreht hatten, war der ganze Thunfisch in Dosen in der gesamten Stadt ausverkauft.
Eines Abends beschlossen wir, ins beste Lokal der ganzen Gegend zu fahren. Es waren etwa 20 km. Der Laden war piekfein, aber total leer. Die Bedienung brauchte trotzdem 10 Minuten, um überhaupt mal aufzutauchen und verschwand sofort wieder. Ich habe in einem Lokal dieser Güte noch nie so einen schlechten Service erlebt. Das Essen war nicht übel, aber total lieblos zubereitet und leicht versalzen. Als wir uns gerade beschweren wollten, kam ein Triumphschrei aus der Küche. Wir blickten überhaupt nicht mehr durch. Der Chef des Restaurants kam jubelnd zu uns, entschuldigte sich. Neapel mit Maradona hatte gerade ein Europapokalspiel gewonnen. Kein Neapolitaner geht natürlich während eines Spiels seiner Mannschaft ins Restaurant, und kein Koch oder Kellner will von Gästen belästigt werden. Wir hatten keine Ahnung, dass an diesem Tag ein wichtiges Fußballspiel war und waren natürlich Opfer des neapolitanischen Fußballwahns. Jetzt füllte uns der Restaurantbesitzer mit Grappa ab, auf Kosten des Hauses natürlich – ein zumindest halbwegs gelungener Abend – lall.
Am Wochenende hatte Bernd ein Boot gechartert, wir liefen aus Richtung Ischia – innerhalb von fünf Minuten war Bernd seekrank und lag käseweiß mit leichtem Grüneinschlag, ächzend auf dem Deck, weigerte sich aber zurückzufahren, denn er wollte uns den Spaß nicht verderben. Es war ein schöner Nachmittag – nicht gerade für ihn, aber für uns.
Bernd konnte aber auch manchmal ein wenig zickig sein. Als einmal mehrmals hintereinander das Produktions-Walkie-Talkie nicht funktionierte, warf er es in weitem Bogen ins Hafenbecken. Es war sehr putzig mitanzusehen, wie Peter, unser Aufnahmeleiter, bis zum Hals im Wasser stehend versuchte, das Walkie zu finden, was ihm auch gelang. Ich habe keine Ahnung, was die Italiener so über uns gedacht haben.
Bei einem Dreh in Positano parkte Roger unser Tiertrainer seinen Mercedes in einer Tiefgarage, direkt neben einem Rolls. Wir waren keine zweihundert Meter weg, da sagte er, er habe ein komisches Gefühl. Wir gingen zurück – vier Italiener waren gerade im Begriff, das Auto zu klauen, und rannten weg. Später erfuhren wir, dass der Rolls ein Lockvogel war, clever die Jungs.
Das Abschlussfest des Films war der Knaller. Wir hatten ein Restaurant im Hafen gemietet, von da aus waren es etwa 200 Stufen ins Hotel.
Das Essen war fantastisch, selten so gut gegessen. Alle 10 Minuten hörte man Charly „Grappa per tutti!“ plärren. Ich goss die Blumen mit Grappa, kippte ihn ins Klo, auf die Straße, und konnte noch halbwegs laufen. Bernd fuhr Charly ins Hotel, öffnete die Tür und mit einem Rumms fiel Charly aus dem Geländewagen. Wir trugen ihn (ca. 120 kg) in sein Zimmer.
Am nächsten Morgen war Charly nicht da, aber er war derjenige, der das Hotel bezahlen musste. Wir suchten überall, es regnete. Nach einer halben Stunde kam er die Treppe vom Hafen hochgehechelt, völlig nass. Was war passiert? Er war in der Nacht wach geworden und wollte noch einen Drink nehmen, schleppte sich die 200 Stufen bis zum Hafen runter, doch da war alles geschlossen. Also legte er sich in einen Liegestuhl. Irgendjemand hatte in der Nacht Mitleid und legte eine Decke über ihn. Als die Decke sich mit Wasser vollgesogen hatte, wurde er wach. Leider gab es da 200 Stufen zu meistern, und bergauf war das ziemlich heftig, besonders mit Restalkohol. Charly zog, bei uns angekommen, seine Jacke aus, er hatte das gesamte Geld bei dieser Aktion in seiner Jackentasche gehabt, mehr als 20.000 Mark. Es fehlte kein Pfennig. Manchmal lohnt es sich scheinbar doch, den richtigen Leuten zum richtigen Zeitpunkt einen kleinen Obolus zu bezahlen.
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