Samstag, 3. August 2024

 Wie werde ich Regisseur ?


Die erste Frage ist auf der einen Seite sehr leicht, auf der anderen Seite sehr schwer zu beantworten. Ich habe mich oft mit Kollegen und auch Kameramännern, Drehbuchautoren und anderen Mitarbeitern beim Film unterhalten und eines ist mir dabei besonders aufgefallen. Fast alle hatten die gleichen Probleme während der Schulzeit. Sie waren verhaltensauffällig, sei es als Klassenclown, Zappelphillip, Störenfried oder sie konnten schlicht und ergreifend ihre Klappe nicht halten, dies gepaart mit Kreativität, die sich aber nicht unbedingt im künstlerischen Bereich bemerkbar machte, sondern eher im aushecken von Streichen oder im Erfinden von Geschichten, wenn man abgefragt wurde und wieder mal seine Hausaufgaben nicht gemacht hatte. 


Ich kann mich noch gut an eine Situation erinnern, als ich mal den „Jedermann“ lesen mußte, wahrhaft kein dicker Schmöker. 3 Wochen Zeit hatte ich dafür. Dummerweise hatte ich gerade fehlende Perry Rhodan Hefte nachbestellt, die ich weit dringender lesen mußte, um den Faden nicht zu verlieren.

Eines Montags, ich hatte es völlig vergessen, bat mich Herr Zick ( übrigens ein ganz netter, angenehmer Zeitgenosse ), mein Deutschlehrer, den Rest der Klasse doch einmal mit einer frei vorgetragenen Inhaltsangabe zu erfreuen. 

Wenn ich jetzt zumindest den Klappentext mit der Inhaltsangabe gelesen hätte, wäre ich wahrscheinlich mit einem blauen Auge davongekommen, leider hatte ich auch dies nicht getan.

Herr Zick und meine Klassenkameraden ergötzten sich etwa 30 Minuten an einer         abstrusen Geschichte, die ich mir gerade „ live „ ausdenken mußte und die sich um das Wort „ Jedermann „  drehte, leider glitt ich zudem noch beeinflusst durch Perry Rhodan in das Genre Science Fiction ab, statt es mit Horror und Fantasy zu versuchen.

Irgendwann verlor ich dann total den Faden, denn man kann sich zwar live eine Geschichte ausdenken, aber dummerweise nicht gleichzeitig komplett auf seiner Hirnfestplatte speichern und auf Plausibilität checken. Zick hatte nämlich aufmerksam zugehört und fing nun noch an Zwischenfragen zu stellen, sodaß ich plötzlich verschiedene Handlungsstränge zu verarbeiten hatte. Ich gab auf und sagte einfach, ich hätte nicht weiter gelesen. Nun wurde er richtig fies und fragte mich nach dem Titel des Buches, denn es sei gewiß nicht „Jedermann“, aber höllisch spannend und er wolle es mal lesen. Statt einer 6 erhielt ich eine 5 wegen meiner besonderen Kreativität - immerhin.



Seitdem habe ich nur noch einen Traum: ich würde gerne mal den Jedermann inszenieren, müßte ihn zuvor aber erstmal lesen.

Ähnliche Geschichten haben viele Kollegen auch erlebt und fingen schon während der Schulzeit an Führungsqualitäten zu zeigen, sei es als Klassensprecher indem man die Lehrer totquatschte oder als Bandenführer.

Das Abitur haben viele gar nicht oder nur mit Ach und Krach geschafft und eines haben fast alle gemeinsam: Sie sind für einen geregelten Job absolut nicht geeignet und würden in jeder anderen Branche gnadenlos scheitern.

Leider wird es in ferner Zukunft keine guten Filme mehr geben, denn verhaltensauffällige Kinder werden ja heute mit Drogen ruhig gestellt und brauchen sich keine Drogen mehr selbst zu kaufen. 


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