Mittwoch, 7. August 2024

 Die Hippiezeit

Da ich inzwischen am Wochenende an einer Tankstelle arbeitete hatte ich genügend Geld für ein Auto. Erst ein VW Käfer unsynchronisiert für 100 Mark, dann hatte mein Englischlehrer einen Unfall und ich kaufte seinen BMW 1800 TI für 300 Mark, den baute ich mit einem Freund der Automechaniker war wieder auf. Als ich damit mal neben dem VW Käfer des Schuldirektors parkte, hatte ich am nächsten Tag die Polizei zu Besuch, die wissen wollte, wie es denn käme, daß ich als Arbeiterkind so einen Wagen fahren könne, ich müsse doch wohl mit Drogen handeln. Ich verdiente aber etwa im Monat 1000 Mark an der Tankstelle, als Schüler damals steuerfrei, plus 500-800 Mark Trinkgeld. Die Abrechnungen beruhigten sie schnell und sie verschwanden wieder.


Bevor ich weitererzähle, will ich noch ein wenig auf die Zeit eingehen so zwischen 1968 und 1974, die Love and Peace Ära oder auch die Hippiezeit, wohlgemerkt in Deutschland. Musikalisch gesehen also der Übergang von der Beatmusik zur Rockmusik. Es war die Zeit in der ganze Gymnasien kifften oder LSD nahmen. Ich kann mich noch ganz gut an ein Schulfest erinnern, das um 22 Uhr mehr oder weniger beendet war, da fast die gesamte Oberstufe auf Pille, in der Stadt unterwegs war.
Das lag an den unverschämt günstigen Preisen. Da bei uns keiner das Talent zum Dealer hatte, legten wir zusammen und kauften großhandelsmässig bei einem supernetten Dealer ein, der keine harten Drogen verkaufte, günstig war und mittlerweile in der heutigen Gesellschaft hochangesehen einen Buchverlag betreibt. Er steht zu seiner Vergangenheit.
Die Behörden und die Presse machten damals allerdings einen folgenschweren Fehler. Sie verteufelten generell alle Drogen, undifferenziert wurden sie alle als stark süchtigmachend beschrieben, schon beim ersten Versuch. Jeder Gelegenheitskiffer wußte, daß dies Schwachsinn war und keiner glaubte den Unsinn. Leider gab es sie doch, diese gefährlichen Drogen, die wenig später einen Siegeszug durch die deutschen Kleinstädte antraten, mit einer Wirkung die keiner wirklich erwartet hatte, süchtigmachend, lebenszerstörend, existenzvernichtend und mordend.
Heroin zerstörte das Paradies aus Love und Peace und beendete die Hippiezeit.
Um jetzt wirklich einmal ehrlich zu sein, die freie Liebe damals ist mehr oder weniger ein Mythos, der zwar in einigen Kommunen gelebt wurde und auch in manchen Großstätten, in Deutschland Provinz allerdings erhebliche Probleme hatte, zur Realität zu werden. 



Klar nahm die Presse die plötzliche Offenheit lüstern auf, denn sie brachte Schlagzeilen. In den Redaktionen tobten Kämpfe zwischen stockkonservativen Redakteuren, oft noch aus der Nazizeit und jüngeren Semestern, die die neue Bewegung sympathisch fanden. Es dauerte lange bis objektiv über und nicht mehr hasserfüllt gegen diese neue Bewegung geschrieben wurde.
Klar ging es plötzlich sexuell weitaus freier zu, das heißt mit dem Händchenhalten war es vorbei, denn die Händchen fanden weitaus interessantere Stellen zum Verweilen und blieben dabei keineswegs untätig, aber es kam dabei relativ selten, zum Äußersten. Wir Jungs waren immer noch der Meinung, daß nur wir das Eine wollten, die Mädels grundsätzlich nicht und gingen deshalb behutsam zur Sache und deshalb oft erfolglos. Jungs könnt ihr euch das heute noch vorstellen? 3 Monate baggern um ne Schnecke rumzukriegen und zwar ohne Garantie auf Erfolg - obwohl Liebe im Spiel ist, auf beiden Seiten. 3 Monate - und ohne Liebe lief fast gar nichts, allerdings waren eigene Autos oder Eltern mit Geld hilfreich, bei der Überzeugung der Liebsten, daß es nun doch passieren müsse.
Die Mädels wussten damals nämlich selbst noch nicht, daß sie eigentlich auch nur das Eine wollten bzw. wollten dies einfach nicht kapieren oder zugeben und verweigerten sich oft erfolgreich. Und jetzt kommt es - und wurden dadurch interessanter, nicht langweiliger.
Wegen der sexuellen Engpässe im Mutterland, fuhren wir damals, so oft es ging per Anhalter nach Dänemark, dort war die Gesellschaft schon viel offener und weiter als in Deutschland und dies hatte keineswegs was mit Love and Peace zu tun, sondern mit aufgeklärteren Verhältnissen.
Ich glaube fast alle mitteleuropäischen Jungs dieser Zeit, sind von attraktiven Skandinavierinnen entjungfert worden.

Skandinavien war einfach ganz weit vorn mit Aufklärung und Pille, man gab sich progressiv, dort ging alles viel schneller, die Mädels waren weitaus aktiver und plötzlich landete man unversehens mit einem der süssen Dänenmädels in ihrem Bett und es passierte - wohlwissend, daß ihre Eltern im Nebenzimmer vor dem Fernseher sassen und wußten warum das Bett im Nachbarzimmer quietschte.

Im Deutschland dieser Zeit unvorstellbar, dort gab es noch den Kuppeleiparagraph und es war verboten der sogenannten Unzucht Vorschub zu leisten. All diese Tabus waren tief in den Hirnen der Deutschen verankert, auch in unseren noch.

Ich kann mich an eine besonders peinliche Situation in Kopenhagen erinnern. Ich hatte den Sohn einer dänischen Familie kennengelernt und war dort eingeladen. Wir sassen zu Tisch, der Vater, zwei Söhne 17 und 15, ich und die kleine süsse Schwester, die etwa zwölf war und schon Pfeife rauchte, ein völlig normaler Vorgang im weltoffenen Dänemark. 



Alle sprachen gut Deutsch und Lotte sprach meine Muttersprache perfekt, mit dem kleinen angenehmen Akzent der Skandinavier. Ich war gerade 17 Jahre alt geworden. Lotte lächelte mir zu. Sie mochte mich sehr und ich sie auch, doch sah ich sie als Göre und keineswegs als Frau. Plötzlich und unerwartet kam der Satz ( wohlgemerkt von einem kleinen, gerade mal zwölfjährigen, pfeiferauchenden Mädchen ) unter den Augen und natürlich auch Ohren ihres Vaters: Wenn Du dann nächstes Jahr vorbeikommst bin ich 13, dann will ich mit Dir schlafen. --- Ich hätte im Boden versinken können, so peinlich war mir die Situation, im Gegensatz zu Lottes Familie, die mich feixend beobachtete. Dann sagte ihr Vater zu mir: Nimm Deinen Notizkalender, schreib es Dir auf und enttäusche nächstes Jahr meine Tochter nicht.

War dies nun Ernst gemeint oder wurde ich hier grob veralbert ?
Das Lotte es wirklich Ernst gemeint hatte, erfuhr ich etwa 7 Jahre später in einer Sylvesternacht - bei meinem nächsten Besuch.

Nachdem ich ja schon den weit überschätzten Loveteil, der Love und Peace Hippiezeit abgehandelt habe, will ich nun ein wenig auf den weit unterschätzten Peaceteil eingehen. Rein optisch,hat das wahrscheinlich total bescheuert ausgesehen, auf jeden Fremden zuzugehen, mit den zum Victory Zeichen gespreizten Fingern und hey Peace zu sagen, zumal man ja doch meist ziemlich breit in der Birne war und in diesem Zustand selbst den Teufel mit Peace begrüsst hatte, doch es war wirklich eine friedvolle Zeit. Schlägereien auf dem Schulhof - undenkbar - jeder Aggressor wäre sofort von einer Gruppe friedenswütiger Schüler umringt worden, die ihm ein freundliches hey Peace Mann ins Gesicht geschmettert hätten.

Es gab nur einen Grund halbwegs Aggressionen zu zeigen, und zwar um in Rockkonzerte zu kommen. Damals war musikalisch einfach eine geile Zeit. Bands wie Led Zeppelin, Deep Purple, T-Rex, Steamhammer, Spooky Tooth standen am Anfang und waren noch keine Megaacts. Waren mehr Zuschauer da als Eintrittskarten, wurden die Hallen gestürmt, in diesem Chaos war es dann unmöglich zu kontrollieren, wer eine Karte hatte und wer nicht.  Um es auf den Punkt zu bringen: Aggressionen waren ansonsten so ziemlich das uncoolste in dieser Zeit. Man ging freundlich miteinander um, Konkurrenzkampf schon in der Schule war uncool, man ließ abgucken und abschreiben und versuchte die Schwächsten nicht zu treten, sondern ihnen zu helfen. Es war zwar cool lange Haare zu haben und hippe Klamotten zu tragen, aber es ging nicht um Markenklamotten sondern um Individualität und Kreativität und andere, die wegen ihrer Eltern, konservativ altmodisch rumlaufen mussten, wurden nicht ausgeschlossen sondern nur bedauert. Man war hilfsbereit, tolerant und ohne Vorurteile, Fremden gegenüber war man neugierig und nicht ablehnend. Grössere Strecken wurden per Anhalter zurückgelegt und das funktionierte gut. Wir sind einmal mit 30 Leuten ins 650 km entfernte Dänemark getrampt und waren alle am selben Abend da. Die Kriminalität war gering, kaum ein Autofahrer hatte Angst vor Trampern und auch die brauchten kaum etwas zu befürchten. Die einzigen Gefahren für Anhalter waren Schwule und das hatte gesellschaftliche Gründe.                                                                                     10


Damals gab es noch den diskriminierenden Paragrafen 175, der homosexuelle Betätigung unter Strafe stellte, was es für Homosexuelle tierisch erschwerte, einen Sexualpartner zu finden. 

Wir mieden damals wie die Pest das Frankfurter Kreuz, denn dort fuhren Schwule immer im Kreis umher, um ihr Glück bei männlichen Anhaltern zu versuchen. War man nicht willig, dann hielten sie einfach an und warfen einen an Ort und Stelle raus und man konnte zur nächsten Auffahrt laufen. Ziemlich unangenehm. Zuerst die Anmache in einem fremden Auto und dann der Fußmarsch. Die 175 er, so wurden sie genannt, waren damals deshalb bei Trampern nicht gerade beliebt, zumal kaum ein Hetero damals wußte, was schwul war, denn man kannte ja keinen. Erst viel später wurde mir klar, was es mit den vielen Fräuleins, die auf unserer Schule unterrichteten und die paarweise zusammenwohnten, auf sich hatte. Der Groschen fiel bei mir erst als ich in die Schwulenhochburg Berlin gezogen bin.


Berlin übte in dieser Zeit eine magische Anziehungskraft auf Männer zwischen 18 und 25 aus, wegen einer politischen Besonderheit: Westberliner durften nicht zur Bundeswehr.

Da wir ja alle peacemässig unterwegs waren gab es für uns ein Hauptproblem: die Bundeswehr. Natürlich verweigerten viele aus politischen Gründen andere aber weil sie schlicht keinen Bock hatten sich die Haare schneiden zu lassen, denn kurze Haare waren superuncool. Leider war die Verweigerung nicht so einfach wie heute, denn man musste eine Gewissensprüfung ablegen. Das heisst, man wurde geladen und saß vor stockkonservativen Leuten und mußte denen klarmachen, warum man nicht wollte. Man wurde immer mit den gleichen Fragen konfrontiert: Familie wird überfallen, greift man zur Waffe, die Freundin wird fast vergewaltigt und man kann sie nur per Waffengewalt retten usw. 


Mir kamen sie völlig doof. Ich hatte gerade den Führerschein gemacht für 254,30 DM, gesponsort von meiner Oma. Da es ja theoretisch möglich sei, mit dem Auto durch einen bösen Zufall einen Menschen zu überfahren, würden sie mich nur anerkennen, wenn ich an Ort und Stelle meinen Führerschein abgäbe. Auf meinen Einwurf, daß ich ja wohl kaum mit dem Vorsatz Auto fahren würde, einen Menschen zu überfahren, im Gegensatz zu einem Soldaten im Gefechtsfall, der sehr wohl den Vorsatz hat,seine Gegner zu töten, gingen sie überhaupt nicht ein und erkannten meine Gewissenskonflikte nicht an.

Jetzt blieb als einziger Ausweg nur noch die Flucht nach Berlin. 


Warum eigentlich heißt der Blog "Memoiren eines Versagers"? 

Ich hätte ja auch beim Finanzamt landen können, als Sachbearbeiter zum Beispiel oder bei der Post, alles ehrenwerte Berufe, aber wahrscheinlich wäre ich dann jetzt Alkoholiker . Aber Gott sei Dank gab es an unserer Schule im Hessischen einen Lehrer, der dies tatkräftig verhinderte. Ich habe nie im Leben einen schlechteren Pädagogen kennengelernt als Erich S. Im zarten Alter von 17 Jahren hasste ich niemanden, Love and Peace war unser Motto. Dummerweise gehöre ich nicht zu den heute vielgescholtenen 68ern, dazu bin ich etwas zu jung. Trotzdem fanden wir 1968 -1972 die 68er ätzend, denn sie waren drei, vier Jahre älter als wir, hatten dadurch schon einen Führerschein und bekamen dadurch die besten Mädchen ab. Ich glaube, die Achtundsechziger werden heute von den Jüngeren einzig und allein für alles verantwortlich gemacht, was in der Gesellschaft so schief geht, aus später Rache für damals.

Wir waren nicht so sehr politisch drauf ,wie die 68 er, sondern standen mehr auf Love and Peace. Da Love damals noch nicht so einfach war, blieb für viele nur Peace übrig. Ich hasste also Erich nicht, aber er mich. Warum ist mir bis heute unerklärlich. Vielleicht wegen meiner langen Haare oder weil ich seine Autorität in Frage stellte. Dummerweise war Erich mein neuer Deutschlehrer ( Oberstufe ). Deutsch war bis dahin eines meiner leichteren Übungen gewesen und hatte mit wenig Arbeitsaufwand eine 2 erbracht. Bei Erich war das anders,. Wir schrieben im Jahr so etwa 8 Gesinnungaufsätze. Es gab ein oft aktuelles Thema, 2 Stunden Zeit und 8 Seiten Papier, dann mußte man seine Meinung über das Thema zu Papier bringen. Weil die Fragestellungen immer mit immer mit den gleichen Worten begannen, entschloß ich mich, die Antworten auch immer mit dem gleichen Wort zu beginnen, nämlich mit: heutzutage. Außerdem wollte ich keinen 08/15 Aufsatz, sondern versuchte immer relativ komplexe Gedankengänge aufs Papier zu bringen. Was bisher immer honoriert wurde, ging bei Erich völlig in die Hose. Thema verfehlt: 6. Beim nächsten Aufsatz das Gleiche. Thema verfehlt: 6. Beim folgenden Aufsatz hielt ich meine Gedanken im Zaum, wählte eine Schlichtlösung und siehe da: Thema verfehlt: 5. Auf Argumente, daß Andere ja ähnliche Meinungen vertreten hatten als ich und mit 2 benotet seien, antwortete Erich erst gar nicht.

Erst beim nächsten Aufsatz begriff ich, was Erich wollte: mich einfach absägen, egal wie ich mich verhalte. Ich hatte gerade mein „heutzutage" auf den Zettel geschrieben, da kam Erich, nahm ihn mir weg und kritzelte auf die Seite 8 die Benotung: 6 und dies nach einer Minute. 


Leider komme ich aus einem armen Elternhaus, einem Arbeiterhaushalt. Ich habe meinen Eltern nichts vorzuwerfen, sie haben mich liebevoll behandelt und gefördert, wo immer es ging, aber in solchen Konfliktsituationen ist es einfach hilfreich, seine Rechte zu kennen, kämpferische, intellektuelle Eltern zu haben, die eben nicht obrigkeitshörig sind und glauben, alles habe seine Richtigkeit, was ein Lehrer so macht.

Ich Idiot jedenfalls schrieb einfach weiter, bis die 8 Seiten voll waren. Beim nächsten Aufsatz und der Blitzbenotung nach einer Minute nahm ich die Zettel, ging ans Fenster, zündete sie an und ging. Heute weiß ich, was ich hätte tun sollen, nämlich die Zettel nehmen und zum nächsten Anwalt gehen oder zum Schulrat oder zum Bürgermeister oder zu wem auch immer, hätte alles erzählen sollen und Erich hätte Ärger bekommen.

So hatte ich nun den Stress, denn ich hatte völlig übersehen, daß man eine 5 in Deutsch nicht ausgleichen kann und blieb sitzen. 

Erich sagte zu mir: „Du bist ein Versager und wirst es immer bleiben.“


 Wie wird man Regisseur ?

1. Der einfachste Weg ist, man wird als Regisseur geboren. 

Was allerdings nichts mit Begabung zu tun hat, sondern mit verwandtschaftlichen Verhältnissen. Wenn Papi oder Mami schon Regisseur, Kameramann oder Schauspieler              ( neuerdings auch Redakteur beim Sender ) sind, dann ist der Weg besonders einfach, Begabung ist da zweitrangig, da beim Fernsehen ja soviel Müll produziert, daß die fehlende Begabung nicht weiter auffällt. Man hat ja ein Team, das einem den Arsch rettet, funktioniert dies nicht, war das Team halt schlecht und nicht der Regisseur.

Man erkennt solche Leute oft nicht an ihrem Namen, denn Papa gibt vorsorglich nicht den Namen an jedes x-beliebige Gör weiter, welches er mit irgendeiner Frau mal gezeugt hat

2. Papa hat Kohle

Die Kohle kann er nutzen, um sich die Beziehungen zu kaufen oder um seinem mal mehr oder mal weniger begabten Sprössling, den ersten Film zu finanzieren. Das geht allerdings meistens in die Hose, manchmal aber funktioniert es und es funkelt ein neuer Stern am Filmhimmel. Bestes Beispiel hierfür: Roland Emmerich, zweifelsfrei ein guter, talentierter Regisseur, der sein Handwerk wirklich versteht ( unabhängig davon ob man seine Filme mag oder nicht ). Er hätte es sicher auch ohne das Geld seines Vaters geschafft, aber hätte wahrscheinlich 10 Jahre länger dafür gebraucht. Durch die Finanzierung seines ersten Films, hat sein Vater ihm den Weg geebnet.

Hier auf dem Photo einer der besten deutschen Regisseure Wolfgang Staudte, der den Klassiker "Der Untertan" drehte, wie er Anne Bennent eine Szene für den Film "Der Snob" mit Klaus Maria Brandauer und Heinz Bennent vorspielt.


3. Filmschulen oder Splattermovies und ähnliches

Der klassische Weg ist, sich durch die Aufnahmeprüfungen der verschiedenen Filmschulen zu quälen, dort einen Film zu machen, den möglichst keiner versteht, was natürlich niemand zugeben kann, oder zum hundertsten Mal grundlos einen Schwarzweissfilm zu drehen, damit jeder sagt: oh ein Schwarzweissfilm ! Wie mutig, wie originell, wie abgefahren, wie abgefuckt, wie toll usw. - und schon ist man in aller Munde

Trotzdem landet man dann oft als Regisseur beim Marienhof und das ist ganz weit weg von Hollywood.

Der Splattermovieweg ist der beste für clevere Scharlatane und Wichtigtuer. Sie machen ihre Filme, schockieren bewußt, nur um bekannt zu werden, es kommt deshalb nicht auf den Inhalt an, sondern sie verfahren wie folgt: Wie reihe ich Tabubruch an Tabubruch, um möglichst viel Publicity zu ernten. Alle fallen darauf herein.  Dazu gehört allerdings auch viel Arbeit und auch Talent, das darf man nicht vergessen. Bestes Beispiel ist Schlingensief - ein völlig überschätzter Regisseur. Heute werden die allerdings fast alle YouTube oder TikToker

4. Der harte Weg von der Pieke auf

Das heißt man arbeitet sich von anderen Positionen hoch, ist fachlich dadurch natürlich meist besser, als die anderen, aber mangels Lobby, Kontakten oder der richtigen Verwandtschaft braucht man einfach zu lange, um nach oben zu kommen. Dann ist es meist zu spät, um noch international Karriere zu machen. Hilfreich ist es dabei schwul zu sein, denn dann hat man schon mal ne Lobby in der Branche, in der überproportional viele Männer schwul sind. Leider wird man heute von den unter 1 - 3 genannten Leuten ausgebremst, die halt die besseren Kontakte haben. Besonders, wenn diese eine in der Branche häufige, anatomische Besonderheit vorzuweisen haben:

Kein Rückgrat, aber dafür 6 Ellenbogen und statt Schweißdrüsen Schleimdrüsen.

5. Der Glückspilz

- ist einfach begabt, hat Glück und trifft im richtigen Moment die richtigen Leute.

Natürlich gibt es aus jeder der fünf Gruppen gute und schlechte Regisseure, nur ihre Wege waren verschieden lang und verschieden mühsam.Ich gehöre zur Gruppe 4 mit dem gravierenden Nachteil nicht schwul zu sein.




Samstag, 3. August 2024

 Wie werde ich Regisseur ?


Die erste Frage ist auf der einen Seite sehr leicht, auf der anderen Seite sehr schwer zu beantworten. Ich habe mich oft mit Kollegen und auch Kameramännern, Drehbuchautoren und anderen Mitarbeitern beim Film unterhalten und eines ist mir dabei besonders aufgefallen. Fast alle hatten die gleichen Probleme während der Schulzeit. Sie waren verhaltensauffällig, sei es als Klassenclown, Zappelphillip, Störenfried oder sie konnten schlicht und ergreifend ihre Klappe nicht halten, dies gepaart mit Kreativität, die sich aber nicht unbedingt im künstlerischen Bereich bemerkbar machte, sondern eher im aushecken von Streichen oder im Erfinden von Geschichten, wenn man abgefragt wurde und wieder mal seine Hausaufgaben nicht gemacht hatte. 


Ich kann mich noch gut an eine Situation erinnern, als ich mal den „Jedermann“ lesen mußte, wahrhaft kein dicker Schmöker. 3 Wochen Zeit hatte ich dafür. Dummerweise hatte ich gerade fehlende Perry Rhodan Hefte nachbestellt, die ich weit dringender lesen mußte, um den Faden nicht zu verlieren.

Eines Montags, ich hatte es völlig vergessen, bat mich Herr Zick ( übrigens ein ganz netter, angenehmer Zeitgenosse ), mein Deutschlehrer, den Rest der Klasse doch einmal mit einer frei vorgetragenen Inhaltsangabe zu erfreuen. 

Wenn ich jetzt zumindest den Klappentext mit der Inhaltsangabe gelesen hätte, wäre ich wahrscheinlich mit einem blauen Auge davongekommen, leider hatte ich auch dies nicht getan.

Herr Zick und meine Klassenkameraden ergötzten sich etwa 30 Minuten an einer         abstrusen Geschichte, die ich mir gerade „ live „ ausdenken mußte und die sich um das Wort „ Jedermann „  drehte, leider glitt ich zudem noch beeinflusst durch Perry Rhodan in das Genre Science Fiction ab, statt es mit Horror und Fantasy zu versuchen.

Irgendwann verlor ich dann total den Faden, denn man kann sich zwar live eine Geschichte ausdenken, aber dummerweise nicht gleichzeitig komplett auf seiner Hirnfestplatte speichern und auf Plausibilität checken. Zick hatte nämlich aufmerksam zugehört und fing nun noch an Zwischenfragen zu stellen, sodaß ich plötzlich verschiedene Handlungsstränge zu verarbeiten hatte. Ich gab auf und sagte einfach, ich hätte nicht weiter gelesen. Nun wurde er richtig fies und fragte mich nach dem Titel des Buches, denn es sei gewiß nicht „Jedermann“, aber höllisch spannend und er wolle es mal lesen. Statt einer 6 erhielt ich eine 5 wegen meiner besonderen Kreativität - immerhin.



Seitdem habe ich nur noch einen Traum: ich würde gerne mal den Jedermann inszenieren, müßte ihn zuvor aber erstmal lesen.

Ähnliche Geschichten haben viele Kollegen auch erlebt und fingen schon während der Schulzeit an Führungsqualitäten zu zeigen, sei es als Klassensprecher indem man die Lehrer totquatschte oder als Bandenführer.

Das Abitur haben viele gar nicht oder nur mit Ach und Krach geschafft und eines haben fast alle gemeinsam: Sie sind für einen geregelten Job absolut nicht geeignet und würden in jeder anderen Branche gnadenlos scheitern.

Leider wird es in ferner Zukunft keine guten Filme mehr geben, denn verhaltensauffällige Kinder werden ja heute mit Drogen ruhig gestellt und brauchen sich keine Drogen mehr selbst zu kaufen. 


 Wie alles begann

Leider muß ich Euch zuerst einmal mit einer kleinen philosophischen Einleitung quälen ( für die Kritiker gemacht ), ich werde mich mit Photo vorstellen und Euch dann erstmal mit meiner Vorgeschichte langweilen, denn kein vernunftbegabtes Wesen kommt von sich aus auf die Idee, Regisseur zu werden. 

Mit zarten 18 Jahren in meinem Zimmer


 

Die es dennoch tun, würden im wirklichen Leben ( 8 Stunden Job, Büro ) gnadenlos scheitern. Deshalb bewundert diese Menschen nicht, habt eher Mitleid mit ihnen, denn sie sind Euch keinesfalls überlegen, können nur besser labern und sich besser verkaufen als Ihr. Dabei sind die meisten, die sich als große Künstler verkaufen in Wirklichkeit zu 95 % Handwerker und nur zu 5 % Künstler, aber das würden sie natürlich nie zugeben.
Nach einem doch etwas trivialen Anfang hab ich nun doch noch halbwegs die Kurve gekriegt und muß mir echt Mühe geben die nächsten Kapitel intellektuell noch etwas aufzupeppen. Auch die neue Rechtschreibregelung ist mir nicht wirklich geläufig, geschweige denn die Kommasetzung. Ich verspreche daran zu arbeiten. Warum ? Es gibt einen Menschen, dem ich eigentlich meine Fernsehkarriere zu verdanken habe, doch eigentlich wollte er mir schaden, wollte mich fertigmachen und hat genau das Gegenteil erreicht. Nur wegen ihm, werde ich mich ein wenig anstrengen, damit er sich tierisch ärgert ( falls er noch lebt ).


 Jürgen Podzkiewitz

Memoiren eines Versagers

 


Warum schreibe ich hier eigentlich ?
Da sitze ich nun in der Schweiz, werde alt und älter, habe mehr erlebt als die meisten Menschen und jedesmal, wenn ich jemandem etwas davon erzähle, erhalte ich den Rat alles einfach mal aufzuschreiben, das sei ja so interessant. Echt jetzt ? Mal testen, ob es jemand liest. Viele meine Ex-Kollegen haben Bücher geschrieben, vielleicht kann ich das auch. Nur mal kurz für diejenigen, die glauben, das sei nun Fiktion, was sie hier lesen: falsch gedacht - es ist leider alles wahr, was es hier zu lesen gibt, also kein Roman sondern eine Art Memoiren.

Falls sich jetzt immer noch irgendjemand dafür interessieren sollte, was ich in meinem früheren Leben in Deutschland so gemacht habe, dem kann ich nur sagen, daß die Chance relativ groß ist, daß er mich zwar nicht persönlich kennt, aber zumindest meine Arbeit gesehen hat, denn ich habe etwa 30 Jahre lang als Kameramann und Regisseur fürs Fernsehen gearbeitet. In meinem neuen Leben als Rentner mache ich zwar das Gleiche, aber weitgehend unter Ausschluß der Öffentlichkeit.

Das interessiert natürlich kein Schwein, aber da sie nicht nur von mir handeln, sondern auch von den Menschen mit denen ich mal zusammengearbeitet habe oder die ich mal kennengelernt habe, könnte es doch ganz interessant werden, denn das sind z. B. : Charlton Heston, Billy Wilder, Robert Wise, Robert Redford, Bernd Eichinger, Clint Eastwood, Rainer Werner Fassbinder, Uli Edel, Dr. Wedel, Hans Neuenfels, Günther Pfitzmann, Harald Juhnke, Dieter Hallervorden, Klaus Brandauer, Wolfgang Staudte, Bärbel Schäfer, Peter Imhoff, Vera Int-Veen und noch viele andere Prominente. Einigen von ihnen wird nicht gefallen, was ich so über sie zu erzählen habe, die Meisten werden sich aber darüber freuen, falls sie noch leben.


In einigen, ganz wenigen Fällen, werde ich sicherheitshalber den Namen ändern. Alle Vorgänge, die mal vor Gericht gelandet sind, kann ich natürlich per Prozessakte oder Anwaltschreiben nachweisen, hebe ja alles auf.
Tja was hab ich noch zu erzählen: nette Geschichten über Dreharbeiten ( Kinder vom Bahnhof Zoo und andere Filme ), über Korruption und Betrüger bei deutschen Sendeanstalten und Produzenten ( natürlich ohne Namen ), die Krawalle von Rostock - Lichtenhagen und vieles mehr. 



  Der zu Unrecht gehasste deutsche Zoll und das Kurzfilmfestival in Grimstad Ausschnitt aus meinem Film "Southwest Highways" Laugh...