Freitag, 6. März 2026

Der sexte Sinn und das Haus in Asien.                                                                                        Hans rief mich an – er hatte seinen ersten Film als Kameramann, ich sollte Assistent machen. Es war ein Kurzfilm, Low Budget, „42nd Street“ hieß er. Christoph E. spielte die Hauptrolle, produzierte und führte Regie. Wir arbeiteten auf Gagenrückstellung, das heißt: Wenn der Film Geld einspielt, gibt’s was, ansonsten hat man umsonst geschuftet. Ein bisschen wie Lotto, nur mit mehr Kamera.

Hans war richtig gut, hat viel Spaß gemacht. Nachdem wir einige Monate keinen müden Cent gesehen hatten, las ich plötzlich in der Zeitung, dass der Film eine Förderung bekommen hatte – eine relativ hohe Summe für einen Kurzfilm. Wunderbar, dachte ich, endlich gibt es Geld! Ich rief bei Christoph an und erfuhr, dass er nach Asien gefahren war, um sich dort ein Haus zu kaufen. Nun ratet mal, von welchem Geld wahrscheinlich? Ich habe nie eine müde Mark gesehen, und ins Haus wurde ich auch nicht eingeladen. Habe aber dadurch gelernt, wie man zu was kommt – leider aber nicht persönlich angewendet. Wenn der Tsunami auch nur einen Funken Anstand gehabt hätte, dann hätte er dieses Haus dem Erdboden gleichgemacht.

Hans hatte gleich den nächsten Film. „Der sexte Sinn“ sollte er heißen, Regie Lothar Lambert. Lambert, war das nicht der Schwulenfilmer? Ja, er war es, und was war das für ein Typ! Als Regisseur nun nicht übermäßig talentiert, aber als Mensch war Lothar klasse. Ich hatte ihn mir als total abgefahrenen Typen vorgestellt, da ich seine Filme kannte, aber Lothar war sehr bürgerlich, hatte gute Umgangsformen, ein angenehmes Wesen, und er beutete seine Darsteller nicht aus, die ganzen Loser oder gescheiterten Existenzen, die in seinen Filmen mitspielten. Er machte sich nicht lustig über sie, sondern nahm sie ernst. Sie verkörperten wahrscheinlich alle Freiheiten, die er nicht wagte, für sich einzufordern, dazu war er zu konservativ. Er lebte diese Freiheiten in seinen Filmen aus. Dagmar Beiersdorf war auch dabei, ebenfalls eine, sagen wir mal, Undergroundfilmerin aus Berlin, auch sie sehr angenehm, sehr bürgerlich, trotz ihrer Filme, die das Gegenteil zeigten. Beide lebten unauffällig, absolut gesetzestreue Bürger, ohne Eskapaden. Lothar schrieb damals, glaube ich, die Filmkritiken für die BZ, eine Zeitung in Berlin.


Der Zirkusdirektor der aus Scheiße Gold machen konnte.                                               Der Produzent war Albert H. Er hatte im Osten einen kleinen Wanderzirkus gehabt, der Tiere an Fernsehproduktionen vermietete, war rübergemacht, und da im Westen damals alle Ossis hofiert wurden, hatte er sich als Schauspieler ausgegeben, was keiner nachprüfte. Ich kannte ihn schon, er war der Schrecken aller Regisseure, „unbegabt“ ist gar kein Ausdruck, er war einfach unfähig und konnte keinen Satz fehlerfrei und irgendwie der Dramaturgie entsprechend aufsagen, bekam aber permanent kleine Rollen, da er nicht viel kostete.

Als Produzent war er, sagen wir mal bodenlos untertrieben, ein Schlitzohr. Es gelang ihm immer wieder, was Alchemisten schon seit dem frühen Mittelalter versucht, aber nie geschafft hatten: nämlich aus Scheiße Gold zu machen. So auch mit diesem Film. Schätzungsweise hatte der Film einen Etat von 1,2 Millionen DM. So wie der Film produziert wurde, blieben bestimmt 600.000 DM für ihn übrig, statt der 7 %, die ihm zustanden. Er war aber kein unangenehmer Typ. Sein Produktionsbüro war personalmäßig immer entweder halbseiden besetzt oder verrückt. In diesem Fall verrückt. Die Produktionsleiterin ging einige Jahre später zum Corbusierhaus (ein Hochhaus in Berlin), in dem sie mal gewohnt hatte, klingelte an der Wohnungstür ihrer früheren Wohnung im 6. Stock, fragte freundlich, ob sie sich mal umsehen dürfe, ging zum Balkon und sprang – und war sofort mausetot. Ein tragisches Ende für eine, nun ja, verrückte Zeit.

Der Dreh in Berlin verlief ohne Probleme, doch einige Tage sollten in Italien gedreht werden, im Haus des Schauspielers von Ingolf George, in der Nähe von Genua. Hans, ich, Alberts unbegabte Tochter, die Tonleute und Nicky, die Maskenbildnerin (Tochter von Sindermann, dem Volkskammerpräsidenten der DDR), sollten mit dem Auto hinfahren. 

Fast alle waren schon unterwegs, als unser Leihwagen eintraf, ein uralter Ford Transit, höchstens noch für eine Fahrt zum Bosporus geeignet, Spitze sicher 80 km/h, nach Genua 1200 km. Wir tankten voll, als wir anhielten, um Getränke zu kaufen, war der Tank schon fast wieder leer (nach 10 km). Des Rätsels Lösung: ein fingerdickes Loch im Tank, aus dem in einem ebenfalls fingerdicken Strahl der Sprit auslief, wie wir rauchenderweise feststellten. Etwa 8 Liter blieben allerdings immer drin.

Zurück zur Leihwagenfirma. Ein Anruf im Produktionsbüro ergab, dass wir nur dort einen Wagen leihen konnten, mangels Kohle – angeblich. Es gab nur einen VW-Bus, einen wirtschaftlichen Totalschaden, dem war ein anderes Auto voll in die Schiebetür gefahren. Die ließ sich zwar noch schließen, aber der Rahmen war verzogen, wie wir in Italien feststellten, als wir zum ersten Mal neue Reifen kaufen mussten, mangels Profil auf einer Seite.

Wir fuhren also mit etwa fünf Stunden Verspätung los, und um keine Zeit zu verlieren, sagten wir den Mädels im Wagen gleich, dass nur alle fünf Stunden gepinkelt wird, was sie sehr entsetzte. Ich musste als Erster, sagte aber nichts, sondern behauptete stur, meine Zigaretten seien ausgegangen. Wohnen sollten wir im Haus des Schauspielers, das sei groß und alles sei perfekt vorbereitet, hatte Albert erzählt.

Leider vergaß Alberts Tochter in einer Autobahnraststätte in Italien ihre Handtasche und bemerkte es erst nach einer Stunde. Also wieder zurück – völliger Schwachsinn in einem Land, in dem das Verbrechen erfunden wurde, wie mein Freund Michael Marszalek immer wieder behauptete. Na ja, die Tasche, okay, ich bleib ehrlich, sie war noch da, nichts fehlte, aber wir hatten über zwei Stunden verloren.

Um halb drei nachts, nach vier Packungen Marlboro (Hans und ich), kamen wir an, fanden das Haus natürlich nicht und riefen dort an. Natürlich war nichts vorbereitet, das Haus lag in den Bergen, es war saukalt (Mai!), es gab weder Decken noch Schlafplätze, deshalb fuhren wir wieder in die kleine Stadt und schliefen noch einige Stunden auf Parkbänken, dann suchten wir uns ein billiges Hotel. Albert bekam fast einen Infarkt, als erfuhr, dass er für uns ein Hotel bezahlen sollte. Er japste nach Luft und lief rot an, das Haus sei doch schön und wir seien verwöhnte Schnösel, sagte er, aber bezahlte. Ich gehe mal davon aus, dass pro Kopf 150 DM Übernachtung in der Kalkulation für den Sender gestanden haben dürfte. Wir waren für 35 abgestiegen. Ansonsten hatten Hans und ich viel Spaß bei der Produktion, bei den ganzen Dilettanten vor der Kamera, die wir, leider nicht so feinfühlig wie zum Beispiel Lothar, permanent verarschten, zu absurd war das Ganze, natürlich ließen wir Lothar und Albert auch nicht aus.

Die Rückreise kostete einen zweiten Satz Reifen, aber wir überlebten, und Albert kaufte sich ein weiteres Mietshaus in bester Lage, als der Sender bezahlte.


Ein Jahr später heulte mir Albert was vor: Er habe wieder mit Lothar eine sündhaft teure Produktion, eine Komödie über das Leichenbestatterwesen, dummerweise spiele ein Teil in Petra/Jordanien, und das sei teuer. Youssef, ein netter Studienkollege von mir, war mit dem jordanischen Königshaus versippt und verschwägert und versprach zu helfen. Albert war erleichtert. Er versprach mir den Kamerajob. Youssef besorgte Drehgenehmigungen, Kameraausrüstung, ein Team – alles mehr oder weniger umsonst. Aus Dank bezahlte Albert Youssef nicht dafür und gab meinen Kamerajob an einen Türken, der noch nicht mal eine Arbeitserlaubnis hatte, der aber Albert beim nächsten Film in der Türkei mit Kontakten helfen sollte.

Ich ging zum Arbeitsgericht. Mit einer Unverfrorenheit behauptete Albert, unterstützt mit einem Schreiben des NDR, der Redakteure T.K. und E.S., selbst der Programmdirektor Rolf Seelmann-Eggebert hatte unterschrieben, dass der Türke besser gewählt wurde, da er als Moslem dem deutschen Leichenbestatterwesen unbefangener gegenüber stehe und damit besser geeignet sei, als ich. Ich war Mitglied beim BVK, dem Berufsverband der Kameramänner. Dort ging ein Schreiben vom NDR ein, in dem behauptet wurde, ich hätte mich als Unbekannter in die Produktion eingeschlichen, sozusagen, niemand hätte mich gekannt und hätte mich als Kameramann ausgegeben, aus Mitleid hätte Albert mir den Job angeboten, aber als er erfuhr, dass ich zu wenig Erfahrung habe, sei ihm das Risiko zu groß gewesen. Der BVK solle doch mal überprüfen, ob ich als Hochstapler aus diesem Grund überhaupt als Mitglied tragbar sei. (Die Kopien dieser Briefe habe ich noch.)

Lieber Herr RSE, Sie sind jetzt auf Rente und haben das Recht, die Wahrheit zu erfahren: Sie haben damals wahrscheinlich einen mutmaßlichen Betrüger gedeckt, der den NDR vermutlich viel Geld gekostet hat, und einen Redakteur, der den Spitznamen „Mister 10 %“ hatte. Raten Sie mal, warum man zu einem solchen Namen kommt? Schauen Sie sich mal den netten Film an, der im NDR lief und der Albert und Ihren Redakteur beim Pferdewetten an der Côte d’Azur zeigt (wie dreist von einem Zocker!), oder auch das leicht faschistoide Machwerk, das Albert dann in Costa Rica drehte, mit dem unsäglichen Edwin M. als Regisseur. Damals haben Sie auch noch eine Dokumentation auf einem Bananendampfer an Albert bezahlt (nicht persönlich), damit hat Albert auch noch an den Reisekosten doppelt verdient und ihr Redakteur auch.                                                        Vor dem Arbeitsgericht war Albert zum ersten Mal gut als Schauspieler, er zog alle Register, sagte, ich wolle ihn ruinieren. Barbara Salesch wäre vor Neid erblasst und hätte man es aufgezeichnet wäre es eine Sternstunde deutscher Comedy gewesen. Es war ein unterhaltsamer Prozess, alle hatten viel zu lachen, denn wir waren weiterhin per Du. Albert gab die Drama-Queen warf sich heulend auf den Boden, sagte „Ich bin ruiniert, wenn Du gewinnst!“ Ich antwortete nur: „Mach dich nicht lächerlich und zieh nicht so ’ne Show ab.“ 

Der Richter fand das hochinteressant, denn Albert hatte ja behauptet, er habe mich erst gar nicht gekannt, er hatte nicht geleugnet, mir den Job angeboten zu haben. Dummerweise konnte ich auch noch mit einem Vertrag belegen, dass Albert mich schon zwei Jahre lang kennen musste (der Vertrag vom „sexten Sinn“). „Ihr Verhältnis scheint ja nicht so schlecht gewesen zu sein, wenn Sie immer noch per Du sind, sich mit dem Vornamen anreden, obwohl Sie vor Gericht stehen“, sagte der Richter, „das sieht mir nicht danach aus, als ob sie sich nur flüchtig kennen.“ Er verknackte Albert dazu, meine Gage zu zahlen. Albert, immer noch heulend mit einem knallroten Kopf, wurde sofort ganz ruhig und sagte nur: „Das geht ja noch“, er hatte anscheinend mit Schlimmerem gerechnet. Sein Winkeladvokat hatte während der ganzen Verhandlung nicht ein Wort gesagt

Das Einzige, worüber ich mich heute ärgere, ist, dass ich damals nicht den Spiegel (Magazin) auf Albert und Mr. 10 % angesetzt habe, die hätten ihnen das Handwerk gelegt. Denn diese Verbrecher wollten durch den Brief an den BVK meine Existenz vernichten; wenn ich dort rausgeflogen wäre, hätte ich umschulen können. Falls jetzt einer der Betroffenen auf die Idee kommt, mich wegen Verleumdung verklagen zu wollen: Viel Spaß dabei, ich habe noch alle Briefe!

Natürlich war das nicht das letzte Erlebnis der besonderen Art mit dem netten Sender im Norden. 1988 hatte ich einen Kurzfilm von mir im internationalen Wettbewerb der Filmfestspiele Berlin, der lief dann auch auf dem No Budget Festival in Hamburg. Ich war hocherfreut, als mich ein Redakteur vom NDR anrief, der meinen Film haben wollte. Er erzählte mir, dass seine Freundin einen Film über das Festival produziere, in dem die besten Filme vertreten sein sollten. Er bot mir 150 Mark und verlangte dafür die Rechte an meinem Film für 15 Jahre. Ich musste lachen und sagte ihm, dass dies nicht gehe, da ich den Film von meinem eigenem Geld produziert hätte und natürlich meine Produktionskosten erstmal reinbekommen wolle, was nicht gehe, wenn er die Rechte erhalte. Er sagte mir offen und ganz unverblümt: „Wenn Sie jemals wieder für den NDR arbeiten wollen, rate ich Ihnen, mein Angebot anzunehmen.“ Ich legte auf. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber das war, glaube ich, derjenige, der erst vor Kurzem bei einer großen Münchner Firma rausgeflogen ist, weil er sich für Schleichwerbung in Filmen bezahlen hat lassen.

Anfang der Neunziger reichte ich ein Konzept über Kinder aus Namibia, die in der DDR aufgewachsen sind, beim NDR ein (wegen Meck-Vorpolen), erhielt eine Absage – und kurz darauf einen Anruf von einer Produktion, die davor stand, diesen Auftrag mit meinem Konzept zu bekommen und so dreist war, mich nach Informationen über das Thema befragen zu wollen, weil ich ja als Spezialist für das Thema gelte. Meine Telefonnummer hatten sie von dem Redakteur, bei dem ich das Konzept eingereicht hatte. Ein wirklich netter, sehr integrer Sender…


Der Unhold, me too unloaded: Ein Raubvogel von Regisseur und die „Besetzungscouch 2.0“

Vor wenigen Jahren hätte ich seinen Namen nicht nennen können, denn er würde sofort klagen und versuchen, mich zu vernichten. Aber alles, was ich über ihn schreibe, entspricht der Wahrheit. Ich habe es entweder selbst erlebt oder aus absolut verlässlichen Quellen. Er war mächtig und nutzte seine Macht aus wie kein anderer. Selbst die Metoo Kampagne überstand er fast unbeschadet trotz erdrückender Anschuldigungen.

Ich habe noch nie einen Menschen gesehen, der mir auf Anhieb so unsympathisch war. Stechende, kalte, blaue Augen, wie ein Raubvogel mustert er lauernd seine Umgebung. Man glaubt nur zwei Gefühlsregungen darin erkennen zu können: Desinteresse und Verachtung. Er verachtet die Menschen, behandelt sie wie den letzten Dreck – wenn die Definition eines Alpha-Tieres oder Leitwolfs seine Berechtigung hat, dann bei ihm. Was sich ihm nicht bedingungslos unterwirft, wird vernichtet. Sein Name: Dr. Dieter Wedel

Er hielt sich für den größten Regisseur Deutschlands und hat zweifellos einige gute Filme gemacht, aber auch deshalb, weil er mit großen Budgets drehte und damit auch die besten Schauspieler engagieren konnte. Ich habe ihn zwar als überdurchschnittlich kennengelernt, aber keinesfalls als genial. Wer sich mit ihm anlegte, kam auf eine schwarze Liste und hatte es fortan schwer, Arbeit in der Branche zu bekommen, denn der Unhold hatte zu großen Einfluss. Als in den siebziger Jahren die ersten Berufsverbote auftauchten, für Linke, die in den Staatsdienst wollten, war ich total dagegen. Als ich den Unhold kennenlernte, wurde ich dann ein großer Fürsprecher der Berufsverbote, aber nur in seinem Fall. Dieser Mann hätte ins Gefängnis  gehört wegen sexueller Nötigung und hätte seinen Beruf nicht mehr ausüben dürfen.

Als ich anfing in der Branche, hörte ich immer wieder Stories über die so genannte Besetzungscouch. Auf der waren früher (dreißiger bis sechziger Jahre) Starlets und junge Schauspielerinnen (freiwillig) gerne mal, wenn sie für eine Rolle vorsprachen, Regisseuren und Produzenten zu Willen, um schneller Karriere zu machen. Das hat anscheinend auch gut funktioniert, und es gibt einige sehr gute, ältere, internationale Schauspielerinnen, die dazu stehen, dass sie auf diese Weise angefangen haben. In den achtziger Jahren, dachte ich, gibt es so was nicht mehr. Weit gefehlt. Der Unhold ist viel schlimmer. Er engagierte für seine weiblichen Hauptrollen Schauspielerinnen, mit denen er unbedingt mal ins Bett wollte, und dann wurde er richtig widerlich.

Als ich mit ihm drehte, wusste ich von all dem nichts. Der Unhold zeigte mir während der ersten Drehtage, an denen unsere Hauptdarstellerin nicht dabei war, mal ein Bild von ihr und meinte nur: „Attraktive Frau, nicht wahr?“ 

Ich nickte nur. Dann warnten mich unsere Requisiteure vor, die schon mehrere Filme mit ihm gemacht hatten, und erzählten mir haarklein, was passieren würde und wie der Unhold vorgehen würde. Ich dachte, die verarschen mich, aber es geschah genau so, wie sie es mir erzählt hatten.

Einige Tage später kam unsere Hauptdarstellerin an. Die ersten drei Tage ließ er sie in Ruhe, hofierte sie sogar. Dann plötzlich und völlig unerwartet bebte das Set. Wedel brüllte die Darstellerin völlig grundlos an, bei einer völlig nichtigen Szene: „Das ist keine Kunst, das ist Karstadt, was du hier spielst, Du bist völlig unbegabt, ich weiß nicht, wie du es so weit bringen konntest, Du solltest den Beruf wechseln!“ usw. Wir (das Team) gingen einfach weg, nach dem Motto: Ohne Publikum macht das Fertigmachen von jemandem bestimmt keinen Spaß. Das brachte ihn völlig auf die Palme. „Ihr bleibt hier, sonst schicke ich euch alle nach Hause, ich will weiterdrehen!“, schrie er. Den ganzen Tag machte er die arme Frau (eine wirklich gute und engagierte Schauspielerin) fertig, egal, was sie auch spielte. Die anderen Schauspieler wurden natürlich auch nervös, denn die Luft brannte im wahrsten Sinne des Wortes, und sie wurden immer schlechter, versprachen sich, vergaßen ihren Text, spielten lustlos – das interessierte den Unhold überhaupt nicht, kein Wort der Kritik kam über seine Lippen (und so ein Arsch glaubt, dass er der beste deutsche Regisseur ist!). Nur sein Opfer musste leiden, tagelang, bis die Stimmung plötzlich umschlug. Plötzlich war sie die Größte, er war charmant zu ihr, hofierte sie und machte ihr Komplimente – das war etwa ab dem Tag, an dem ich ihn zum ersten Mal aus dem Zimmer unserer Hauptdarstellerin kommen sah. Hony soit qui mal y pense.

Sein Verhalten war in der Branche bekannt, viele wissen davon, es ist ein absolut offenes Geheimnis und keineswegs Insiderwissen, doch keiner hatte je den Mut ihn anzuzeigen, kein Opfer hat sich gewehrt oder Klage erhoben. Alle, inklusive mir, hatten Angst, nie wieder Arbeit zu bekommen. Bei der ganzen „Me Too“-Kampagne wurde natürlich auch er genannt, aber nicht angeklagt. Ich habe keine Ahnung, wie viele Frauen er damit kaputt gemacht hat, aber vier oder fünf Schauspielerinnen haben Kinder von ihm.

Vielleicht versteht ihr jetzt, warum ich für Berufsverbote bin: Man muss solchen Menschen das Handwerk legen, sie gehören einfach in den Knast. Er wurde nie für seine Taten belangt, obwohl einiges ans Tageslicht kam. Jetzt schmort er ganz sicher in der Hölle, falls es diese gibt. 

Donnerstag, 5. März 2026

 Der Snob: Staudte, Brandauer und Bennent

Eike, der Produktionsleiter der UFA, rief mich wegen eines Films an, endlich mal was Gutes. Regie Wolfgang Staudte, jawohl, der berühmte Regisseur, der auch den „Untertan“ gedreht hatte. Darsteller Klaus Maria Brandauer, Heinz Bennent, Anne Bennent, Nicole Heesters, Kamera machte Lajos Koltai, der auch schon „Mephisto“ gedreht hatte. Na, das war doch was! „Der Snob“ (von Carl Sternheim) hieß der Film.

Koltai war ein Superprofi, ein ganz ruhiger, besonnener Kameramann, wahnsinnig nett, wir kamen prima miteinander aus. Ich war sofort Staudtes Liebling, übrigens ein wirklich guter Regisseur. Staudte drückte mir fünf Packungen Reval in die Hand, sagte mir, er finde seine Zigaretten nie, ich solle sie im Motiv verteilen. Immer wenn er eine rauchen wollte, sagte er, der Kamera-Assistent (ich also) muss dringend eine rauchen, unterbrach, kam zu mir gestürzt und fragte nach seinen Kippen. Dann rauchten wir eine, und dann ging’s weiter.


Brandauer war sehr nett und kollegial, versuchte ständig das Team aufzuheitern. Es war angenehm, mit ihm zu arbeiten.                                                                                                Die Bennents waren sehr zurückhaltend, nicht unfreundlich, aber irgendwie nicht von dieser Welt. Ich stellte mir immer deren Situation zu Hause vor, an einem großen Tisch sitzend und sich abwechselnd gegenseitig mit literarischen Zitaten bombardierend – eine fremde, total vergeistigte Welt. Bennent war trotzdem einer meiner Lieblingsschauspieler. Nicole Heesters war eine Seele von Mensch, immer freundlich und guter Laune.


Brandauer und Bennent waren nun ja beide Top-Schauspieler, und natürlich wollte jeder dem anderen zeigen, wie gut er ist, und auch beweisen, dass er besser als der andere war. Das konnte natürlich nicht offen geschehen, deshalb kann ich mich auch täuschen in dem, was ich glaubte zu erkennen. Beide bemühten sich sehr um die Sympathie des Teams, das war für Brandauer als Kumpeltyp natürlich einfacher, als für Bennent, der eher ein weltfremder, abgehobener Intellektueller war. 


An eine Szene dieses Kampfes der beiden Schauspielgiganten kann ich mich noch gut erinnern. Bennent war ein militanter Nichtraucher im wahren Leben. In einer Szene musste er Brandauer eine Zigarre anbieten und anzünden. Brandauer war im Film ein Aufsteiger, der um die Hand seiner Tochter bat. Brandauer ging zu Staudte und sagte, er habe eine gute Idee, da er als Aufsteiger natürlich nervös sei, auf den Schwiegervater zu treffen, mache er natürlich viel falsch. Also ließ er sich die Zigarre von Bennent anzünden und blies ihm den Rauch quer übers Gesicht, sodass sogar Bennents Haartolle sich etwas hob. Staudte fand das gut, und selbst Bennent sagte, das sei eine fantastische Idee. Ich glaubte ihm ansehen zu können, dass er Brandauer am liebsten erwürgt hätte. 



Nun kam Bennents Rache. Da Brandauer tief an der Zigarre ziehen musste, war das natürlich nicht sehr angenehm für ihn, Zigarrenraucher machen das nicht. Also patzte der sonst so perfekte Bennent mehrmals hintereinander, bis man Brandauer ansah, dass ihm schon richtig schlecht war. Das Ganze passierte aber mit aller Freundlichkeit, dieser Kampf der Beiden war nur ganz unterschwellig zu bemerken. Jedenfalls war es eine Freude, diesen beiden hervorragenden Schauspielern bei Ihrer Arbeit zuzusehen, ich habe viel dabei gelernt.


Mittwoch, 4. März 2026

 


Am Anfang war noch nicht der Pflasterstein - die total verlogene Hausbesetzerszene    ----         Anfang der achtziger Jahre waren die Hausbesetzer in Berlin schwer aktiv. Hans Günther Bücking und ich wohnten in der Pallasstraße in der Nähe des Winterfeldtplatzes, und da gab es eine Demo nach der anderen. Ich war zu Hans gezogen, und wir hatten eine nette Wohnung im Hinterhof. Leider hatte uns keiner erzählt, dass man Geschirr auch abwaschen kann, und sobald sich Schimmel zeigte, stellten wir deshalb die Küche unter Quarantäne und gingen essen, bis sich mal ein weibliches Wesen erbarmte und uns versuchte zu zeigen, wie man eine Küche wieder nutzbar macht. Wir nahmen diese Hilfe immer dankbar an. Manchmal kam diese Hilfe auch zu spät, dann warfen wir das Geschirr einfach in den Müll. Es ist schon erstaunlich, wie viele Schimmelvarianten es auf der Welt gibt, und ich überlegte schon, die Filmerei sein zu lassen und mich auf Schimmelpilze zu spezialisieren.

Das hört sich jetzt an, als wären wir superfaule Säcke gewesen, stimmt aber so nicht. Die Arbeitstage beim Film sind nicht mit normalen Arbeitstagen in einer Firma zu vergleichen. Zwölf Stunden Arbeitszeit pro Tag waren bei uns einfach normal, und es konnten auch leicht mal 14 oder 16 Stunden daraus werden, und dies über Wochen und Monate, bei Schnee und Regen, zu den unmöglichsten Tageszeiten. Die Ausrüstungen wiegen leicht mal 100 Kilo, und die karrt man Tag für Tag von Ort zu Ort. Bei der Arbeit muss man sich höllisch konzentrieren, damit nichts schief geht, der kleinste Fehler kann einfach Tausende kosten, die Verantwortung ist groß. Nach spätestens 14 Tagen ist man platt, kommt von der Arbeit, geht nur schnell was essen und schläft dann, bis der Wecker wieder klingelt. Kein Mensch stellt sich dann mehr in die Küche und wäscht brav ab, die meisten machen zu Hause gar nichts zu essen, sondern gehen nur schnell was essen, verdienen tut man ja genug.

Hans war länger im Geschäft als ich und hatte immer die besseren Filme mit den berühmteren Kameramännern, galt als der beste Assistent in Deutschland, musste dafür auch immer schwere 35 mm Ausrüstungen in den dritten Stock tragen. Ich hatte es meistens mit den leichteren 16 mm Ausrüstungen zu tun, dafür waren die Filme, die ich machte, eher leichte Kost und wurden schnell vergessen.

Eines Tages, es gab mal wieder eine Demo, und ich hatte große Mühe gehabt, überhaupt neben den Mannschaftswagen der Polizei einen Parkplatz zu finden, kam Hans völlig blau geschlagen mit einer 35 mm Arri auf der Schulter in der Wohnung an. Er hatte nur mal schauen wollen, was da am Winterfeldtplatz abging, als die Demonstranten einen Ausbruchsversuch aus dem Polizeikessel starteten und genau in seine Richtung liefen, die Bullen hinterher. Da er natürlich mit der schweren Kamera auf der Schulter nicht so schnell laufen konnte, ließen die Bullen ihren Frust an ihm aus, deshalb die blauen Flecken.

Wir hatten kaum unsere Ausrüstungen in unseren Zimmern verstaut, die aussahen wie ein mittlerer Kameraverleih, da wummerte es an der Tür: „Aufmachen, Polizei!“ Wir öffneten, und eine halbe Hundertschaft Bullen stürmte in unsere Wohnung auf der Suche nach Demonstranten. Sie nervten uns mit Fragen über die Kameraausrüstungen und dachten allen Ernstes, dass sich bei uns Demonstranten versteckt hielten. Die Durchsuchung endete, als ein Polizist mit einer Taschenlampe unsere Abstellkammer durchsuchen wollte – leider war da schon seit Monaten die Birne kaputt –, er übersah einen querliegenden Besen und fiel voll auf die Fresse, mitten in unsere Kammer. Nun zogen sie wieder ab. Es war ein Schicksalswink, denn am nächsten Tag erhielt ich einen Anruf vom Saarländischen Rundfunk, ich sollte einen Film über die Hausbesetzerszene machen.


Saarbrücken, geklaute Schubkarren sind natürlich ein Kapitalverbrechen

Ich setzte mich also ins Flugzeug und flog nach Saarbrücken. Das imponierendste am SR war die Lage der Studios auf dem Halberg und die Kantine. Ich habe nie wieder so ein super Kantinenessen bekommen, feinste französische Küche kann ich nur sagen! Kameramann war Michael Faust, mit dem ich viel Spaß hatte, Regie führten ein Jens und ein Bernd. Der Dreh selbst war in Berlin, und dadurch erhielt ich tiefe Einblicke in die Hausbesetzerszene und in die teils absurden Polizeimethoden, die Häuser zu räumen. Am Ende gehörten beide Gruppen nicht gerade zu meinen bevorzugten Freunden.

Einmal drehten wir bei Hausbesetzern in einem Haus zwischen den Yorckbrücken und dem Bülowbogen. Diese Jungs waren echt fit und hatten das Haus gut renoviert. Wir saßen dort beim Kaffee, als wir eine Hundertschaft über die Gleise anschleichen sahen. Als wir rausgingen, war das Haus von gut 200 Polizisten umzingelt. Als wir mit laufender Kamera nach dem Grund fragten, erhielten wir vom Mannschaftsführer die wohl dümmste Antwort, die ich je gehört habe. Er sagte, auf einer Baustelle in der Nachbarschaft sei eine Schubkarre geklaut worden. Dies sei angezeigt worden, und dieser Anzeige würden sie jetzt nachgehen. Lachhaft – mit 200 Leuten?! Als mein Autoradio kurz danach aus dem Auto geklaut wurde und ich die Polizei anrief, kam nicht einer, ich musste zur Polizei fahren.

Die anderen Hausbesetzer in einem Haus in der Potsdamer Straße, in dem wir meistens drehten, waren Superpfeifen. Auf die Frage, was es denn ausmache, in einem besetzten Haus zu leben, kam die stereotype Antwort, fast wie auswendig gelernt: „Zusammen leben, zusammen arbeiten.“ – Nur mit Arbeiten klappte das nicht so sonderlich, nur mit Mühe und ein paar Kisten Bier konnten wir sie dazu bringen, mal etwas an dem Haus zu tun, damit wir auch was zum Filmen hatten. Das Schlimmste aber war, dass die Intelligenten unter ihnen noch ein Zimmer bei Mutti hatten, zur Sicherheit. Die spornten zwar die anderen zu Straftaten an, Scheiben einschlagen usw., hielten sich aber dabei dezent im Hintergrund. Die Loser waren die Dümmeren, sie hatten kein Zuhause mehr, und wenn sie erwischt wurden, waren sie fällig. Meine Sympathie für die Szene wurde dabei immer kleiner. Natürlich gab es da auch die wirklichen Hausbesetzer, wie die Jungs in der Bülowstraße, die was taten und unheimlich aktiv waren, aber die waren meist über 30. Leider waren die meisten aber nur dabei, weil die ganze Szene wie ein riesiger Abenteuerspielplatz war.

Die Polizeiseite war um keinen Deut besser. Als ich Wochen später als Kameramann für das ZDF den Abbruch eines Hauses in Wannsee filmte und mit C-Rohren Wasser auf das Gebäude gespritzt wurde, damit es nicht so staubte, sah ich einen Polizisten zu einem Mann mit der Spritze gehen und auf mich zeigen. Keine fünf Minuten später schoss der Idiot mir mit voller Absicht aus fünf Meter Entfernung mit einem Hochdruckwasserstrahl die 60.000 DM teure Kamera aus der Hand. War natürlich ein Unfall, keine Absicht, nach Aussage der Polizei.


Der SR-Computer irrt sich nie – außer, er irrt sich doch

Ich hatte beim SR gut verdient, etwa 7000 Brutto, hatte auch schon 1500 DM Vorschuss erhalten. Meine Augen wurden immer größer, als ich die Schlussabrechnung bekam: Ich sollte 400 Mark zurückzahlen. 7000 brutto nur 1100 netto, unmöglich! Ich rief also beim SR an und bat um Korrektur. Die Antwort war: „Unser Computer irrt sich nicht.“ Ich ließ mir von einem Steuerberater die Summe ausrechnen. Ich hatte noch etwa 3500 Mark zu bekommen, nicht 400 zurückzuzahlen. Ich rief wieder an, ich kannte die Antwort schon: „Unser Computer irrt nicht.“ Auch eine Argumentation mit Logik, bei der ich zum Beispiel Höchststeuersätze erwähnte, Beispiele anführte usw., ließ die Abrechnungsabteilung nicht erweichen.

Ich rief die Rechtsabteilung des SR an. Der Mitarbeiter dort blickte sofort durch und gab mir Recht und bestätigte mir, dass die Abrechnung niemals stimmen könne. Er rief die Abrechnungsabteilung an und erhielt als Antwort: „Unser Computer irrt nicht.“ Nun rief er mich an und gab mir einen guten Rat, ich solle klagen und brauche mir keine Gedanken zu machen, der SR habe noch nie einen Prozess gewonnen.                                                   Soweit kam es dann nicht, denn auf ein Schreiben meines Anwalts erhielt ich mein Geld. Trotzdem erinnere ich mich gerne an diesen Sender, denn ich habe dort wirklich nette Leute kennengelernt.

Dienstag, 3. März 2026

 Harald Juhnke – Ein Gentleman mit Charme und Einschaltquoten -----

Die Nova Film rief mich an, für die hatte ich schon mal bei „Wie heirate ich eine Familie“ gearbeitet. Man sagte ihnen einen schlechten Ruf nach, aber da war nichts dran. Sie zockten zwar wegen jeder Mark, aber sie zahlten ohne zu murren Tarif, und das Geld kam überpünktlich. Vielleicht lag es auch an Otto Meisner, dem etwas cholerischen Chef, der schon ein wenig merkwürdig war. Er regte sich über alles auf und wollte dann seine Meinung bestätigt haben, indem er sagte: „Nicht wahr, nich, nich.“ Manchmal hatte man das Gefühl, er suche nur ein Echo.

Mit Juhnke war es zu dieser Zeit sehr schwer zu drehen. Bei der letzten Folge hatte er gesoffen und sich in Désirée Nosbusch verliebt, der Dreh wurde abgebrochen. Deshalb gab es einen Notplan: War Juhnke trocken, hieß die einstündige Sendung mit vier Filmen: „Leute wie Du und ich“. Soff er, wurden für seine Rollen andere Schauspieler engagiert, die standen Stand-by, und das Ganze hieß dann: „So oder so ist das Leben.“

Juhnke war trocken, und ich erlebte einen brillanten, genialen Schauspieler, der ohne Probleme seine Mitschauspieler hätte an die Wand spielen können. Aber Juhnke war ein guter Kollege, hilfsbereit denen gegenüber, die mal ihren Text vergessen hatten. Er war humorvoll, ein Charmeur. Er machte keinen Unterschied zwischen Regisseur oder Beleuchter, er behandelte alle gleich: höflich und mit Respekt. Man konnte ihn nur für seine Art lieben; es macht mich traurig, dass er so enden musste. Er war ein guter Kerl, hatte ein unglaubliches Talent, Charakter, kurzum der perfekte Entertainer.

Wir drehten einmal auf einem Ausflugsboot an einem Wannseeanleger. Vom Boot nebenan hörten wir per Lautsprecher: „Liebe Gäste, auf dem Nachbarschiff dreht gerade Harald Juhnke einen Film!“ Das andere Boot wollte gerade ablegen, da entschuldigte Juhnke sich, brach den Dreh ab und sagte bloß: „Ik geh mal wat für die Einschaltquote tun.“ Er ging auf das Deck, winkte den Leuten auf dem anderen Schiff zu, die stürzten natürlich alle auf die eine Seite, um Juhnke zu sehen, sodass das Schiff in eine bedrohliche Schräglage kam. Juhnke palaverte 15 Minuten mit den Leuten, beantwortete höflich auch die dümmsten Fragen und kam dann zurück zum Dreh. „Wisst ihr“, sagte er, „die Leute sind so treue Fans, da kann ich nicht einfach weiterdrehen, die haben das Recht, dass ich diese Treue erwidere und zumindest kurz mit ihnen spreche, alles andere wäre eine Schande für jemanden wie mich, der auch aus armen Verhältnissen kommt.“ Und das war kein Spruch, Harald meinte das wirklich ernst, und dass es stimmte, was er sagte, merkte ich fast zwei Jahre später. Als Kamera-Assistent hatte ich zwar eine sehr wichtige Position, war aber dennoch ein relativ kleines Licht.

Ich war in die Podbielskiallee umgezogen, brachte gerade Renovierungsmüll zum Mülleimer, der an der Straße stand. Ich hatte nur gesehen, dass ein elegant angezogener Mann etwa 200 m hinter mir spazieren ging. Plötzlich hörte ich diese markante Stimme hinter mir: „Wat denn, wat denn, seit wann biste bei de Müllwerker, ik dacht Du bist beim Film.“ Es war Harald! Ich hatte ihn zwei Jahre lang nicht gesehen und nur einmal mit ihm gedreht, er wusste sogar meinen Namen, erkundigte sich danach, ob ich auch gut zu tun habe. Ich war total baff. Ein Star, der Menschen nicht vergisst, mit denen er nur eine kleine Zeit seines Lebens zusammen verbracht hat – unglaublich. Harald war immer ein Mann aus dem Volke, er hat niemals seine Herkunft verleugnet, sich dafür geschämt, und er hat immer ein Herz für jene gehabt, die eben kleine Leute geblieben sind. Für mich ist er einer der wirklich wahren Volksschauspieler und Stars, denn er verachtete nicht sein Publikum oder seine Fans, und waren sie noch so prollig, er respektierte sie und war ihnen dankbar. Harald, ich hoffe, dir geht es gut da oben an der Himmelsbar. Lass uns einen trinken, wenn ich irgendwann mal auch komme.

Bei diesem Dreh war übrigens Otto Meisner, der Produzent, super spendabel. Da alles gut funktionierte, waren wir immer pünktlich fertig, es war auch Dank Juhnke ein harmonischer Dreh, und Otto kam mehrmals an den Drehort, tätschelte uns und sagte uns, dass wir die Größten seien. Das war sonst nicht gerade seine Art. Er ließ Kuchen kommen, extra Essen und war überglücklich, dass alles lief.



Mord im 31. Stock – Kamikaze 1989: Fassbinder, Franco Nero und ein mieser Stuntman  Ich hatte den ersten Job als Kameramann beim ZDF. Es ging nach Wilhelmshaven, ein kurzer Beitrag über die EU-Lagerhaltung. Ich gab mir höllische Mühe, drehte, wie ich es beim richtigen Film gelernt hatte, viele Schnitte, nur hatte ich den Anschein, dass Felix Tolxdorf, der Redakteur, mir nicht vertraute. Er war total skeptisch, auch weil ich nur wenig Licht benutzte. Deprimiert fuhr ich wieder nach Berlin zurück. Einmal und nie wieder, dachte ich.

Am nächsten Tag rief mich die Cutterin aus Mainz an: „Was ist das denn?!“, fragte sie. Ich wollte mich schon entschuldigen, aber sie sagte nur: „So ein Material kriege ich so selten, es ist eine wahre Freude zu schneiden, danke!“ – und dann legte sie auf. Am nächsten Tag wurde ich in die Dispo gerufen, ein Beschwerdebrief sei angekommen. Lächelnd gaben die Mädels mir ein Fax von Tolxdorf. Er bedankte sich darin für die Zusammenarbeit und entschuldigte sich. Er schrieb, er habe mich unterschätzt, meine Arbeit falsch eingeschätzt, sei aber sehr glücklich über das Ergebnis, und er könne mich nur empfehlen. In Kopie hatte er den Brief auch an den Studioleiter geschickt. Das hatte wirklich Größe, ich war überglücklich.

Nun kam ein Anruf von Regina Ziegler Film, ich sollte ein paar Tage Assistent machen und dann selber drehen. Es ging um eine Dokumentation über die Dreharbeiten zu einem Film, den ihr Mann Wolf Gremm machte. Der Film hieß „Kamikaze 1989“ – das Spannende aber war: Franco Nero und Rainer Werner Fassbinder spielten mit!

Zuerst bekam man die Zwei nicht zu sehen. Wir drehten einen Stunt auf einem noch nicht fertigen Autobahnstück. Ein Stuntman war gut, der andere war eine Pfeife. Die Pfeife in einem 1600er BMW sollte den Guten, in einem nagelneuen, aber präparierten 500er Mercedes, versuchen, von der Straße zu drängen und selbst dabei verunglücken. Beim Mercedes waren die Türen präpariert (alte Türen), damit nicht viel kaputt geht. Die Pfeife traute sich nicht, und es sah nach nichts aus. Er wurde ermahnt, etwas aggressiver zu fahren. Das tat er, er touchierte den Mercedes zu heftig, sein Kotflügel bohrte sich in seinen Reifen, der platzte. Er schleuderte quer und fuhr dem Mercedes voll in die Seite – Totalschaden! Das war mit einem billigen Stuntman an der falschen Stelle gespart. 

Dann kam der Dreh mit Django Franco Nero, ein imposanter Mann mit einer wahnsinnigen Ausstrahlung; sie hatten ihm noch stahlblaue Kontaktlinsen besorgt, er war beeindruckend. Und dann Fassbinder – er war ein Ekel – ein widerlicher, aufgedunsener, schlecht gelaunter Wichtigtuer, dem alles zuwider war und der jeden dumm anmachte. Um die Dreharbeiten (Kameramann war Xaver Schwarzenberger) nicht zu stören, versteckte ich mich mit meiner 16 mm Kamera immer so, damit ich nicht ins Bild kam. Einmal kam Fassbinder an mir vorbei und schlug mit der Faust auf meine Vorderlinse, das Okular bekam ich natürlich voll ins Auge; ich konnte auf dem Auge fast eine halbe Stunde nichts sehen.                          Ich hatte ihn nicht behindert, nichts, es war pure Bosheit. Rudi Kaufmann, der auch mitspielte, kam sofort zu mir und stellte sich vor mir auf, teils, um mich zu beruhigen, teils, um zu verhindern, dass ich dem Arsch eins aufs Maul haue. Ich habe bei Dreharbeiten, bis auf Löwitsch, nie wieder so einen Wichser getroffen wie Fassbinder. Meine Genugtuung kam einen Tag später. Fassbinder musste aus einem in halber Höhe feststeckenden Fahrstuhl klettern. Erst war er total feige und hatte Schiss, dass was passiert, dann war er unfähig, da rauszuklettern. Fast das ganze Team freute sich darüber, er fluchte und machte ein Riesentheater. Ein paar Monate später starb er, und Ziegler Film machte aus dieser Doku den Film: „Fassbinders letzte Arbeiten.“ Clever, was?


Montag, 2. März 2026


 Göbbels-Ohrfeige, ein UFA-Chef und ein Jobangebot per Postkarte ---------

Dann machte ich noch einen Film, der war relativ interessant, ein Porträt von Gustav Fröhlich, der kam aus der Schweiz mit seinem Alfa Romeo angereist, und das mit 84 Jahren. Gustav Fröhlich kennt heute keiner mehr, aber er war während der Nazizeit so populär, dass er es sich leisten konnte, sogar Göbbels zu ohrfeigen, ohne dafür im KZ zu landen (das muss man sich mal vorstellen, ein wirklich mutiger Mann!). Redakteur bei diesem Film war Wolf Bauer, und lange Jahre der Europa-Chef der UFA, ein angenehmer Mensch, der mich, kleines Licht, jahrelang grüßte, wenn wir uns zufällig trafen. Ein Topmanager, ohne Starallüren, bodenständig, angenehmes Auftreten, kollegial. Lieber Wolf, falls Du das lesen solltest, Dein Verhalten einfachen Mitarbeitern gegenüber hat mich wirklich schwer beeindruckt, Du warst ein Gentleman ohne Fehl und Tadel. Danke.

Damit kommen wir zum Bertelsmannkonzern überhaupt. Ich habe damals lange Jahre für Universum Film gearbeitet, mit Eike Hendrich als Produktionsleiter. Es gab damals viele schwarze Schafe in der Branche, Eike und sein Aufnahmeleiter Ekke Lange (Gott hab ihn selig) gehörten nicht dazu. Ich habe selten so ein angenehmes Betriebsklima erlebt, Fairness, gute Bezahlung, gutes Essen und ein persönlicher, ja freundschaftlicher Umgang mit den Mitarbeitern gehörten zum Stil der Beiden, man konnte ohne Probleme seine Meinung sagen, Kritik üben. Wer zum Team dazugehörte, konnte sich glücklich schätzen, denn Eike und Ekke sorgten schon dafür, dass jeder Arbeit bekam.

Damals gabs ja noch keine Handys. Einmal kam ich aus einem Frankreichurlaub zurück und fand eine Postkarte in meinem Briefkasten. Sie war von Eike: „Lieber Jürgen, Du scheinst in Urlaub zu sein, melde Dich sofort nach Deiner Rückkehr. Wir können Dir den Job bis zum 1. August freihalten. Ich hoffe, Du kommst nicht später zurück.“ Das hatte Stil. Ich war rechtzeitig zurück.


„Detektivbüro Roth“, ein fieser Löwitsch und ein genialer Krug

Eine neue Fernsehserie sollte beginnen und endlich mal mit bekannten Schauspielern wie Klaus Löwitsch, Manfred Krug, Heinz Schubert, Ilja Richter usw. Die Serie hieß „Detektivbüro Roth“ und spielte in Berlin und Duisburg. Kameramann war Michael Marszalek, mit dem ich in den folgenden Jahren noch viele Filme drehen sollte. Ein Hans Dampf in allen Gassen, er produzierte noch CDs nebenbei und war ein Könner. Es war sehr angenehm, mit ihm zu arbeiten, und wir wurden schnell Freunde. Bevor es bei Universum Film losging, drehte ich erst ein paar Folgen der gleichen Serie bei einer Firma, die A…… Film (ganz wichtig – sie hat nichts zu tun mit einer seit dem Jahr 2000 existierenden und überaus seriösen Firma, die auch A…… Film heißt) hieß, Regie führte Tom Engel. Leider war A Film eine wenig seriöse Firma, sie gehörte einem aalglatten Typen, Teilhaber der Firma war der berühmte Regisseur Dieter W., zu dem wir noch später kommen. Der Wahrheitsgehalt der Aussagen von Z., der Produktionsleiterin der Firma, lag deutlich unter 10 %. Trotz eines eindeutigen Vertrages wollte die Firma keine der reichlichen Überstunden bezahlen, auch die letzte Woche wurde mir nicht bezahlt. Der Chef der Firma sagte jedem, der sein Geld wollte, er solle doch klagen. Das tat ich auch, gewann den Prozess, erhielt mein Geld. Ein halbes Jahr später verklagte A. Film mich, brachte gefälschte Vorschussquittungen auf den Tisch und wollte exakt den gleichen Betrag wieder zurück, sie verloren wieder.

Doch zu den Dreharbeiten. Ich freute mich darauf, einen meiner Lieblingsschauspieler, Klaus Löwitsch, zu treffen. Die Enttäuschung war groß, Löwitsch war zwar gut, aber ein ziemlich fieser Typ. Er hatte permanent schlechte Laune und suchte sich fast jeden Tag jemanden aus, den er fertigmachen konnte. 

Natürlich nicht jemanden, der ihm Kontra geben würde, wie zum Beispiel Produktionsleitung, Regie oder Kamera, nein, kleine Lichter suchte er sich aus, die sich nicht wehren konnten. Wenn mal was nicht klappte, war irgendjemand schuld, ein Beleuchter, der in seiner Blickrichtung stand und angeblich blöd schaute und ihn deshalb irritierte, oder das Scriptgirl, was dann im Weg stand, oder irgendwas. Er suchte richtig danach. Widerlich der Mann! Konnte man echt vergessen den Typ.

Der zweite Hauptdarsteller war Manfred Krug, der galt als schwierig. Doch er entpuppte sich als angenehm, wenn der mal Streit suchte, dann mit dem Regisseur oder mit der Produktion, nie mit Teammitgliedern, die sich nicht wehren konnten. Wenn er was vorschlug und der Regisseur ging nicht darauf ein, sagte er nur: „OK, vergiss es, sag mir, was ich aufsagen soll.“ Ich habe kaum einen Schauspieler erlebt, dem die Begabung so in die Wiege gelegt wurde. Manne spielte mit einer Leichtigkeit und ohne große Anstrengung. Ich gehe mal davon aus, dass er sein ganzes Leben lang nur 25 % seiner möglichen schauspielerischen Leistung gegeben hat, und damit war er immer noch besser, als die meisten anderen. Manne war allerdings ein fauler Sack, den Text lernte er nie, er kam grundsätzlich mit Zetteln, auf denen sein Text stand, fragte mich nach der Bildkante und hängte die Zettel außerhalb des Bildes auf oder legte ihn in Schubladen oder sonstwo ab. Er konnte allerdings ablesen, ohne dass es groß auffiel. Beobachten Sie ihn mal beim Schauspielern. Krug macht permanent irgendetwas, ganz klar, er muss ja auch immer im richtigen Moment beim richtigen Zettel sein. Trotzdem ist er einfach brillant. Ich fand ihn angenehm, er ist zwar ein wenig poltrig, aber nie unangenehm, und wenn er mal schlechte Laune hatte, wusste ich, wie ich ihn ruhigstellen konnte. Er interessierte sich für Geldanlagen und hochwertige Hifianlagen. „Hey Manfred, hast Du schon den neuen Verstärker von Burmester gesehen?“ – egal wie schlecht seine Laune war – „Los erzähl“, sagte er, und die schlechte Laune war weg.


Schaufensterpuppen und ein Wahnsinnsregisseur 

Löwitsch wurde dann Gott sei Dank durch Heinz Schubert (Ekel Alfred) ersetzt, und das war wirklich ein klasse Typ. Löwitsch war weg, und es ging nach Duisburg, um dort zu drehen. Jeder, der Duisburg hört, denkt sofort: „Wie furchtbar!“, aber ich habe mich dort wohlgefühlt und viele nette Leute getroffen. Zum ersten Mal mal traf ich auf Heinz Schubert (Ekel Alfred). Nachts war Schubi immer unterwegs und frönte seinem Hobby, er fotografierte Schaufensterpuppen. Dann waren da noch Ute Willing, eine nette, hübsche, junge Schauspielerin mit einer supergroßen Klappe. Zusammen mit Harald, dem Aufnahmeleiter, waren wir oft unterwegs, aber mit Ute konnte das schon peinlich werden. Im Kino zum Beispiel gab sie immer lautstark Kommentare von sich, und von allen Seiten wurde „Ruhe!“ geschrien. Schubi setzte sich dann immer weg, es war ihm peinlich.        

Mal machte sie das gesamte Kino darauf aufmerksam, dass der Hauptdarsteller und die Darstellerin wohl im Verlauf des Filmes poppen würden – jedenfalls ohne einen Kommentar alle fünf Minuten ging nichts.

Ilja Richter spielte jetzt auch mit, jawohl, der Disco-Ilja. Er war ein sehr netter, guterzogener und sehr zurückhaltender Mensch, der meist mit seiner Mutter und seiner Freundin unterwegs war. Es war sehr angenehm, mit all den Leuten zu arbeiten.

Tom Engel, der Regisseur, hatte seine Folgen abgedreht, und ein neuer Regisseur kam: Theo Mezger. Der Regisseur sah aus, wie man sich einen Regisseur eben nicht vorstellt: unauffällig gekleidet mit Cordhosen, einfachen Hemden oder Pullis und Schiebermütze. Er sah aus, als käme er direkt vom Traktor oder vom Acker. Doch nie in meinem Leben hat mich ein Regisseur so stark beeindruckt wie er. Theo war virtuos, ich habe mir viel von ihm abgeschaut. Schade, dass er ein hohes Tier beim SDR war und keine Spielfilme machte, denn Theo war ein Könner. Er war ein wenig zynisch, stellte große Anforderungen an das Team, aber blieb immer fair. Sein Intimfeind war die Abteilung Maske und Garderobe, denn die Mädels quatschten meist irgendwo, sodass Theo sie nach kurzer Zeit nur noch als die Kolleginnen von der Urlaubsfraktion bezeichnete. Theo hat wahrscheinlich nie Eigenwerbung betrieben, sonst wäre er ein superberühmter Regisseur geworden, aber er war halt ein hochgebildeter, aber einfacher Mensch und mochte keinen Trubel.

Fast alle Deutschen dürften irgendwas von Theo schon gesehen haben, entweder einen seiner Tatorte, Schwarz Rot Gold, den Klassiker „Flug in Gefahr“ mit Hans Lothar, „Die seltsamen Methoden des Franz Josef Wanninger“ oder auch die unsterbliche Fernsehserie: „Raumpatrouille“. Es war eine Freude, ihm zuzusehen, sehr gut vorbereitet war er immer, sprühte vor Ideen und hatte das Drehbuch in Einzelbilder aufgelöst im Kopf wie kein anderer – einfach sagenhaft. Die Fähigkeit, unter Zeitdruck kreuz und quer im Drehbuch herumzuspringen, um Zeit zu sparen und Lichtrichtungen hintereinander abzudrehen, sodass kein Teammitglied mehr durchblickt und jeder denkt: „Oh Gott, das passt niemals zusammen!“, um dann festzustellen: „Oh Wunder, es geht doch!“, hab ich mir von ihm abgeschaut – danke schön dafür, es war eine Ehre, mit Dir zu arbeiten.


Trollinger für alle und Legehennen zum Lachen                                                                                                              Wenn Theo aus Stuttgart zurückkam, brachte er immer kistenweise Trollinger für das Team  mit. Hin und wieder passierten dann auch komische Sachen. Wir drehten bei einer „Oma ihr klein Häuschen“, und Theo wollte Hühner dafür haben. Karl Hermann, unser Requisiteur, fuhr aber nicht zu einem Bauern, sondern, weil es billiger war, zu einer Legebatterie mit Käfighaltung, kaufte dort acht Hühner, packte die in Kartons auf den Rücksitz seines Autos. 

Dann musste er noch irgendetwas kaufen, ließ also die Hühner im Auto und ging etwas besorgen. Die Hühner befreiten sich, und als Karl Hermann 20 Minuten später zu seinem Auto kam, flatterten drin die Hühner umher und hatten inzwischen sein ganzes Auto vollgekackt. Total genervt kam Karl Hermann zum Drehort und ließ die Hühner im Garten frei. Ja, und da standen sie dann rum wie Plastikhühner und bewegten sich nicht mehr. Als Hühner aus einer Legebatterie waren sie es nicht gewohnt, herumzulaufen und sich zu bewegen. Theo lästerte noch tagelang über die Hühner.

Einmal drehten wir eine Szene, in der Polizisten Zuhälter verhaften. Das waren alles Komparsen, aber echte Polizisten spielten die Polizisten und echte Zuhälter die Zuhälter. „Na, wenigstens im Film gelingt es uns, sie zu verhaften, im wirklichen Leben leider nie“, sagte uns einer der Polizisten. Von Berlin her waren wir es gewohnt, dass irgendwelche Wichtigtuer sich im Bild aufstellten, und wenn man sie bat, wegzugehen, kam der Spruch: „Ik kann hier stehen, wie et mir passt, ik zahl ooch Steuern.“ Dann musste man warten, bis die Idioten weggingen. Die Duisburger Polizei war da schimanskierprobt anders drauf. Krakeeler wurden gepackt und zur Stadtgrenze gebracht. Bis die dann zurück waren, waren wir längst mit dem Drehen fertig. 

Ich kann nur sagen: Vergesst Eure Vorurteile über Duisburg, es ist zwar keine schöne Stadt, aber die Menschen sind gut drauf.



Vater eines Mörders, der Schiedsrichter und Inge Meysel                                                                                  Ein...